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28.08.2014

16:07 Uhr

Derivat-Geschäfte

Nächste Geldstrafe für Deutsche Bank

Und wieder wird es teuer für die Deutsche Bank: Unsauber dokumentierte Derivat-Geschäfte in Großbritannien kosten die Bank 4,7 Millionen Pfund Strafe. Die Summe hätte sogar noch höher ausfallen können.

Wieder eine Geldstrafe: 4,7 Millionen Pfund muss die Deutsche Bank an die britische Finanzaufsicht FCA zahlen. ap

Wieder eine Geldstrafe: 4,7 Millionen Pfund muss die Deutsche Bank an die britische Finanzaufsicht FCA zahlen.

FrankfurtNeue Ohrfeige für die Deutsche Bank : Die britische Finanzaufsicht FCA hat Deutschlands größtes Geldhaus zu einer Strafe von 4,7 Millionen Pfund (etwa 5,9 Millionen Euro) verdonnert. Der Grund sind unsauber dokumentierte Markttransaktionen über einen Zeitraum von fast sechs Jahren, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte.

„Es gibt überhaupt keine Entschuldigung dafür, dass die Deutsche Bank hier nicht ordentlich gearbeitet hat“, erklärte die zuständige Direktorin Tracey McDermott. Die Frankfurter sind bereits das elfte Geldhaus, das eine Strafe in der Sache zahlen muss. Diese wäre sogar noch höher ausgefallen, hätte sich die Bank nicht frühzeitig mit der FCA geeinigt.

Bei den kritisierten Transaktionen geht es um hochspekulative Derivate - sogenannte Differenzkontrakte (CFDs), die von der Deutschen Bank zwischen November 2007 und April 2013 millionenfach ausgeführt wurden. Damit können Anleger auf steigende oder fallende Kurse etwa einer Aktie setzen, ohne diese selbst zu besitzen.

Nach europäischem Recht sind die Dokumentationspflichten bei solchen Geschäften besonders groß, um Marktmanipulationen einen Riegel vorzuschieben. Die Deutsche Bank erklärte, sie habe im März 2013 ein Software-Problem bei einigen CFD-Transaktionen entdeckt und danach schnell an der Behebung des Problems und der Verstärkung der Kontrollen gearbeitet.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Deutsche Bank bei den Regulierern aneckt: Das Institut ist etwa in die Skandale um manipulierte Zinsen und Devisenkurse verwickelt und wurde zuletzt von den US-Behörden wegen schlampiger Buchführung der dortigen Tochter ermahnt. Außerdem sieht sich die Bank mit zahlreichen Klagen von Investoren in Hypothekenpapiere konfrontiert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Peter T. Kroeger

28.08.2014, 16:55 Uhr

Für mich leider klar ein Deinvestment. Fundamental, ethisch und technisch. Was für ein Ansehensverlust.

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