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29.01.2010

17:44 Uhr

Davos

Ackermann weist Pauschalkritik an Banken zurück

VonHermann-Josef Knipper

Der Vorstandschef der Deutschen Bank reagiert auf die massive Kritik an seinem Berufsstand. Es sei Zeit das „bankerbashing“ zu beenden. Nun solle man nach vorne zu schauen.

Genug der Kritik: Deutsche-Bank-Chef Ackermann. ap

Genug der Kritik: Deutsche-Bank-Chef Ackermann.

DAVOS. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat am Freitag auf die massive Kritik reagiert, denen sich die Finanz-Elite in den letzten Tagen erneut ausgesetzt sah. Diese Woche hatte sich nicht nur US-Präsident Barack Obama, sondern auch Bosch-Chef Fehrenbach und Siemens-Chef Löscher kritisch mit der Verantwortung der Banker für die Weltwirtschafskrise auseinandergesetzt und die Millionen-Boni kritisiert. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos herrscht seit Tagen ein aggressives Klima gegen die Banker.

Ackermann nutzte eine Debatte über die Aussichten der Weltwirtschaft für seine Reaktion. Er erinnerte daran, dass nur wenige Banken wirklich in die Knie gegangen sind, dass sehr viele Banken die Krise gut überstanden haben und heute profitabler sind als vorher. Viele Banker hätten Fehler gemacht, gestand er ein, aber auch Politik und Kontrollbehörden seien mitverantwortlich. Ackermann rief dazu auf, dieses "bankerbashing" jetzt zu beenden und sich konstruktiv der Lösung der Probleme zuzuwenden: "Wir müssen jetzt nach vorne gucken."

Viel sei noch zu tun, um den Finanzsektor insgesamt wieder voranzubringen, so Ackermann. Das Finanzsystem müsse stabiler und effizienter werden. Er stehe hinter den Reformvorschlägen, etwa der USA, sofern es etwa um die Stärkung des Eigenkapitals gehe. Es müssten auch Regeln gefunden werden, damit Banken in Konkurs gehen könnten, ohne eine Systemkrise zu provozieren.

Er plädierte für tiefgreifende und globale Regeln, deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Banken zuvor genau untersucht werden müssen. Es sei nicht sehr weise, neue Steuern einzuführen, sagte er mit Hinweis auf die Debatte zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Von zentraler Bedeutung sei die Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes, die jetzt in kleinen Schritten und bei maximaler Transparenz gestartet werde.

Kommentare (5)

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Jedermann

29.01.2010, 20:12 Uhr

Die Kritik an den bankern ist absolut berechtigt. Das Kasino börse scheint wieder geöffnet; aus der Krise wurde nichts gelernt. im Gegenteil auf alles wird geschimpft aber nicht gehandelt. An der hohen Rendite von 25 % hält Herr Ackermann unverändert fest. Woher soll das denn kommen. Das ist asozial; gleichzeitig werden die Sparer beschimpft sie wären mitverantwortlich für die Krise weil sie immer höhere Renditen wünschten. Sollen sich die Sparer doch mit 2 % zufrieden geben. So viel Arroganz ist unerträglich. Einziger Trost: Das letzte Hemd auch der gierigsten bankmanager hat keine Taschen!!!

Dieter

29.01.2010, 21:02 Uhr

Unisono fordert man in Davos strengere Regeln für die Finanzmärkte. Frankreich und die USA legen sich dabei besonders ins Zeug. Die banken zeigen da wenig Verständnis. Vornehmlich die Transparenz der Geschäfte wird nachhaltig angemahnt. Außerdem soll die Größe der banken begrenzt werden. H. Ackermann hält nicht die Größe einer bank für das Problem, sondern deren Risikobereitschaft. Da hat er natürlich Recht. Nur kann das zurzeit niemand kontrollieren. H. Obama hatte schon bei seiner Rede an die Nation kritisiert, dass die banken mit ihren Risikogeschäften die komplette Wirtschaft des Landes bedroht hätten. Die schmerzlichen Erfahrungen der zurückliegenden Krise belegen dies nachhaltig. Da die Krise anscheinend gestern war und wieder alles wie geschmiert läuft, möchte H. Ackermann den Mantel des Schweigens über dem Geschehenen ausbreiten. Er fordert mehr Verständnis von der Politik und möchte, dass endlich das Gerede über die bösen banken aufhört. ich vermute, dass ihm die dreistelligen Milliardenbeträge entfallen sind, die zur Rettung der institute aus dem Zylinder gezaubert wurden. Es muss allerdings erwähnt werden, dass sein institut keine Staatshilfe in Anspruch nahm. Seine Freundin, die Fr. Merkel geriet durch die bankenkrise zudem in arge bedrängnis. Zu harte Regulierungsvorschriften hält H.A. für wirtschaftsschädlich und warnt vor den Folgen.
Die Vorschläge von H. Obama wurden vom EU-Währungskommissar für den europäischen Raum als unnötig angesehen. Auch von chinesischer Seite kam der Vorschlag die internationalen Maßnahmen zu koordinieren und aus den Fehlern zu lernen. Die
G 20 Staaten sollen ein internationales Sicherheitsnetz schaffen um die Kapitalbewegungen unter Kontrolle zu halten. Eine federführende Rolle soll dabei natürlich den banken eingeräumt werden. Auch H. Sarkozy forderte Lehren aus der Krise zu ziehen indem er vorschlug, dass wieder, in einer neu gestalteten Form, feste Wechselkurse gegenüber dem Dollar als Leitwährung eingeführt werden. Zurzeit gelten flexible Wechselkurse. Da das Kasino wieder eröffnet ist, die banken wieder Milliardengewinne einfahren und die boni ebenso in den Milliardenbereich vorpreschen, kann man den Wunsch der Politiker nach dem Einbremsen der banken nachvollziehen. Nicht zu vergessen, dass eine erhebliche Anzahl von ihnen vom Steuerzahler wieder flott gemacht wurden. Schon vergessen, liebe banker.

Tasse im Schrank

30.01.2010, 10:40 Uhr

Aus der Art und Weise, wie Herr Ackermann versucht, einer "pauschalen" Kritik an den banken zu begegnen, lässt sich gut sehen, wie wenig er (gilt wohl auch für die meisten seiner Kollegen) verstanden hat, was eigentlich in den letzten Jahren geschehen ist und warum die banker nun in einem so schlechten Licht dastehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Herren in ihrem Elfenbeinturm über die Niederungen der Realität hinwegsehen und nur noch sehr ausschnitthaft die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen, die sie umgibt. Weniger Selbstmitleid dafür mehr Verantwortungsbereitschaft bei der Lösung der realen Probleme wäre wünschenswert.

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