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26.06.2013

14:37 Uhr

Depot-Tochter geht nach Frankreich

Commerzbank holt mit Verkauf Geld herein

Die Commerzbank steht offenbar kurz vor dem Verkauf ihrer Depotbank an die BNP Paribas. Im Juli sollen die Verträge unterzeichnet werden. Mit dem Abbau ihrer Schiffsfinanzierungen lässt sich die Bank hingegen Zeit.

Das Logo der Commerzbank am Gallileo-Hochhaus in Frankfurt am Main. Insidern zufolge steht die Commerzbank kurz vor dem Verkauf ihrer Depotbank. dpa

Das Logo der Commerzbank am Gallileo-Hochhaus in Frankfurt am Main. Insidern zufolge steht die Commerzbank kurz vor dem Verkauf ihrer Depotbank.

FrankfurtDie Commerzbank steht Finanzkreisen zufolge kurz vor dem Verkauf ihrer Depotbank an die französische BNP Paribas. Zwei mit der Sache vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, die Gespräche seien im finalen Stadium. Die „Börsen-Zeitung“ hatte berichtet, die Verträge mit dem deutschen Marktführer könnten bis Mitte Juli unterzeichnet werden. BNP Paribas könnte mit der Übernahme den Abstand zur Konkurrenz deutlich vergrößern. Bisher liegt sie nach Daten des Branchenverbandes BVI mit einem verwalteten Fondsvermögen von fast 190 Milliarden Euro nur knapp vor der US-Depotbank State Street (177 Milliarden Euro). Mit den 92 Milliarden Euro der Commerzbank käme sie auf fast 280 Milliarden Euro.

Die Sparte könnte der Commerzbank nach früheren Angaben bis zu 200 Millionen Euro einbringen. Beide Institute lehnten eine Stellungnahme ab. Im Oktober war bekannt geworden, dass die Commerzbank einen Käufer für ihre Depotbank sucht und dafür die Investmentbanker der UBS mandatiert hat. Eigentlich sollte der Verkauf schon im ersten Quartal 2013 abgeschlossen sein. Nun zogen sich die Verhandlungen offenbar länger hin als gedacht.

Eine Depotbank verwahrt vor allem Sondervermögen wie Investmentfonds. Für die Commerzbank war das Geschäft bislang ein starkes Standbein, doch fährt das zweitgrößte deutsche Geldhaus einen radikalen Sanierungskurs, um wieder nachhaltig Gewinne zu schreiben. Dazu zählt auch der Abbau von rund 5200 Stellen und der Rückzug aus einigen Geschäftsbereichen. Wie viele Menschen in der Depotbank arbeiten, sagt die Commerzbank nicht. Die Bank legt ihren Fokus künftig auf Privatkunden und den Mittelstand.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Commerzbank will sich mit dem Abbau ihres mehr als 18 Milliarden Euro schweren Bestands an Schiffsfinanzierungen Zeit lassen. An der Strategie für den Abbau von Immobilien- und Schiffskrediten habe sich nichts geändert, sagte Bereichsvorstand Stefan Otto am Mittwoch. „Wir wollen die Portfolien wertschonend und über die Zeit abbauen: Es gibt keine Firesales. Das gilt auch für die Schiffsportfolios.“ Die Commerzbank reagierte damit auf Spekulationen an der Börse, sie habe Probleme, von dem unerwünschten Berg an Schiffskrediten herunterzukommen, und dass die fälligen Abschreibungen in dem Bereich ihre Eigenkapitaldecke angreifen würden. Rund ein Viertel der Kredite galten zuletzt als ausfallgefährdet. Die Spekulationen hatten die Commerzbank-Aktie gegen den Markttrend um bis zu vier Prozent gedrückt.

Um nicht zu einem schnellen Verkauf der Schiffe gezwungen zu sein, hatte die Commerzbank kürzlich eine Auffanggesellschaft mit dem Namen „Hanseatic Ship Asset Management“ ins Leben gerufen, die Schiffe über eine gewisse Zeit weiter in Betrieb halten kann, wenn deren Eigentümer nicht mehr zahlen können. „Mit der Gründung dieser Tochter haben wir ein weiteres Instrument geschaffen, das den Handlungsspielraum der Bank bei Restrukturierungen vergrößert“, erklärte Otto. Die Commerzbank kann dann mit einem Verkauf warten, bis sich die Lage auf dem Schiffsmarkt wieder bessert.

Von

rtr

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