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09.03.2017

16:45 Uhr

Deutsche-Bank-Chef

Cryan kündigt Job- und Filialabbau an

VonSven Afhüppe, Michael Maisch, Daniel Schäfer

Laut Deutsche-Bank-Chef John Cryan werden durch die Integration der Postbank Jobs wegfallen. Im Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt warnt Cryan zudem vor einem Wettrüsten bei den Managergehältern.

„Die Postbank wird in Zukunft weniger Filialen brauchen, weil ihre Kunden die digitalen Angebote sehr viel schneller angenommen haben als erwartet.“ AP

John Cryan

„Die Postbank wird in Zukunft weniger Filialen brauchen, weil ihre Kunden die digitalen Angebote sehr viel schneller angenommen haben als erwartet.“

FrankfurtDie geplante Integration der Postbank in die Deutsche Bank wird mit einem Stellenabbau im Heimatmarkt einhergehen. Das sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, im Interview mit dem Handelsblatt. „Die Integration wird Jobs kosten, und wahrscheinlich mehr, als wir neue schaffen können. Wie in jedem anderen gesunden Unternehmen auch, werden dann an einer Stelle Jobs abgebaut, während an einer anderen Stelle neue entstehen. Das ist ein ganz normaler und gesunder Prozess.“

Noch vor Jahresende wolle das Management einen detaillierten Plan für den Zusammenschluss des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank mit der Bonner Filialbank vorlegen, sagte Cryan. „Dann werden wir mit der Integration starten. Wenn wir uns einmal geeinigt haben, wird es schnell gehen.“

Auch die Postbank werde angesichts der rasanten Digitalisierung des Geschäfts bald mit weniger Filialen auskommen, sagte Cryan. „Die Postbank wird in Zukunft weniger Filialen brauchen, weil ihre Kunden die digitalen Angebote sehr viel schneller angenommen haben als erwartet.“

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John Cryan muss die Deutsche Bank retten. Eine unmögliche Mission? Im Interview spricht er über seinen Plan, das Ende der kurzfristig orientierten Händlermentalität, geißelt hohe Boni und blickt auf die eigene Zukunft.

Cryan zeigte sich erstmals offen dafür, seinen im Jahr 2020 auslaufenden Vertrag als Vorstandschef der Deutschen Bank zu verlängern. „Das kann gut sein“, sagt der seit Juli 2015 amtierende Topmanager auf die Frage, ob er sich das vorstellen könne. „Wenn es uns gelingt, attraktive Renditen zu erreichen und eine sehr erfolgreiche Bank zu schaffen, warum nicht?“

Der Vorstandschef der Deutschen Bank John Cryan hat sich zudem in die Debatte über exzessive Managerboni eingeschaltet. Cryan forderte die Aufsichtsräte der Unternehmen dazu auf, mehr Verantwortung in dieser Frage zu übernehmen. „Eines der Probleme ist, dass viele Mitglieder dieser Gremien wollen, dass ihr Vorstandschef auch in Sachen Bezahlung zu den besten 25 Prozent seiner Vergleichsgruppe gehört, sonst kann er ja kein guter Manager sein“, so der britische Bankmanager. „Umgekehrt will keiner seinen Vorstandschef in den unteren 25 Prozent sehen. So entsteht eine Art ungesundes Wettrüsten bei der Bezahlung.“

Cryan und seine Vorstandskollegen hatten nach einem erneuten Milliardenverlust der Deutschen Bank im vergangenen Jahr freiwillig auf ihre Boni verzichtet. „Persönlich kann ich die Diskussion sehr gut verstehen“, sagte Cryan zur politischen Debatte über hohe Boni für Topmanager. „Wir haben 2016 insgesamt elf Milliarden Euro für Gehälter und Prämien ausgegeben, das macht im Schnitt pro Mitarbeiter 110.000 Euro. Mein Grundgehalt liegt bei 3,8 Millionen Euro, das ist etwa das 35-Fache unseres Durchschnittsgehalts. Wie könnte ich mich darüber beschweren?“

Großaktionäre der Deutschen Bank

Platz 7

Goldman Sachs: 2,65 Prozent

(Quelle: Bloomberg)

Platz 6

Bank of America: 2,77 Prozent

Platz 5

Deutsche Bank: 2,92 Prozent

Platz 4

Supreme Universial Holding: 3,05 Prozent

Platz 3

Paramount Services Holding: 3,05 Prozent

Platz 2

HNA: 4,76 Prozent

Platz 1

Blackrock: 6,07 Prozent

Allerdings müsse auch die Deutsche Bank in Zukunft wieder Boni bezahlen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Es kann auch nicht sein, dass ein Vorstand der Deutschen Bank auf Dauer keinen Bonus bekommt. Das Resultat wäre, dass kaum noch ein guter Manager zu uns kommen würde.“

Cryan zeigte sich zudem besorgt darüber, dass die ungleiche Verteilung der Einkommen den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden könnte. „Man muss kein großer politischer Denker sein, um darin den Nährboden für Populismus zu sehen. Die Kandidaten dieser Bewegung nutzen es aus, dass viele Menschen nicht oder nur wenig von dem Wohlstand profitiert haben, der in den vergangenen Jahren geschaffen wurde.“

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