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17.03.2006

12:02 Uhr

Deutsche Bank

Alumni-Club: Das Netz der Blaumänner

VonChristian Potthoff

Anders als in den USA sind Ehemaligen-Netzwerke in der deutschen Finanzwelt noch rar. Die Deutsche Bank als Kaderschmiede der Kreditwirtschaft macht mit dem Verein „Deutsche Alumni“ eine Ausnahme. Eine Handelsblatt-Reportage.

FRANKFURT. Absolventen haben es - Ex-Manager auch: Im Alumni-Club werden Kontakte gepflegt. Die Idee stammt, wie könnte es anders sein, aus den USA. Dort sind solche Netzwerke weit verbreitet, wie bei der Beraterfirma McKinsey oder der Großbank JP Morgan. Obwohl Achim Klüber schon seit vier Jahren Deutschland-Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) ist, liegt ihm sein alter Arbeitgeber noch sehr am Herzen. Nicht nur, dass seine Kreditkarte in einer Schutzhülle mit Emblem der Deutschen Bank steckt. Der 49-Jährige ist auch einer der Initiatoren des Vereins „Deutsche Alumni“. Ziel des Clubs, dem rund 150 Ex-Deutsche-Banker angehören, ist die „Förderung und Pflege von anspruchsvollen Kontakten“ unter ehemaligen leitenden Mitarbeitern des größten deutschen Kreditinstituts.

Die Idee hatten Klüber und eine Hand voll andere Ehemalige vor zweieinhalb Jahren. Sie orientierten sich an den USA, wo solche Netzwerke weit verbreitet sind, etwa bei der Beraterfirma McKinsey oder der Großbank JP Morgan. Das erste Treffen des Vereins, der sich mit einem jährlichen Obolus von 50 Euro begnügt, fand im Januar letzten Jahres in der Frankfurter RBS-Niederlassung statt, seitdem gab es auch Treffen in Düsseldorf und Stuttgart. Der Club habe vor allem eine sentimentale Note: „Man trifft ehemalige Kollegen und unterhält sich zwanglos“, sagt Hendrik Harms, der 14 Jahre für die Deutsche arbeitete und heute Geschäftsführer der Deutschen Factoring Bank in Bremen ist.

Anders als in den USA sind Ehemaligen-Netzwerke in der deutschen Finanzwelt noch rar. Dass sich gerade Ex-Deutschbanker zusammentun, ist wenig überraschend. Kein anderes Kreditinstitut weckt so viele Emotionen wie der Branchenprimus – und das längst nicht nur bei den Mitgliedern des Alumni-Clubs, sondern auch bei vielen anderen ehemaligen Mitarbeitern.

Und von denen gibt es reichlich: Die Deutsche Bank ist die Kaderschmiede der Kreditwirtschaft schlechthin. Überall in der Branche bekleiden ehemalige Deutschbanker Führungspositionen – so wie Herbert Walter, der vor ein paar Jahren an die Spitze des einstigen Erzrivalen Dresdner Bank wechselte. Noch heute schimmert seine Vergangenheit durch: Die Namen der neuen Konzernsparten der Dresdner, „Corporate & Investmentbanking“ sowie „Private & Business Clients“, ähneln frappierend den Spartenbezeichnungen der Deutschen Bank. Auch das Sparkassenlager, dessen Verbandsobere gerne über die vermeintlichen Turbokapitalisten in der Frankfurter Taunusanlage herziehen, überspringt bei der Personalauswahl locker alle ideologischen Hürden: WestLB-Chef Thomas Fischer arbeitete ebenso wie LBBW-Chef Siegfried Jaschinski viele Jahre bei den „Blauen“, wie die Deutsche Bank wegen ihrer Konzernfarbe in Frankfurter Bankerkreisen heißt.

Auch in der dritten Säule der Kreditwirtschaft, dem genossenschaftlichen Lager, geben Ex-Deutschbanker den Ton an: Gleich zwei Vorstände der DZ Bank, Thomas Duhnkrack und Wolfgang Kirsch lernten ihr Handwerk bei der Deutschen. Kirsch wird demnächst sogar Vorstandschef der DZ.

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