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08.02.2005

08:29 Uhr

Das kommende Pfandbriefgesetz erschwert den Verkauf

Deutsche Hypothekenbanken finden keine Käufer

VonKatharina Kort

Die Suche nach Käufern für Hypothekenbanken in Deutschland gestaltet sich schwierig. Seit Monaten stehen mehrere Anbieter zum Verkauf. Doch mit dem anstehenden Pfandbriefgesetz verlieren die Hypothekenbanken ein wichtiges Privileg und Verkaufsargument.

FRANKFURT/M. Der Staatsfinanzierer Depfa mit Sitz in Irland will seine Tochter, die Deutsche Pfandbriefbank, nun seit fast einem Jahr verkaufen. Den zunächst angestrebten Termin September hat die Depfa im vergangenen Jahr bis auf weiteres verschoben. Die Gewerkschaftsholding BGAG und der Baufinanzierer BHW wollen sich von der angeschlagenen Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) trennen, an der sie beide beteiligt sind. Auch hier ist kein Interessent bekannt. Die ING Gruppe sucht für die ehemalige BHF-Tochter Deutsche Hypothekenbank ebenfalls noch einen Käufer. Als die Hypo Real Estate vor zwei Wochen die Minderheitsaktionäre ihrer Württemberger Hypo auszahlte, gab es sofort Spekulationen, ob der Immobilienfinanzierer aus Bayern seine Tochter verkaufen will. Die Bankgesellschaft Berlin und deren Hypothekenbank-Tochter Berlin-Hannoversche Hypothekenbank (BHH) stehen für 2007 zur Privatisierung an. Allerdings soll die Hypothekenbank wohl nicht separat verkauft werden.

„Im Moment stehen die Eigentümer unter Druck, zu verkaufen“, sagt Simin Mazaheri von der Unternehmensberatung Mercer Oliver Wyman, „das ist zum Teil durch die eigene Geschäftspolitik verschuldet“. Die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden etwa hat sich bei den Zinsen verspekuliert. Sie war nach dem 11. September 2001 von einer kurzen Niedrigzins-Phase und einem baldigen kräftigen Anziehen ausgegangen und hatte dementsprechend investiert. Außerdem hat sich die Frankfurter Bank – wie viele andere – auch im Osten Deutschlands verrechnet und ist auf faulen Krediten sitzen geblieben. Dabei ist die Qualität der angebotenen Hypothekenbanken sehr unterschiedlich. Ralf Burmeister, Kreditanalyst bei der LBBW, weist angesichts der Pläne für die AHBR darauf hin, dass „mit der Depfa und der Deutschen Hyp zwei Hypothekenbanken mit einer besseren Reputation zum Verkauf“ stehen.

Neben den unternehmensspezifischen Problemen bleibt das Inkrafttreten des Pfandbriefgesetzes im Sommer das größte Hindernis für den Verkauf. Denn damit fällt das Spezialbankprinzip weg, wonach nur Hypothekenbanken und Landesbanken Pfandbriefe emittieren dürfen, die eine günstige Refinanzierung für das traditionell margenschwache Immobiliengeschäft ermöglichen. „Mit dem bevorstehenden allgemeinen Pfandbriefgesetz werden spezialisierte Hypothekenbanken für Pfandbriefemissionen im Prinzip nicht mehr gebraucht“, schrieb Ralf Grossmann, Pfandbriefanalyst bei CDC Ixis, jüngst in einer Studie. Neue Eigentümer werden sich nur mit einem überzeugenden, das heißt profitablen Geschäftsmodell finden lassen, meint er.

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