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26.09.2012

06:53 Uhr

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef

Achleitner wehrt sich gegen Aufspaltung von Banken

VonNicole Bastian, Peter Köhler

ExklusivDeutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner wehrt sich im Handelsblatt-Interview gegen die Pläne der SPD, die Universalbanken zu zerschlagen. Die Umsetzung der Pläne bringe unbeabsichtigte Nebenwirkungen mit sich.

Paul Achleitner ist Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. dpa

Paul Achleitner ist Aufsichtsratschef der Deutschen Bank.

FrankfurtDer Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, lehnt die Pläne des möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, Universalbanken in einzelne Geschäftsbereiche unter einer Holding zu trennen, ab. „Man würde mit der Zerschlagung der heutigen Universalbank ohne Zweifel etwas zerstören, was auch für die deutsche Industrie wichtig ist“, sagte Achleitner im Interview des Handelsblatts.

Anders als von Steinbrück behauptet, würden damit keineswegs die richtigen Lehren aus der Finanzkrise gezogen: „Alle Experten wissen, dass ein breiter diversifiziertes Unternehmen wie eine Universalbank weniger Risiken mit sich bringt“, sagte er dem Handelsblatt. Die Institute, die in der Finanzkrise die größten Probleme gehabt hätten, seien in erster Linie Spezialinstitute wie die Hypo Real Estate, die IKB, die Landesbanken oder Lehman Brothers. Die Universalbank Deutsche Bank hingegen blicke auf eine erfolgreiche 140-jährige Geschichte zurück.

Steinbrücks Vorschläge zur Bändigung der Banken

Risikohaftung

Der Staat soll sich aus der Haftung für die Banken weitgehend zurückziehen. Die Institute sollen europaweit aus eigenen Mitteln einen Rettungsschirm in Höhe von 150 bis 200 Milliarden aufbauen. Dieser „Banken-ESM“ soll auch Großbanken abwickeln oder restrukturieren können. Für kleine und mittelgroße Banken soll ein nationaler Fonds zuständig sein. Auch die Aktionäre und Gläubiger seien neben den Eigentümern an den Verlusten zu beteiligen.

Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking

Zunächst soll der Eigenhandel von Banken beschränkt werden. Darunter versteht man Geschäfte, die zur kurzfristigen Gewinnerzielung auf eigene Rechnung getätigt werden. In einem zweiten Schritt ist die Trennung des Einlage- und Kreditgeschäfts vom Investmentteil geplant. Fortführung der Bereiche unter dem Dach einer Holding als rechtlich eigenständige Töchter.

Landesbanken

Ihre Zahl soll von bislang zehn auf zwei bis drei schlagkräftige Institute verringert werden.

Schattenbanken

Für Hedge-Fonds, Private Equity, Zweckgesellschaften oder Geldmarktfonds sollen die gleichen Eigenkapitalregeln gelten wie für Banken. Verbot der Kreditvergabe an solche Finanzgesellschaften und der Beteiligung von Banken an ihnen.

Aufsicht

Plädiert wird für eine europäische Bankenaufsicht nur für systemrelevante Großbanken unter dem Dach der EZB. Deutsche Spar- und Genossenschaftsbanken sollen nicht davon betroffen sein.

Vergütungen und Boni

Alle Top-Verdiener (nicht nur der Vorstand) einer Bank sollen ihr Einkommen veröffentlichen. Die erfolgsabhängigen Zuschläge dürfen das Festgehalt nicht übersteigen.

Der Steinbrück-Plan war am Dienstag in der SPD-Bundestagsfraktion diskutiert worden und soll am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Konzept des möglichen Kanzlerkandidaten Steinbrück trägt den Titel: „Vertrauen zurückgewinnen: Ein neuer Anruf zur Bändigung der Finanzmärkte“. Darin ist unter anderem ein neuer europäischer Rettungsschirm für angeschlagene Geldhäuser vorgesehen, den die Banken selbst finanzieren Mitteln. Wenn ein Geldhaus vor der Pleite steht, sollte nach der Vorstellung Steinbrücks nicht gleich mit Steuergeld geholfen werden. Zuerst sollen Gläubiger und Aktionäre haften. Das „Zielvolumen“ des neuen Bankenschirms soll 200 Milliarden Euro betragen.

Steinbrücks Regulierungskonzept: Mit Bankenschelte auf Stimmenfang

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Mit dem Papier zur „Bändigung der Finanzwelt“ eröffnet Steinbrück den Wahlkampf.

Achleitner betonte im Interview, dass die Deutsche Bank sich gewandelt habe. Eigenhandel ohne Kundenbezug betreibe das Institut schon seit 2009 nicht mehr. Der Kulturwandel sei weiter fortgeschritten als von der Öffentlichkeit wahrgenommen. „Kulturwandel kann nur von innen kommen.“

Kommentare (44)

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26.09.2012, 07:11 Uhr

Dieser Vorschlag wird nie umgesetzt werden, es wäre das Ende der Zockerei an den Finanzmärkten.
Es ist schließlich ein wesentlicher Effekt der Finanzkrise, daß die Gewinne der in die Taschen der reichen dieser Welt fließen, während für die Bankenrettung der Steuerzahler aufkommt.
Wenn man dann noch den Investmentbereich für nicht systemrelevant erklärt wäre das das Ende dieser Umverteilung.

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26.09.2012, 07:29 Uhr

"Wenn man dann noch den Investmentbereich für nicht systemrelevant erklärt wäre das das Ende dieser Umverteilung."

Das wird leider nicht gehen, man muß sich dazu nur den Wertpapiermarkt ansehen.
Der Gedanke der Systemtrennung gefällt mir in diesem Sinne auch, aber letztendlich würde über die Haftungsfragen vielleicht mehr geregelt werden können.
Keine Steuergelder mehr, generell nicht. Dann gibts auch andere Philosophien, die vielleicht wirksamer sind.

Account gelöscht!

26.09.2012, 07:49 Uhr

Was Steinbrück als Finanzminister beim Zoll angerichtet hat kann heute besichtigt werden und zukünftig auf die Banken übertragen werden. Nichts wird besser, aber funktionierende Strukturen sind zerschlagen. Große Klappe, nichts dahinter, das ist die Voraussetzung für eine Politkarriere.

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