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12.09.2016

12:54 Uhr

Deutsche Bank

Cryan steht zur Vermögensverwaltung

Die Deutsche Bank will viele Probleme aus eigener Kraft lösen – und nicht mit einem Teilverkauf der Vermögensverwaltung frisches Kapital beschaffen. Vorstandschef John Cryan nimmt die Belegschaft in die Pflicht.

Bekenntnis zur Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management. Reuters

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Bekenntnis zur Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management.

FrankfurtDeutsche-Bank -Chef John Cryan nimmt die Beschäftigten beim Umbau des kriselnden Instituts in die Pflicht. „Wir möchten nicht nur unsere Strukturen verändern, sondern auch die Art, wie wir arbeiten“, schrieb der Brite am Montag in einer Nachricht an die rund 100.000 Mitarbeiter des Instituts. Vorsicht und Hierarchie-Denken lähmten Deutschlands größtes Geldhaus, konstatierte Cryan - und rief die Mitarbeiter zu mehr Eigenverantwortung auf. „Trauen Sie sich zu entscheiden, statt auf eine Ansage von oben zu warten.“

Die Deutsche Bank muss sich aus Sicht von Cryan stärker als Technologieunternehmen verstehen. „Wir sollten mutiger sein, wie Unternehmer denken. Das ist nicht allein Sache des Vorstands.“ Gleichzeitig bekräftigte der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef, dass er den Umbau der Bank ohne eine Großfusion bewältigen und an der Vermögensverwaltung festhalten will. „Die Deutsche Asset Management ist und bleibt ein essenzieller Bestandteil unseres Geschäftsmodells.“

Auf eine mögliche Fusion mit der Commerzbank, die Cryan Finanzkreisen zufolge im Sommer mit der Commerzbank-Spitze ausgelotet hatte, ging er in dem Brief nicht direkt ein. Er machte jedoch deutlich, dass eine solche Mega-Fusion aktuell nicht weiterverfolgt wird. „Es gibt genug, was wir im Alleingang lösen können. Darauf konzentrieren wir uns jetzt.“

Bei den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über Stellenstreichungen in Deutschland sei man „auf der Zielgerade“, sagte Cryan. Er will konzernweit 9.000 Stellen streichen, davon 4.000 hierzulande. Im Juni hatte sich das Institut mit dem Betriebsrat bereits auf die Details zum Abbau von 3000 Stellen verständigt - vor allem in den Filialen. Über die Streichung von rund tausend weiteren Stellen in Deutschland - etwa in der IT und der Kommunikation - wird seitdem in zwei weiteren Verhandlungsrunden debattiert.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

Cryan bekräftigte zudem, große Rechtsstreitigkeiten mit Vergleichen aus der Welt schaffen zu wollen. Im Streit um umstrittene Hypothekengeschäfte in Amerika kommt er diesem Ziel näher. Finanzkreisen zufolge ist eine Einigung mit den US-Behörden bald zu erwarten. Die Gewinne, die die Deutsche-Bank-Aktie am Freitag wegen der bevorstehenden Einigung einfuhr, gab sie am Montag jedoch direkt wieder ab. In einem trüben Gesamtmarkt verlor sie mehr vier Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Dax -Werten. Seit Jahresbeginn hat die Deutsche-Bank-Aktie 42 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Auch im Tagesgeschäft stehe das Geldhaus weiter unter Druck, räumte Cryan ein, da gebe es nichts zu beschönigen. „Das Umfeld für unser Geschäft ist schwierig - die Zinsen bleiben niedrig, die regulatorischen Anforderungen steigen weiter. Und wir selbst sind noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Wir haben also keine Zeit zu verlieren.“

Von

rtr

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