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13.06.2012

17:20 Uhr

Derivate-Verluste

Durchbruch bei der Aufspaltung der WestLB

ExklusivVerluste mit Derivaten im Wert von 230 Millionen Euro hätten die Aufspaltung der WestLB fast verhindert. Jetzt sollen sich die Sparkassen und das Land geeinigt haben. Großer Gewinner ist die Helaba.

Die WestLB befindet sich in der Zerschlagung. dpa

Die WestLB befindet sich in der Zerschlagung.

Frankfurt/DüsseldorfDie Sparkassen und das Land Nordrhein-Westfalen haben auf dem Weg zur Aufspaltung der WestLB Eignerkreisen zufolge weitere Stolpersteine aus dem Weg geräumt. Der Streit um die Verteilung von möglichen Millionen-Lasten beim Übergang der WestLB-Verbundbank auf die Helaba sei beigelegt, sagten mehrere Insider am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Land und Sparkassen haben sich geeinigt", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

„Die Kuh ist offensichtlich vom Eis“, sagte ein anderer Insider aus dem Lager der Sparkassen. Die Grundzüge eines umfassenden Kompromisses stünden, nur letzte Details müssten noch geklärt werden, sagte eine weitere Person aus dem Eignerlager. Nach Informationen von Handelsblatt Online übernimmt WestLB-Nachfolger Portigon rund 80 Millionen Euro der Verluste. Die übrigen teilen sich Land und Sparkassen. Damit hätte sich die Helaba vollständig durchgesetzt.
Hintergrund des Streits war in ersten Linie ein Derivatepaket im Portfolio der WestLB-Verbundbank, das Finanzkreisen zufolge Risiken von 230 Millionen Euro enthält. Ursprünglich waren diese sogar mit 300 Millionen Euro beziffert worden. Es sei jetzt eine Lösung gefunden worden, sagte mehrere Personen aus dem Umfeld der Verhandlungen. Danach sollten 150 Millionen Euro der Summe mit Unterstützung der Sparkassen auf die WestLB-Bad-Bank EAA übergehen. 80 Millionen Euro verblieben bei der WestLB - diese Belastung sei aber zu verkraften, weil die Gelder mit einem außerordentlichen Ertrag des Instituts verrechnet werden könnten.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Zudem sei auch die Helaba bei Risiken Mit im Boot, die noch aus dem Verbundbank-Portfolio bis zum Übergang an die Landesbank entstehen könnten. Die Verhandlungen über letzte Details seien noch im Gange. So lange diese nicht beendet und die Verträge nicht unterzeichnet seien, sei der Übergang der Verbundbank nicht endgültig in trockenen Tüchern, warnte aber ein weiterer Insider.
Eine Verwaltungsratssitzung der Helaba, ursprünglich für Mittwoch geplant, wurde verschoben und soll nun stattfinden, sobald ein Ergebnis vorliegt. Anschließend müssen auch die Sparkassenverbände, das Land Nordrhein-Westfalen, der Bund und die EU grünes Licht geben.
Der Streit um das Derivateportfolio war brisant: In Sparkassenkreisen hatte es geheißen, durch den Streit ums Geld könne die Übernahme von Teilen der WestLB durch die Helaba in letzter Sekunde platzen. Alle Beteiligten stehen unter großem Zeitdruck - bis Ende des Monats müssen alle Probleme gelöst sein, denn dann muss die WestLB nach langem Streit mit der EU-Kommission um milliardenschwere öffentliche Beihilfen und Garantien zerschlagen werden.

Helaba: Giftpapiere blockieren WestLB-Übernahme

Helaba

Giftpapiere blockieren WestLB-Übernahme

Der Streit um die Zerschlagung der WestLB spitzt sich weiter zu.

Die Beteiligten hatten lange darüber gestritten, welche Bereiche der WestLB mit welcher Bewertung in die Verbundbank übertragen werden und wie der Rahmenvertrag zur Zusammenarbeit zwischen der Helaba und den NRW-Sparkassen aussieht. In der Verbundbank ist das WestLB-Geschäft mit den Sparkassen gebündelt. Die übrigen Teile des einstigen Flaggschiffs der Landesbanken sollen auf die Bad Bank EAA sowie auf den WestLB-Nachfolger Portigon übergehen. Auf die EAA kommen dabei Portfolien mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro zu.

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