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01.06.2016

15:05 Uhr

Deutsche Bank

Chef fürs Russland-Geschäft geht

Das Russland-Geschäft der Deutschen Bank stockt. Das Finanzinstitut sieht sich mit Geldwäsche-Vorwürfen konfrontiert und leidet unter Sanktionen. Nun verlässt Chef Pawel Tepluchin seinen Posten.

Das Geldhaus agiert in Russland vorsichtig. Nun wechselt die Führungsspitze. dpa

Deutsche Bank in Moskau

Das Geldhaus agiert in Russland vorsichtig. Nun wechselt die Führungsspitze.

Moskau/FrankfurtDie Deutsche Bank tauscht ihren Russland-Chef Pawel Tepluchin aus. Seine Aufgabe soll ab August Annett Viehweg zusätzlich zu ihrer Position als Geschäftsführerin der Bank in Russland übernehmen, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Mittwoch mitteilte. Das Institut sieht sich in Russland mit Geldwäsche-Vorwürfen konfrontiert und leidet zudem unter der mauen Wirtschaftsentwicklung und den westlichen Sanktionen gegen das Land. Ihr einst mit großen Hoffnungen gestartetes Investmentbanking in dem Land haben die Frankfurter deshalb Ende vergangenen Jahres eingestellt.

Der Deutsche-Bank-Vorstand

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 verkündete Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft.

Das Gremium besteht jetzt aus zehn statt zuvor acht Mitglieder.

Zwei Frauen gehören zum Zirkel, drei Manager sind Deutsche.

John Cryan

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agiert bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef. Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin soll als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann bringen. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Quintin Price

Der Manager kam vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock und zog direkt in den Deutsche-Bank-Vorstand ein. Der Brite ist für das Fondsgeschäft (DWS) und institutionelle Kunden zuständig.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete zuvor das Aktiengeschäft in London und übernahm im Oktober 2015 die Leitung des kompletten Handelsgeschäfts („Global Markets“), das von den anderen Investmentbanking-Aktivitäten getrennt wurde.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten. 2017 übernahm er die Leitung des Investmentbankings.

Christian Sewing

Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

Jeff Urwin

Der Brite kam im Frühjahr 2015 vom Konkurrenten JP Morgan. Er stieg wenig später in den Vorstand auf und trägt dort die Verantwortung für die neu aufgestellte Unternehmenskunden- und Investmentbank.

Bei der Privatisierung russischer Staatskonzerne mischt die Bank, die früher im Kapitalmarktgeschäft für große Unternehmen sehr aktiv war, aktuell nicht mit, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die Deutsche Bank wolle auf diese Weise auch verhindern, Gefahr zu laufen, gegen westliche Sanktionen zu verstoßen. Deshalb werde sie sich beispielsweise nicht um ein Beratungsmandat beim geplanten Börsengang des russischen Schiffskonzerns Sovcomflot bewerben.

Eine Deutsche-Bank-Sprecherin erklärte, die Ablösung von Tepluchin habe nichts mit den Ermittlungen gegen das Geldhaus wegen Geldwäsche zu tun. Das Institut hat Ermittlern zufolge Kunden geholfen, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar zu waschen. Da sich inzwischen auch die US-Behörden in den Fall eingeschaltet haben, droht der Bank nach Einschätzung von Experten eine hohe Strafe. Der 52-jährige Banken-Veteran Tepluchin will dem Geldhaus als Aufsichtsrat in Russland weiter verbunden bleiben. "Das war eine gemeinsame Entscheidung von mir und der Bank", sagte er Reuters.

„Im Laufe der vergangenen vier Jahre hat Pawel Tepluchin beträchtlich zur Entwicklung des Geschäfts der Deutschen Bank in Russland beigetragen und es durch herausfordernde Zeiten navigiert”, erklärte Deutsche-Bank-Manger Ashok Aram. Tepluchins Nachfolgerin Viehweg soll nun die neue Strategie der Bank in dem Riesenreich umsetzen. Das Geldhaus ist in Russland noch im Zahlungsverkehr, der Exportfinanzierung und der Vermögensverwaltung aktiv. Viehweg ist seit 1992 beim Frankfurter Institut. In ihrer Karriere hat sie mehr als 15 Jahre in Russland gearbeitet und dabei vor allem russische und internationale Unternehmen beraten.

Von

rtr

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