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29.10.2015

11:53 Uhr

Deutsche Bank

Aus dem Werkzeugkasten des Sanierers

VonOliver Stock

John Cryan spricht deutsch und beansprucht auf dem Podium keinen Mittelplatz. Mit angelsächsischem Understatement wirbt er um Vertrauen für seinen harten Sanierungskurs. Ein Kommentar.

Der Chef der Deutschen Bank streicht die Dividende und stellt in Aussicht, dass 2015, 2016 und 2017 schwache Jahre werden. dpa

Cryan enttäuscht Anleger

Der Chef der Deutschen Bank streicht die Dividende und stellt in Aussicht, dass 2015, 2016 und 2017 schwache Jahre werden.

Können wir dieser Bank trauen? Die Deutsche Bank hat ihre Aktionäre jahrelang tief enttäuscht. Sie hat ihre Kunden, die sich wunderten, in was ihre Bank alles verstrickt ist, stark verunsichert. Und sie hat Mitarbeiter in ihren Reihen, für die Worte wie Integrität und Nachhaltigkeit keine Bedeutung haben. Ist damit jetzt wirklich Schluss?

Was die Aktionäre betrifft, so folgt auf die erste tiefe Enttäuschung jetzt die nächste, noch tiefere Enttäuschung: Dividende gestrichen. Und die Aussicht, dass 2015, 2016 und 2017 schwache Jahre werden, machen keinem Anleger Hoffnung, dass mit dieser Aktie bis auf weiteres etwas zu holen ist. Da hilft auch nicht das Gefühl, immerhin zu wissen, woran man als Aktionär ist. Das Ergebnis heißt nämlich: ganz unten. Und das ist kein gutes Gefühl.

Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

Die Kunden stehen anders da. Ihre Bank hat sie in den vergangenen Jahren durchaus umsorgt. Nur mussten sie sich fragen, ob die Betreuung wirklich in ihrem Sinne oder nicht doch vor allem im Sinne der Bank gewesen ist. Sie mussten sich fragen, ob nicht auch sie irgendwann zu den vielen tausend Enttäuschten gehören würden, die sich falsch behandelt fühlen und es auf einen Prozess gegen ihre Bank ankommen lassen. Die Unsicherheit, auf keinen ausgeschlafenen, sondern auf einen ausgekochten Mitarbeiter zu stoßen, wuchs mit jedem Prozess, in den sich die Bank zusätzlich verstrickte. Die dauerhafte Zufriedenheit der Kunden, der privaten wie aber vor allem der Firmenkunden, wird darüber entscheiden, ob der Kulturschock, den der neue Bankchef John Cryan dem Geldhaus zumutet, tatsächlich heilsame Wirkung hat.

Die Mitarbeiter schließlich müssen sich Sorgen machen. Ihre Arbeitsplätze sind unsicher, entweder, weil sie unter das Cryan-Motto „Weniger Komplexität” fallen und überflüssig werden oder weil sie – und das gilt für die oberen Etagen – Geschäfte abgewickelt haben, die nicht sein durften, und nun die Konsequenzen ausbaden müssen. Der jüngste Russland-Deal der Deutschen Bank, der möglicherweise gegen die internationalen Sanktionen verstoßen hat, ist so ein Fall. Cryan geht dagegen vor, indem er Boni begrenzt und ans Gewissen appelliert.

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Unterm Strich stammen die Rezepte des neuen Mannes an der Spitze aus dem Werkzeugkasten eines Sanierers: schrumpfen, Risiken vermeiden oder ihnen vorbauen, auf den Kunden konzentrieren, die Mannschaft erneuern, sich aufs Kerngeschäft stürzen und die Aussicht auf eine bessere aber ferne Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Cryan hat diese Instrumente allerdings mit einem ganz persönlichen Stil verbunden: Der Angelsachse verkündete sie auf deutsch, er überließ heute den Platz in der Mitte des Podiums seinem Vorgänger und noch Co-Chef Jürgen Fitschen, und er bemühte sich gar nicht erst, Misserfolge zu Glanzleistungen umzudichten. Das lässt hoffen, dass dieser Mann, dass die Bank, die er leitet, und dass das Team, das er führt, sich unser Vertrauen wirklich erarbeiten wollen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

29.10.2015, 12:44 Uhr

M.E. ist es vollkommen falsch gerade im Investmentbanking, der Geschäftsbereich der von Joe zu einem Global Player aufgebaut wurde und in der gleichen Liga mit Goldman, Citi, JP Morgan und Morgan Stanley spielte, den Bonus zu kürzen.

Was sollte die (noch verbliebenen) guten Leute jetzt noch motivieren dem Haus die Stange zu halten. Die Konkurrenz schläft ja auch nicht. Oder man(n) macht eben sein eigenes Ding. Fertig.

Herr Marc Otto

29.10.2015, 12:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht.

Herr Giannis Peissinger

29.10.2015, 12:49 Uhr

Die Bank ist de facto pleite.
Das pfeift jeder wissende Spatz vom Dach.
Insofern ist die Kuerzung de Boni nur folgerichtig und auch nur der erste Schritt.
Die Haelfte der Belegschaft sollte auch alsbald gehen.
Die Bank ist in der Tat eine Bad Bank, eine, die sich nur verspekuliert hat und mit miserablem Management und zweifelhaften rechtswidrigen Praktiken nur von sich reden gemacht hat. Je schneller sie aus der Bildflaeche verschwindet, desto besser.

Das Internet Banking ist die Zukunft und da ist die ehemalige Lahmente Commerzbank inzwischen meilenweit besser.

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