Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.10.2015

22:22 Uhr

Deutsche Bank

Cryan streicht die Dividende für zwei Jahre

VonLaura de la Motte, Daniel Schäfer

Der neue Deutsche-Bank-Chef will die Kapitalausstattung auf ein wettbewerbsfähiges Niveau hieven. Dabei hat John Cryan zunächst schlechte Nachrichten für die Anleger. Zudem setzt er sich ein schwieriges Kostenziel.

Harte Sanierungen

Vorstände bei der Deutschen Bank werden aussortiert

Harte Sanierungen: Vorstände bei der Deutschen Bank werden aussortiert

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtAn harten Fakten will sich der neue Co-Chef John Cryan messen lassen. Den Maßstab dafür lieferte er am Mittwochabend: Per Pflichtmitteilung verkündete die Deutsche Bank, wie sie ihre „Strategie 2020“ umsetzen will. Für die wichtigsten Kapital-, Kosten- und Leistungskennziffern wurden Zwischen- und Endziele veröffentlicht. Zuvor wurden diese in einer vierstündigen Sitzung in den Türmen der Bank in Frankfurt dem Aufsichtsrat präsentiert.

Die Kernbotschaft ist ein Schock für die Aktionäre: Anfang Oktober hatte Cryan bereits verlauten lassen, dass er die Dividende streichen will. Nun zeigt sich, die Eigner sollen nicht nur ein, sondern gleich zwei Jahre leer ausgehen.

Das einbehaltene Geld will der Nachfolger des glücklosen Anshu Jain an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus vor allem dazu nutzen, um die Kapitalausstattung zu stärken. Die harte Kernkapitalquote, die das Kapital ins Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva (RWA) setzt, soll ab dem Jahr 2018 mindestens 12,5 Prozent betragen (aktuell: 11,4 Prozent). Der im Frühjahr unter anderem wegen zu unkonkreter Ziele aus dem Amt getriebene Jain hatte lediglich 11 Prozent angepeilt.

Der Deutsche-Bank-Vorstand

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 verkündete Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft.

Das Gremium besteht jetzt aus zehn statt zuvor acht Mitglieder.

Zwei Frauen gehören zum Zirkel, drei Manager sind Deutsche.

John Cryan

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agiert bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef. Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin soll als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann bringen. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Quintin Price

Der Manager kam vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock und zog direkt in den Deutsche-Bank-Vorstand ein. Der Brite ist für das Fondsgeschäft (DWS) und institutionelle Kunden zuständig.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete zuvor das Aktiengeschäft in London und übernahm im Oktober 2015 die Leitung des kompletten Handelsgeschäfts („Global Markets“), das von den anderen Investmentbanking-Aktivitäten getrennt wurde.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten. 2017 übernahm er die Leitung des Investmentbankings.

Christian Sewing

Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

Jeff Urwin

Der Brite kam im Frühjahr 2015 vom Konkurrenten JP Morgan. Er stieg wenig später in den Vorstand auf und trägt dort die Verantwortung für die neu aufgestellte Unternehmenskunden- und Investmentbank.

Statt wie Jain lediglich „mittelfristige Ambitionen“ zu nennen - was die Aktionäre auf die Palme brachte - gibt Cryan nun konkrete Zwischenziele für 2018 und Endziele für das Jahr 2020 vor. Die Verschuldungsquote („Leverage Ratio“), bei der vereinfacht gesagt das Kernkapital ins Verhältnis zur Bilanz dargestellt wird, soll beispielsweise von heute 3,6 Prozent auf mindestens 4,5 Prozent im Jahr 2018 und auf mindestens 5,0 Prozent zwei Jahre später steigen.

Wie vor ihm der neue Chef des Rivalen Credit Suisse gibt der erst seit knapp vier Monaten amtierende Topbanker ein konkretes Ziel für die risikogewichteten Aktiva (RWA) vor. Banken müssen unterschiedliche Wertpapiere in Abhängigkeit von dem geschätzten Risiko mit unterschiedlich viel Eigenkapital unterfüttern. Die RWA in der Deutsche-Bank-Bilanz sollen von heute 416 Milliarden Euro auf rund 320 Milliarden Euro Ende 2018 und rund 310 Milliarden Euro zwei Jahre danach sinken – dies jedoch ohne den Effekt, dass diese Kenngröße aufgrund strengerer regulatorischer Anforderungen bis 2019/2020 noch um mindestens 100 Milliarden Euro steigen dürfte. In der Summe werden die risikogewichteten Aktiva somit nahezu stagnieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×