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31.01.2005

09:28 Uhr

Der Name Oetker hilft bei der Akquise von Neukunden

Die kleine Bank von Dr. Oetker

VonMarkus Pfeil

„Gehst du zu hoch hinauf, verbrennst du die himmlischen Häuser. Gehst du zu tief, die Erde. Am sichersten hältst du dich in der Mitte.“ Es waren die Worte seines Vaters, des Sonnengottes Sol, die Phaethon hätte befolgen sollen, bevor er die Zügel ergriff, um den Sonnenwagen mit den vier feurigen Rössern um die Erde zu lenken.

DÜSSELDORF. Rudolf August Oetker ließ diese am Dachgiebel des Bankhauses Hermann Lampe am Alten Markt in Bielefeld anbringen. Kurz nach der Währungsreform hatte Oetker die ostwestfälische Privatbank übernommen, ein kleines regional verwachsenes Geldhaus, das damals schon fast 100 Jahre alt war, eine Bank, die sich nicht in Anmaßung und Übermut hinreißen lässt – weder zu Taten noch Worten, für die ihre Kräfte nicht ausreichen.

So ließe sich die Philosophie des Bankhauses Lampe beschreiben, so beschreibt sie die Bank selbst, so lebt sie Oetker. Am 1. Juli 1949 kaufte er in Minden die Bank, die Hermann Lampe 1852 zu Beginn der industriellen Revolution im Alter von 24 Jahren als Bank- und Speditionsgeschäft gegründet hatte. Es waren bescheidene, fast provinzielle Verhältnisse, die sich Oetker einverleibte – zehn Mitarbeiter arbeiteten am Mindener Stammsitz, die Vesperpausen wurden noch per Handglocke eingeläutet und beendet – das Bankhaus Lampe war durchtränkt von altertümlichem Stil und konservativem Ton.

Oetker wandelte die offene Handelsgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft, ernannte den Bankier Hugo Ratzmann als Komplementär und staffierte die Bilanz mit frischem Kapital in Höhe von 250 000 Mark aus. Heute verfügt die Bank über 150 Mill. Euro Eigenkapital. Die Bilanzsumme liegt bei etwas über drei Mrd. Euro, und rund 500 Mitarbeiter arbeiten in neun Zweigstellen in Bielefeld, Düsseldorf, Hamburg, München, Frankfurt, Berlin, Münster, Zürich und Luxemburg. Bodenständig und heimatverbunden sei man noch heute, versichert Christian Graf von Bassewitz, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank. Das Geldhaus bilanziere nach dem Handelsgesetzbuch, und das so lange wie möglich, sagt von Bassewitz. „Wir wollen keine durch Firmenwerte aufgeblähte Bilanz.“ Volatilität sei im eigenen Rechenwerk nicht gern gesehen. „Wir sind ein deutsches Familienunternehmen und wollen das auch bleiben. Wir wollen keine Internationalisierung, wir gehen höchstens mit dem Kunden ins Ausland. Eine funktionierende Kundenbeziehung ist uns wichtiger als unsere Bilanzsumme.“ Sätze wie diese versprühen den diskreten Charme alten Geldes.

Drei verschiedene Kundengruppen zählt das Bankhaus Lampe zu seiner Klientel: vermögende Privatkunden, institutionelle Anleger und mittelständische Firmenkunden. Egal in welchem der drei Geschäftsbereiche – die Bank verkauft keine eigenen Produkte, obwohl das kurzfristig die Margen aufbessern würde. „Wir können Kunden keinen geschlossenen Fonds verkaufen, mit dem wir mehr verdienen als er selbst“, sagt Ferdinand Oetker, der Sohn des Patriarchen, der seit einem Jahr als Direktor bei der Bank arbeitet. „Wir verkaufen nur, was wir auch selber kaufen würden.“

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