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31.05.2012

06:41 Uhr

Deutsche Bank

Ackermanns Altlasten

VonPeter Köhler, Susanne Schier

Josef Ackermann steht den Aktionären zum letzten Mal Rede und Antwort. Die Ära des Schweizers ist zu Ende. Nicht alle Altlasten konnte er beseitigen, die Aktie braucht dringend neue Visionen, um profitabler zu werden.

Josef Ackermann (rechts) und Nachfolger Anshu Jain. dapd

Josef Ackermann (rechts) und Nachfolger Anshu Jain.

FrankfurtAnshu Jain, der künftige Ko-Chef der Deutschen Bank, lässt die Aktionäre schon wenige Tage vor der Hauptversammlung wissen, wohin das Institut in den nächsten Jahren steuert. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC nannte er drei Punkte, die in den fünf Jahren seiner Amtszeit Priorität haben: Sicherung der Position im Heimatmarkt, Ausbau des US-Geschäfts und Expansion in den Schwellenländern.

Es ist vor allem der letzte Punkt, der für das Dividendenpapier wie der Treibsatz wirken würde, den es dringend nötig hätte. Denn seit der letzten Hauptversammlung im Mai 2011 hat die Aktie mehr als 28 Prozent an Wert verloren. Die Ausschüttung von 75 Cent je Aktie, über die die Anteilseigner morgen abstimmen werden, ist da nur ein schwacher Trost.

"Wenn die Aktie wirklich nach oben ausbrechen soll, dann brauchen sie eine Wachstumsstory für die Emerging Markets", sagt ein Unternehmensberater, der im kontinuierlichen Kontakt mit dem Vorstand der Deutschen Bank steht. Natürlich richtet sich dabei der Blick nach Asien, wo auch der künftige Ko-Vorstandschef Jürgen Fitschen hervorragend vernetzt ist. Und Jain ist ja gebürtiger Inder.

Aber ganz so einfach geht die Gleichung nicht auf. Denn die Banken in den boomenden Schwellenländern Indien und China gelten als vergleichsweise teuer. Außerdem ist der heimische Branchenprimus schon in China präsent. An der Huaxia Bank, dem zehntgrößten Institut im Reich der Mitte, hält die Deutsche Bank mit 19,9 Prozent den maximal zulässigen Anteil. Und am Vermögensverwalter Harvest hält das Institut 30 Prozent.

Deutsche Bank beantwortet Leserfragen

Zentrale in Frankfurt

"Welche Garantie geben Sie, dass die Deutsche Bank auch in Zukunft noch eine "deutsche Bank" mit Zentrale in Deutschland bleibt? Warum sind so wenig Deutsche in den Führungsgremien vertreten?", fragt Eduard M.
Antwort: Die Deutsche Bank hat mit der Übernahme der Berliner Bank, der norisbank, der Postbank und von Sal. Oppenheim ihre Position in ihrem Heimatmarkt deutlich weiter ausgebaut. Damit ist Deutschland für die Deutsche Bank wichtiger denn je geworden. Die Deutsche Bank ist aber seit Jahren auch schon eine sehr internationale Bank, die in den wichtigsten globalen Finanzzentren vertreten ist. Diese Internationalität und Vielfalt der Belegschaft der Deutschen Bank spiegelt sich auch in ihren Führungsgremien wider. Im Übrigen sind drei Deutsche im 6-köpfigen Vorstand der Bank. Zum Vergleich: 2008 war nur ein Deutscher im Vorstand.

Gefahr für den Bundeshaushalt

„Die Bilanzsumme der Deutschen Bank betrug Ende 2011 knapp 2,2 Billionen Euro, also etwa das sechs- bis siebenfache des Bundeshaushaltes und doppelt so viel wie die gesamte Exportleistung Deutschlands. Halten Sie dieses Zahlenwerk noch für beherrschbar und glauben Sie alle Risiken, die sich in diesem Zahlenwerk an irgendeiner Stelle in der Welt angesammelt haben, vollständig im Griff zu haben?“, fragt Dieter S.
Antwort: Grundsätzlich ist es Teil der Geschäftstätigkeit einer Bank, Risiken einzugehen. Die Deutsche Bank tut dies bewusst und räumt der Überwachung dieser Risiken einen sehr hohen Stellenwert ein. Unsere konzernweiten Mess- und Überwachungsprozesse ermöglichen uns, Risiken frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Steuerungs- oder Begrenzungsmaßnahmen ergreifen zu können. Diese starke Risikomanagementkultur trägt zur Stabilität der Deutschen Bank bei.

Risiken der Investmentbank

„Wie wollen Sie den Eindruck widerlegen, dass die Deutsche Bank aufgrund der steigenden Bedeutung der Investment-Banking Sparte zu viele Risiken eingeht?“, fragt Kai H.
Antwort: Die Deutsche Bank hat ihr klassisches Bankgeschäft durch den Kauf der Postbank, von Sal. Oppenheim und Teilen der ABN AMRO in den Niederlanden ausgebaut und damit ihre zweite Ertragssäule deutlich gestärkt, die im Jahr 2011 rund 56% des Vorsteuer-Ergebnisses beisteuerte. Die Investment Bank erwirtschaftet ihr Ertragsniveau mit deutlich weniger Risiken als vor der Krise - so wurde unter anderem der Eigenhandel eingestellt und das Risiko (gemessen am Value at Risk) um 67% reduziert. Mit diesem konservativen Risikoprofil und Liquiditätsreserven von 219 Milliarden Euro (Jahresende 2011) ist die Deutsche Bank robust aufgestellt.

Frauen in Führungspositionen

„Meines Erachtens sind die Tage, in denen die Männerwelt das Finanzgeschehen bestimmt, gezählt. Frauen in die Führungsebene, das ist die Forderung der Stunde. Ein bisschen mehr Bescheidenheit, weniger Egoismus, der Nachhaltigkeitsgedanke und emotionsloseres Vorgehen verspreche ich mir davon. Wann wird die Deutsche Bank auf diesen Zug aufspringen?“, fragt Eike H.
Antwort: Die Deutsche Bank hat sich an der freiwilligen Selbstverpflichtung der DAX30-Unternehmen zur Förderung des Anteils von Frauen in Führungspositionen beteiligt und sich gegenüber der Bundesregierung verpflichtet, den Anteil der weiblichen Führungskräfte im Senior Management bis Ende 2018 auf 25% und den Anteil der weiblichen Mitarbeiter im Management insgesamt auf 35% bis Ende 2018 zu erhöhen. Die Deutsche Bank hat ihr Ziel, den Anteil von Frauen in Senior-Führungspositionen 2011 auf 17% zu erhöhen erreicht und zugleich ihr Ziel, den Anteil von Frauen im außertariflichen Bereich auf 29,3% zu erhöhen, mit 29,7% übertroffen. Eine Reihe von Programmen und Initiativen für Frauen innerhalb der Bank, wie z.B. Mentoring Programme, unser Top Talent Programm für Frauen „ATLAS“ und Kooperationen mit namhaften Business Schools, tragen immer mehr Früchte.

Kirch-Prozess

„Wie hoch schätzt der Vorstand der Deutsche Bank AG das Risiko ein, dass ihr Jahresabschluss zum 31.12.2011 bei Klage eines Aktionärs der "Nichtigkeit" im Sinne des Aktiengesetzes anheimfallen könnte, da keine Rückstellung für das "Kirch-Risiko" passiviert wurde?“, fragt Kurt H.
Antwort: Wir sehen kein Risiko, dass der Jahresabschluss auf eine Aktionärsklage wegen fehlender Rückstellung für das Kirch-Risiko als nichtig eingestuft werden könnte. Im Fall Kirch prüfen Vorstand und Aufsichtsrat die Frage der Bildung von Rückstellungen in regelmäßigen Abständen, auch unter Einbeziehung externer Berater. Das Ergebnis dieser Prüfungen ist, dass die Voraussetzungen zur Bildung von Rückstellungen nicht vorliegen. Daher dürfen solche auch nicht gebildet werden. Unsere Beurteilung wurde für vergangene Jahre auch bereits durch mehrere OLG Entscheidungen und den BGH bestätigt.

Aktienkurs und Dividende

„Mit welchen Mitteln und wann will das Führungsduo den Aktienkurs wieder stabilisieren und an die alte Performance heranführen?“, fragt Siegfried W.
Antwort: Auch die neue Unternehmensleitung wird alles daran setzen, dass die Deutsche Bank in einem wieder etwas stabileren und vielleicht ruhigeren Umfeld profitabel wächst. Davon sollte dann auch unser Aktienkurs profitieren.

Vielleicht muss der Blick auch nicht gleich in den Fernen Osten schweifen, nahe liegender könnte auch ein Investment zwischen Orient und Okzident sein. "Wenn Sie mich fragen, wird man eher in einem anderen Land Fuß fassen wollen, etwa in der Türkei", sagt ein Topmanager dem Handelsblatt, der dafür einen zeitlichen Rahmen von "innerhalb der nächsten drei Jahre" absteckt. Dabei hat die Deutsche Bank im Ausland auch das Privatkundengeschäft (Retail) im Visier, denn die demografische Entwicklung ist dort günstig.

Es ist jedenfalls diese Wachstumsfantasie, die der Aktie des Branchenprimus momentan ganz einfach fehlt. Der Machtkampf zwischen Vorstandschef Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig um die zukünftige Führung des Konzerns hat zwar alle tief bewegt: den Vorstand, das Kontrollgremium, die Politik und die Gewerkschaften. Beim Kräftemessen der Topmanager ging es dabei immer um die simple Frage: Wer kommt nach oben? Der Aktie sind die monatelangen, teilweise bewusst an die Öffentlichkeit getragenen Ränkespiele nicht gut bekommen - der Kurs fiel.

Ackermanns Abgang - Wohin steuert die Deutsche Bank?

Video: Ackermanns Abgang - Wohin steuert die Deutsche Bank?

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Kommentare (8)

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31.05.2012, 07:17 Uhr

Gute Reise, Joe. Take care und good luck, alter Freund, Mentor und Vorbild !

AckermannSetzen6

31.05.2012, 07:44 Uhr

warum gehts hier immer nur um die aktie? was hat er dem unternehmen selbst denn schon gutes getan? ein unternehmen ist doch nicht nur gut, weeil der aktienkurs in die höhe geht. die deutsche bank ist das deutsche goldman sachs geworden und ist ein inbegriff eines gesellschaftsfeindlichen unternehmens (ich verweise hier auf spekulationen auf kosten hungernder menschen). Ackermann hat sich auch zu sehr in die politik eingemischt und ist mitverantwortlich für die zögernde taktik bei der eurokrisenbewältigung. es wurden zu viele kompromisse zugunsten der großbanken gemacht. [...]

[+++Beitrag von der Redaktion+++]

Account gelöscht!

31.05.2012, 07:59 Uhr

Der hat sein Geld im Sack. Haften müssen andere.

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