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28.01.2016

14:46 Uhr

Deutsche Bank

Die Betroffenheit des John Cryan

VonLeonidas Exuzidis

Die Probleme sind bekannt, die Hoffnung auf bessere Zeiten ebenso: Die Deutsche Bank will sich künftig wieder auf ihre Stärken besinnen – doch gegenwärtig bestimmen Sorgen und Risiken das Alltagsgeschäft.

Der Brite hielt die Eröffnungsrede auf der Jahrespressekonferenz auf deutsch und wechselte erst später ins Englische. ap

John Cryan

Der Brite hielt die Eröffnungsrede auf der Jahrespressekonferenz auf deutsch und wechselte erst später ins Englische.

FrankfurtJohn Cryan versucht erst gar nicht, seine Enttäuschung über den Milliardenverlust zu verbergen. Der Co-Chef der Deutschen Bank machte bei der Jahrespressekonferenz am Donnerstag seine persönliche Betroffenheit deutlich, sprach einmal mehr über die Probleme und Herausforderungen von Deutschlands größtem Geldhaus.

„Ich fühle mich persönlich verantwortlich für den Verlust der knapp sieben Milliarden Euro. Das ist mein Verlust“, sagte Cryan. Der Brite wirkte stets gefasst, sprach mit ruhiger Stimme in gewohnter Art und Weise die Problemfelder der Deutschen Bank schonungslos an.
Cryans Grundsanierung traf im vierten Quartal des Jahres 2015 auch das bislang so verlässliche Investmentbanking, das einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vor Steuern aufwies. „Wir sehen eine gewisse Erosion der Erträge, weil wir uns aus einigen Geschäften zurückziehen“, so Cryan, der zunächst seine Rede auf Deutsch begann, anschließend aber ins Englische wechselte.

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (I)

Erträge

33,5 Milliarden Euro.

Zinsunabhängige Aufwendungen

38,7 Milliarden Euro.

Jahresergebnis

6,8 Milliarden Euro Verlust nach Steuern.

Harte Kernkapitalquote

11,1 %.

Verschuldungsquote

3,5%.

Cryan war auch darum bemüht, trotz der miesen Bilanz Optimismus zu verbreiten. Er sieht die Bank auf einem „guten Weg“, den man weiter verfolgen wolle. „Zeit, Entschlossenheit und Geduld“ werde es brauchen, so Cryan, allen voran ein entschlossenes Vorgehen sei von großer Bedeutung. Entschlossen wirkte der Co-Chef, der den glücklosen Anshu Jain im Juli vergangenen Jahres abgelöst hatte, allemal. Die Deutsche Bank werde ihre Strategie weiter konsequent verfolgen: Umbauen, aufräumen, ausdünnen, einsparen.

Mit den entsprechenden Kosten – denn der Umbau kostet neben Zeit, Entschlossenheit und Geduld natürlich auch Geld. Das Institut kalkuliert in diesem Jahr erneut mit Restrukturierungskosten und Abfindungen von rund einer Milliarde Euro – zusätzlich zu den Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten.

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Die juristischen Unklarheiten schweben weiter wie ein Damoklesschwert über dem Institut. 5,2 Milliarden kosteten sie die Bank 2015. Seit 2012 musste die Deutsche Bank insgesamt 12,7 Milliarden Euro für diese Rechtsstreitigkeiten zahlen – und auch in diesem Jahr bilden sie einen großen Kostenblock.

Ein „signifikanter Betrag“ werde fällig, so Cryan, die Aufwendungen dürften jedoch unter denen für das Jahr 2015 liegen. Die bestehende Ungewissheit erschwert auch eine Prognose für das laufende Jahr. „Wir streben keinen Verlust an“, verdeutlichte Finanzvorstand Marcus Schenck, räumte zugleich ein: „Aber wir können es nicht ausschließen.“

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