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20.08.2015

18:02 Uhr

Deutsche Bank

Cryan bastelt an einer schlankeren Führung

VonLaura de la Motte, Michael Maisch

Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan prüft einen tiefgreifenden Umbau des Topmanagements. Im Gespräch ist der Wegfall einer kompletten Führungsebene. Gleichzeitig ist eine Neuordnung des Vorstands in der Diskussion.

Cryan denkt darüber nach, das Group Executive Committee (GEC) komplett abzuschaffen. Reuters

Deutsche Bank

Cryan denkt darüber nach, das Group Executive Committee (GEC) komplett abzuschaffen.

FrankfurtVielen Deutschbankern sprach der neue Co-Chef John Cryan in seiner Begrüßungsmail aus der Seele: „Wir müssen dem Überhandnehmen von Ausschüssen und Komitees entgegenwirken. Natürlich spielen Ausschüsse und Komitees manchmal eine sinnvolle Rolle, aber sie dürfen die persönliche Verantwortung des Einzelnen nicht ersetzen“, schrieb Cryan am 1. Juli.

Hinter diesen Worten könnte sich der tiefgreifendste Umbau des Topmanagements seit über zehn Jahren verbergen. Cryan denke darüber nach, das Group Executive Committee (GEC), die zweite Ebene unter dem Vorstand, komplett abzuschaffen, sagen zwei Insider. Gleichzeitig könnte Cryan auch den Vorstand neu ordnen, so dass hier künftig wieder alle vier operativen Geschäftsbereiche vertreten sind. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.

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Mit dem Umbau würde Cryan ein Problem angehen, das bereits sein Vorgänger Anshu Jain im Blick hatte. Denn die komplexe Führungsstruktur der Bank führt zu teuren Doppelarbeiten, unklaren Verantwortlichkeiten und überbordender Bürokratie. Das GEC, in dem neben den Vorständen noch verschiedene Geschäftsleiter vertreten sind, wurde 2002 vom damaligen Bankchef Josef Ackermann ins Leben gerufen. Damals bestand das Gremium aus 13 Mitgliedern. Doch über die Jahre wucherte das GEC, bis Ende 2014 stolze 22 Personen in dem Gremium saßen, weil auch zentrale Abteilungen wie Strategie, Recht und Compliance einzogen. Heute sind es immer noch 19 Mitglieder.

Von den vier Geschäftsbereichen sind bislang nur das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie der Zahlungsverkehr im Vorstand vertreten. Nach Auflösung des GEC könnte Cryan dafür sorgen, dass auch das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung in den Vorstand einziehen. Dafür könnten andere Ressorts wegfallen oder zusammengefasst werden.

Die komplexe Struktur der Bank ist auch ein Kostentreiber. Geschäftsleiter beklagen sich bitter, dass sie neben ihren eigenen Kosten den immer größer werdenden Wasserkopf der Konzernzentrale mitfinanzieren müssen. Selbst einige Mitarbeitervertreter sehen in der Verwaltung inzwischen Spielraum für einen Personalabbau. Die von Cryan vorangetriebenen Reformen werden vermutlich ohnehin Tausende Arbeitsplätze kosten.

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