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06.10.2016

11:01 Uhr

Deutsche Bank

Bill Baer und die Milliardenstrafe

Eine Umorganisation im US-Justizministerium könnte die Gespräche um eine Milliardenstrafe für die Deutsche Bank entscheidend erschwert haben. Der Mann, der das Sagen hat, knöpfte sich in einer Rede kürzlich Banken vor.

Spitzenkraft im US-Justizministerium. Bloomberg

Bill Baer

Spitzenkraft im US-Justizministerium.

WashingtonMitarbeiter des US-Justizministeriums, die in diesem Sommer die umstrittenen Geschäfte der Deutsche Bank mit Hypothekenpapieren in den Jahren vor der Finanzkrise untersuchten, gingen zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass die größte deutsche Bank die Angelegenheit für zwei bis drei Milliarden Dollar (1,8 bis 2,7 Milliarden Euro) beilegen könne. Das erfuhr Bloomberg von Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind. Die Summe wäre für die Bank eine Erleichterung, denn für juristische Streitigkeiten hat das Institut 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt.

Doch dann kam im September die Mitteilung, dass die USA die Vergleichsgespräche mit einer Forderung von 14 Milliarden Dollar(12,5 Milliarden Euro) eröffnet habe. Das würde den Rückstellungsrahmen sprengen und löste eine Diskussion über einen möglichen Bedarf an Staatshilfe aus. Die Deutsche Bank erklärte daraufhin, einen solchen Betrag werde sie nicht bezahlen. Dennoch löste die Meldung Turbulenzen an den Märkten aus und ließ den Aktienkurs des Kreditinstituts auf ein Rekordtief von knapp unter zehn Euro einbrechen.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Investoren fragten sich, ob die Bank ihr Kapital erhöhen müsse, um die Forderung der US-Justiz erfüllen zu können, zumal sie in noch weitere potenziell kostspielige Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist.

Es ist unklar, was das US-Justizministerium dazu brachte, diesen Eröffnungszug zu wählen. Bekannt ist aber, dass sich in den vergangenen Monaten dort einiges Grundlegende geändert hat.

Mit einer Reorganisation an der Spitze des Justizministeriums erhielt eine andere Person die Verantwortung für die Ermittlungen im Zusammenhang mit den Hypothekenpapieren (RMBS). Diese Person, Bill Baer, kritisierte kürzlich in einer Rede in Chicago, dass die Banken nicht ausreichend kooperiert und zu ihrer eigenen Misere beigetragen hätten. Er sagte, die Banken hätten unnötige Verzögerungen verursacht und eine „Wolke der Unsicherheit“, die nun über einigen Instituten hänge.

Kommentare (3)

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Herr Tom Schmidt

06.10.2016, 11:32 Uhr

Klar sind die frustriert... die arbeiten zu ganz normalen Beamtengehältern und die anderen feiern die Riesenparty (wir sind in dem Sinne ja alle auch frustriert). Also tritt man den Banken mit der Anfangsforderung wenigstens mal ordentlich in die E...

Und der Put der Ehefrau gleicht ein wenig die finanzielle Ungerechtigkeit aus...

Herr Michael Müller

06.10.2016, 12:28 Uhr

Und wer kommt für die finanziellen Verluste von weltweiten Anlegern in ABS (Asset Backed Securities) von amerikanischen Banken auf?

Die gesamte Krise fing doch damit an, das US-Banken Immobilienkredite an wirklich Jedermann in den USA ohne Prüfung der finanziellen Verhältnisse vergaben, diese Kredite dann bündelten (um das Risiko zu verschleiern!) und dann weltweit verkauften! Somit war das Geld in den USA und das Risiko aus den USA heraus. Nachträglich läßt man eine (!) Bank (Lehmann) pleite gehen und die Sache ist erledigt.

Frau Lana Ebsel

06.10.2016, 13:08 Uhr

Das ist doch längst ein Wirtschaftskrieg zwischen USA und EU. Die Firmen sind nur die ausgespähten Einschlagsziele.

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