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21.05.2015

03:01 Uhr

Deutsche Bank baut Vorstand um

Achleitners Notfallmaßnahme

VonMichael Maisch

Kurz vor der Hauptversammlung baut die Deutsche Bank ihre Führungsebene um. Unter anderem verlässt der langjährige Privatkundenchef Rainer Neske vorzeitig seinen Posten. Und es gab noch mehr Stühlerücken im Vorstand.

Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, baut kurz vor der Hauptversammlung den Vorstand um. dpa

Deutsche Bank

Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, baut kurz vor der Hauptversammlung den Vorstand um.

FrankfurtIn letzter Minute versucht die Deutsche Bank vor ihrer kritischen Hauptversammlung an diesem Donnerstag das Heft des Handelns wieder in die Hand zu bekommen. Mittwochnacht nickte der Aufsichtsrat ein großes Stühlerücken im Vorstand und in der erweiterten Führungsebene ab.

Wichtigstes Ergebnis der nächtlichen Aufsichtsratssitzung: Co-Vorstandschef Anshu Jain übernimmt die volle Verantwortung für die Umsetzung der umstrittenen neuen Strategie des Geldhauses. Damit signalisiert Aufsichtsratschef Paul Achleitner zweierlei: Er steht weiter zu dem zuletzt eher glücklosen Jain und gibt ihm noch eine Chance, gleichzeitig nimmt er ihn aber auch in die Pflicht. Wenn Jain jetzt nicht liefert, dürfte seine Karriere bei Deutschlands mächtigstem Bankhaus unwiderruflich zu Ende gehen.

Die Rochade bei der Deutschen Bank

Fitschen vs. Jain

Die beiden Bankchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bleiben an Bord. Aber Jain wird gestärkt und übernimmt vom bisherigen Finanzchef Stefan Krause die Verantwortung für die Umsetzung der Ende April beschlossenen „Strategie 2020“.

Neske vs. Sewing

Privatkunden-Chef Rainer Neske verlässt den Konzern zum 30. Juni und wird durch Christian Sewing ersetzt, der erst im Januar für Rechts- und Compliance-Themen neu in den Vorstand geholt worden war.

Marcus Schenck

Vom Rivalen Goldman Sachs warb Achleitner Marcus Schenck als neuen Finanzchef ab, wie schon länger bekannt ist. Er übernimmt das Ruder vom bisherigen CFO Stefan Krause mit der Hauptversammlung an diesem Donnerstag.

Stefan Krause

Stefan Krause ist dafür künftig unter anderem für die interne „Bad Bank“ zuständig, die bislang bei Fitschen lag. Außerdem soll er maßgeblich die Trennung von der Postbank leiten und dort den Chefposten im Aufsichtsrat übernehmen.

Alan Cloete

In Kürze soll auch Alan Cloete den Konzern verlassen, der dem erweiterten Vorstand angehört und im Zuge des Zinsskandals ins Visier der Ermittler gerückt war.

Nadine Faruque

Nadine Faruque wird Generalbevollmächtigte der Bank und soll damit Christian Sewing bei Compliance-Themen unterstützen.

Zugleich ebnet Achleitner mit den Weg für den Ausstieg aus der Doppelspitze in der derzeitigen Form. Denn Co-Chef Jürgen Fitschen gibt die operative Verantwortung für die hauseigene Bad Bank ab und wird dadurch ersetzbar. Damit ist in doppelter Hinsicht vorgesorgt: Für einen eventuellen Rücktritt Fitschens, falls ein laufendes Gerichtsverfahren wegen Prozessbetrugs für ihn unheilvoll enden sollte. Und für das Jahr 2017, wenn der Vertrag des 66 Jahre alten Bankmanagers ausläuft.

Zuletzt rückte Achleitner in einem Interview ein Stück weit von der Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen ab. Niemand sei unersetzbar und am Ende gehe es um die Institution und nicht um Individuen, betonte der Aufsichtsratschef. Aussagen, die schwer zu widerlegen sind, die aber auch zeigen, dass das Verhältnis von Achleitner zu seinen beiden Top-Managern kritischer geworden ist.

Deutsche Bank: Jain-Gegner Neske gibt auf

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Unruhe beim Branchenprimus: Rainer Neske, Vorstand für das Privatkundengeschäft, verlässt die Bank.

In den vergangenen Tagen war auch die externe Kritik an Jain und Fitschen immer lauter geworden. Zahlreiche Großaktionäre wollen dem Vorstand die Entlastung verweigern, weil sie unzufrieden mit der neuen Strategie sind. Viele Anleger beschwerten sich darüber, dass die Deutsche Bank mit dem geplanten Verkauf der Postbank und Einsparungen im Investmentbanking keinen echten Befreiungsschlag wage. Außerdem stieß den Großinvestoren bitter auf, dass Jain und Fitschen trotz viermonatiger Strategiediskussion noch einmal 90 Tage Zeit einfordern, um die Details zu ihrem Plan nachzuliefern.

Aber das sind nicht die einzigen Kritikpunkte, die einflussreiche Hauptversammlungsberater dazu gebracht haben, ihren Kunden zu raten, gegen den Vorstand zu stimmen. Für enormen Ärger sorgten die gravierenden Mängel bei der Aufarbeitung der diversen Skandale, in die die Deutsche Bank verwickelt ist. In diesem Zusammenhang sind zwei Personalien unterhalb der Vorstandsebene bemerkenswert. Der Co-Chef des Asiengeschäfts Alan Cloete und Colin Grassie, Landeschef für Großbritannien, werden die Bank demnächst verlassen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

20.05.2015, 16:07 Uhr

Der alter Brötchengeber sollte endlich die Investmentbank (zusammen mit der andern Cash-Cow Asset & Wealth Management), vom Rest trennen um anschl. in eine Holding umzufirmieren und als Monster-Hedgefonds sicher vor der Regulierungswut der Politik in irgendeine Steueroase verlegen. Das sind die beiden einzigen Bereiche mit dem richtig Geld verdient wird. Und die Einlagen der o.g. Kundengruppen (ca. 400 Mrd. $) bieten gehebelt (mit 20 oder mehr) eine ausbaufähige Basis zum ungestörten arbeiten und in neue Dimensionen der EK-Rendite vorzustoßen.

Den margenschwachen und unprofitablen Retailballast mit Omis-Sparbuch kann man an das Commerzamt oder einen (...) verhökern. Dann hört endlich das Genörgel der Aktionäre auf. Und dem deutschen Fiskus gehen natürlich auch die zig Milliarden Steuereinnahmen durch die Lappen.
(...)
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Herr Peter Langenhagen

21.05.2015, 07:57 Uhr

Einen deutlicheren Beweis als den Weggang des Chefs der Privatkundensparte kann
die Bank nicht lieferen dafür, das sie die Privatkunden so lästig findet wie die Fliegen in einem länger nicht gewarteten Dixiehäuschen.
Die Deutsche Bank braucht die Mitte der Gesellschaft nicht mehr.
Nein, die Mitte unserer Gesellschaft braucht die Deutsche Bank nicht mehr.

Herr Klaus Hofer

21.05.2015, 08:47 Uhr

Bei den zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, an denen die Bank an vorderster Front beteiligt ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß der lang versprochene " Kulturwandel " sich als eine leere Worthülse entpuppt. Vertrauen bei den Kunden und das Image eines Geldhauses sind zwar Positionen, die in keiner Bilanz auftauchen, für den Wert und das Standing einer Bank auf Dauer indes eine fundamentale Rolle spielen. Wenn einer Bank der innere Wertkompass verloren gegangen ist, kann dies eben auch nicht durch noch so ausgefeilte Compliance - Regeln ersetzt werden.

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