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07.06.2015

15:02 Uhr

Deutsche Bank - Der Kommentar

Es kann nur besser werden

VonOliver Stock

Die Doppelspitze der Deutschen Bank gibt auf. Anshu Jain und Jürgen Fitschen sind ein Fall für die Ölbildgalerie in der Vorstandsetage. Warum das Führungsduo wirklich zurücktrat und wie es weitergeht.

Wie geht es weiter bei Deutschlands größter Bank? dpa

Zwillingstürme der Deutschen Bank

Wie geht es weiter bei Deutschlands größter Bank?

DüsseldorfAm Ende war der Druck nicht mehr auszuhalten: Das Führungsduo der Deutschen Bank musste aufgeben, nachdem Investoren, Finanzaufsicht und Politik nicht mehr mitspielen wollten. Anshu Jain und Jürgen Fitschen sind ein Fall für die Ölbildgalerie in der Vorstandsetage. Die Stühle der CEO’s müssen sie räumen. Der eine, Jain, sofort, der andere, Fitschen, in einigen Monaten. Ihr Rücktritt ist eine Chance: Die Aktionäre dürfen morgen, wenn die Börse öffnet, gründlich durchatmen.

Die Investoren – sie hatten ihrem Ärger über eine Strategie voller Fehlzündungen auf der jüngsten Hauptversammlung Luft gemacht. Magere 61 Prozent Zustimmung für dieses Führungsduo - so eine schallende Ohrfeige hatte es bislang für keine Spitzenmanager gegeben. Investmentbanking, Retailbanking, Vermögensverwaltung - alles drei oder eines davon als Kernkonmpetenz: Unter Jain und Fitschen wurde lange nicht klar, wofür die Bank wirklich steht.

Dazu kamen die internationalen Finanzaufseher, nicht zuletzt die der deutschen Bafin. Wegen Zinsmanipulationen und anderen unschönen Vorgängen verdonnerten sie die Deutschbanker zu einer Rekordstrafe. Mal am Rand und mal im Mittelpunkt dieser Ermittlungen stand immer wieder Anshu Jain, in dessem Bereich die Manipulationen passiert waren. Sein Co-Chef Jürgen Fitschen verwickelte sich derweilen im Kirch-Prozess derart ins geschehen, dass er sich inzwischen wegen Prozessbetrugs auf der Anklagebank wiederfindet.

Schließlich hatte dieses Führungsduo die Politik nicht auf ihrer Seite. Unvergessen ist das Wortgefecht zwischen Fitschen und Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der Minister teilte aus und rügte, dass die „Kreativität der Banken, die Regulierung zu umgehen, groß" ist. Fitschen keilte zurück und warf Schäuble Populismus vor. Das Verhältnis der beiden darf seither als tiefgefroren bezeichnet werden.

All dem sah Aufsichtsratschef Paul Achleitner monatelang zu, bis er in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ im vergangenen Monat die Notbremse zog: Es gehe um die Zukunft der Bank, nicht um die Individuen. Der Satz ist im Nachhinein historisch: Er kam einem Rausschmiss gleich.

Und nun? Nun ist Platz für einen Neuanfang. Als Optimist würde ich sagen: Es kann nur besser werden.

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