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07.10.2016

19:03 Uhr

Debatte über Kapitalerhöhung

Katar steht wohl treu zur Deutschen Bank

Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat die Vermögensverwaltung einen „essenziellen Bestandteil des Geschäfts“ genannt. Dennoch wird an einer Abspaltung gearbeitet. Und der größte Investor schwört der Bank derweil die Treue.

Hilfe oder keine Hilfe

Das ist die aktuelle Situation der Deutschen Bank

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FrankfurtDie Debatte um eine mögliche Kapitalerhöhung der Deutschen Bank geht weiter – gleich an mehreren Fronten. Das Handelsblatt hatte berichtet, dass Top-Manager von Dax-Konzernen darüber gesprochen haben, ob ein Einstieg bei der Bank möglich sei, sollte eine drohende US-Strafzahlung in Milliardenhöhe das Eigenkapital des Instituts zu hart treffen. Die Financial Times berichtete, dass ein Börsengang der Vermögensverwaltung geprüft werde, um an Kapital zu gelangen. Und am Vormittag legt die Nachrichtenagentur Reuters mit der Information nach, dass der größte Aktionär der Bank bei einer Kapitalerhöhung mitziehen könnte: das Emirat Katar.

Die Herrscherfamilie des Landes habe derzeit keine Pläne aus der Bank auszusteigen, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur. Die Scheichs halten sich demnach sogar die Möglichkeit offen, bei einer weiteren Kapitalerhöhung mitzuziehen – sollte ein solcher Schritt nötig werden, etwa die Rechnung für den US-Hypothekenstreit Reserven übersteigt. Die Bank wollte die Informationen nicht kommentieren, von der Herrscherfamilie war am Freitag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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In der Krise springen hiesige Großkonzerne der Deutschen Bank zur Seite: Führende Manager der deutschen Industrie haben bereits eine Beteiligung an dem Institut diskutiert, sollte das Geldhaus frisches Kapital benötigen.

Spekulationen auf eine Aufstockung der Beteiligung von Großaktionären aus Katar an Deutsche Bank auf 25 Prozent haben die Aktien des Instituts an der Wall Street angetrieben. Die in den USA gelisteten Titel legten am Freitagabend um bis zu 3,1 Prozent zu. Kurz zuvor hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen Vorabbericht veröffentlicht, demzufolge die Scheichs gemeinsam mit anderen Investoren eine Sperrminorität von 25 Prozent erwerben könnten. Als Partner für einen solchen Schritt kämen vor allem Staatsfonds infrage, hieß es in dem Bericht weiter. Eine solche Aufstockung auf 25 Prozent sei aber unwahrscheinlich, sagten zwei mit der Situation vertrauten Personen zu Reuters.

Einer der Insider betonte, die Deutsche Bank sei für Katar ein langfristiges Investment: „Katar glaubt, dass es für die Bank am Ende gut ausgehen wird.“ Es gebe momentan keine Forderung, abermals das Top-Management auszutauschen oder die Strategie zu ändern. Großer Wunsch Katars sei es aber, dass die renditeschwache Deutsche Bank endlich ihre Rechtsstreitigkeiten hinter sich lasse, damit sie sich wieder auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren könne und nicht weiter Marktanteile verliere. „Die Umsetzung ist das Problem, nicht die Strategie.“

Die Herrscherfamilie Al-Thani aus dem Golfstaat hat über zwei Investmentvehikel Zugriff auf knapp zehn Prozent der Anteile. Sie stieg Mitte 2014 ein, damals mit gut sechs Prozent. Seither wurde aufgestockt, auch in Form von Optionen. Erfolgreich war das Investment nicht, weil die Deutsche-Bank-Aktie schon länger im Sinkflug ist. Der Chefwechsel von Anshu Jain zu John Cryan im Sommer 2015 hat nicht geholfen. Zuletzt notierte die Aktie auf einem Rekordtief von unter zehn Euro. Auf dem Papier haben die Kataris damit schon mehr als eine Milliarde Dollar verloren.

Einer der Insider betonte, sollte sich Katar dazu entschließen, bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen, wolle das Emirat aber weiter unter der 10-Prozent-Schwelle bleiben. Investoren, die diese Marke überschreiten, haben in Deutschland strenge Veröffentlichungspflichten und müssen ihre Pläne mit der Beteiligung offenlegen.

Die Deutsche Bank erwägt zudem einen Börsengang ihrer Vermögensverwaltungssparte, um frisches Kapital aufzubringen. Das Geldhaus prüfe, einen Minderheitsanteil an der Deutsche Asset Management an den Aktienmarkt zu bringen, berichtet die „Financial Times“ am Freitag. Eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, schreibt die Zeitung und beruft sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar ab.

Die Bank steckt derzeit mitten im Verhandlungspoker mit den US-Behörden, um eine Milliardenstrafe im Streit um faule Hypothekenpapiere noch zu drücken. Die Rückstellungen der Bank für juristische Auseinandersetzungen belaufen sich derzeit auf 5,5 Milliarden Euro, allein der derzeit diskutierte US-Fall droht jetzt aber diese Reserven zu übertreffen. Spekulationen über einen Verkauf der Vermögensverwaltung war Deutsche-Bank-Chef John Cryan erst Mitte September entgegengetreten. In einem Brief an die Mitarbeiter erklärte Cryan, „die Deutsche Asset Management ist und bleibt ein essenzieller Bestandteil unseres Geschäftsmodells.“

Kommentare (10)

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Herr Thomas Behrends

07.10.2016, 10:03 Uhr

Das ist wieder so richtig typisch für Banken (allerdings auch für einen Gutteil der Deutschen Wirtschaft); geht es ihnen gut, dann wird das Geld nur so zum Fenster heraus geworfen. Geht es ihnen anscheinend schlecht, dann werden die Mitarbeiter hinaus geworfen.

Offenbar regiert momentan das absolute Chaos bei der Deutschen Bank AG.

Heute so, morgen wieder ganz anders.

Wer soll dazu noch Vertrauen haben?

Herr Josef Schmidt

07.10.2016, 10:36 Uhr

Die DB wird jetzt filetiert. Die besten Stücke bekommen die US Banken und das Risiko bleibt beim deutschen Steuerzahler. So läuft es halt mit Vasallen.

Herr Tom Schmidt

07.10.2016, 10:54 Uhr

Hä? Es wird immer verworrener... was für eine Schieflage. Vor ein paar Tagen war der große Befreiungsschlag, dass die Strafen nicht so hoch sind, wie die Rückstellungen dafür...

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