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30.07.2013

15:42 Uhr

Deutsche Bank auf Diät

„Liebling, ich habe die Bank geschrumpft!“

VonSebastian Ertinger

Die Deutsche Bank ist viel zu schlecht mit Kapital ausgestattet, wettern Experten. Nun fährt das Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Bilanzsumme herunter – und nimmt dafür einen Gewinnrückgang in Kauf.

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain: Das Geldhaus kappt die Bilanzsumme. Bloomberg

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain: Das Geldhaus kappt die Bilanzsumme.

Düsseldorf/Frankfurt„Schrecklich unterkapitalisiert“, nannte Tom Hoenig, Chef der US-Einlagensicherung FDIC, die Deutsche Bank. Die Japanische Notenbank bezeichnete Deutschlands größtes Geldhaus gar als das gefährlichste Institut der Welt. Deren Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen feuerte zurück: „Wir werden uns zur Wehr setzen.“ Doch der Ruf von Analysten und Investoren nach einer besseren Kapitalausstattung der Bank verstummte nie ganz. Auch die Kapitalerhöhung im April, bei der das Haus fast drei Milliarden Euro einsammelte, besänftigte die Finanzwelt nur kurz.

Nun geben Fitschen und sein Co-Chef Anshu Jain dem Druck von Aufsehern, Analysten und Anlegern nach und gehen das Problem auch von der anderen Seite her an: Sie wollen das Geschäft der Bank auf ein Maß schrumpfen, das den Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung entspricht. „Wir werden unsere Bilanzsumme weiter verringern“, kündigte die Doppelspitze am Dienstag an.

„Dies wollen wir auf eine Weise tun, die es uns ermöglicht, die Anforderungen in Hinblick auf das Verhältnis von Bilanzsumme zu Kapital zu erfüllen, unser Angebot für Kunden beizubehalten und unser Geschäftsmodell zu stärken“, erklärten Jain und Fitschen. Und zwar „ohne dass dies materielle Auswirkungen auf unser Ergebnis hätte.“ Für den Bilanzabbau hat der Konzern nach eigener Einschätzung bis zu 250 Milliarden Euro Spielraum. Finanzvorstand Stefan Krause rechnet aber in einer Analystenkonferenz vor, dass der Bank dadurch 300 Millionen Euro Gewinne entgehen. Zudem würde die Aktion einmalig 600 Millionen Euro kosten.

Der Abbau entspricht rund 16 Prozent der bereinigten Bilanzsumme von 1,6 Billionen Euro. Ohne Bereinigung lag die Bilanzsumme Ende Juni bei 1,91 Billionen Euro. JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein zeigt sich jedoch skeptisch: „Wir gehen davon aus, dass die Deutsche Bank die Bilanz eher um 500 Milliarden Euro verkleinern muss.“ Das Geldhaus hatte wegen hoher Rückstellungen für Prozesskosten im zweiten Quartal überraschend einen Gewinneinbruch erlitten.

Die Forderung von Aufsehern und Investoren nach einer besseren Kapitalausstattung und der bisher hartnäckige Widerstand der Deutschen Bank entspringen einem Streit um Kennziffern. Die Diskussion spaltet Regulierer, Experten, Politik und die Finanzbranche.

Bislang setzen Banken und Aufseher das Eigenkapital ins Verhältnis zu den Krediten, welche die Bank vergeben hat. Wie viel eigenes Geld ein Institut dabei für ein Geschäft als Sicherheit bereitlegen muss, richtet sich nach dem einkalkulierten Risiko. Für Anleihen aus Industriestaaten etwa müssen die Banken praktisch kein Geld zurückhalten, für Kredite an ein strauchelndes mittelständisches Unternehmen können es erhebliche Summen sein. Dabei legen die Institute gemäß ihren eigenen Risikomodellen fest, welche Gefahren ein Geschäft birgt. Dies entspricht den Vorgaben der aktuellen internationalen Finanzregulierung, im Fachjargon Basel III genannt, wie sie in Europa umgesetzt wird.

Kommentare (4)

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K.West

30.07.2013, 14:55 Uhr

Solange wir nun nicht für die Bank spenden müssen, wie für Herrn Steinbrück (http://wahlkampfblog.piratenpartei-nrw.de/pirat-sammelt-geld-fur-steinbrucks-wahlkreis/#comment-85), der auch mal als Aufsichtsratsvorsitzender der WestLB hätte Verantwortung übernehmen müssen...

... bin ich fast beruhigt - wenn nicht wie so oft der Steuerzahler bei Banken einspringt. Allerdings steht diese Bank sicherer und die Mithaftung hat sich endlich in 2013 geändert, indem Kleinsparer geschont und Anteilseigner zunächst mithaftbar gemacht werden und am Ende der Staat.

Ich frage mich jedoch, wer wieder im Aussichtsrat da sitzt und wie viel verdient bzw. wie wenig Verantwortung übernommen wird. Dies scheint in Mode gekommen zu sein, dass die Spitze viel Geld verdient ( eigentlich wegen der Verantwortung und dem unternehmerischen Risiko wie man sagt ), jedoch stets nie was wissen will.

Das entscheidende ist, dass eine gute Führungskraft hinterfragt und ebenso ein Kontrolleur im Aufsichtsrat. Andernfalls müsste er auch haftbar gemacht werden.

Account gelöscht!

30.07.2013, 15:24 Uhr

Irgendwo, nicht hier, habe ich gelesen, die DB will die Bilanz über die nächsten 3 Jahre um jeweils 20% schrumpfen, so daß sie sich am Ende halbiert hätte. Es wird spannend, wenn alle Banken plötzlich den Charme der Schlankheit erkennen und beginnen, der DB nachzueifern und die Bilanz zu schrumpfen. Alle natürlich - wie immer in solchen Fällen - gleichzeitig!

ReinerHess

30.07.2013, 15:45 Uhr

Da hat die vermeintlich angeschlagene UBS wieder einmal allen ein Schnippchen geschlagen und scheint den andern um 5 Jahre voraus zu sein.

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