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01.02.2011

20:46 Uhr

Deutsche Bank

Die Gewinnwarnung als geschickter Schachzug

VonPeter Köhler, Robert Landgraf, Michael Maisch

Die überraschende Gewinnwarnung der Deutschen Bank am Montagabend könnte sich als geschickter Schachzug von Vorstandschef Josef Ackermann entpuppen, seine ehrgeizigen Ertragsziele für 2011 zu erreichen. Die Analysten waren sich einig: Der Branchenprimus hat noch viele Aufwendungen im letzten Quartal verbucht, damit der Gewinn künftig höher ausfällt.

Deutsche Bank in Frankfurt: Der Aktienkurs des Geldhauses dümpelt vor sich hin. Quelle: DAPD

Deutsche Bank in Frankfurt: Der Aktienkurs des Geldhauses dümpelt vor sich hin.

FRANKFURT/LONDON. "Ackermann hat viele Belastungen aus den Zukäufen vorgezogen, um sich auf der Kostenseite in diesem Jahr einen Puffer zu verschaffen", sagte Analyst Michael Rohr von Silvia Quandt Research.

Die Deutsche Bank wollte eigentlich erst am Donnerstag auf einer Bilanz-Pressekonferenz über ihre Zahlen berichten, hat aber nun bereits eine ad-hoc-Mitteilung zum vierten Quartal 2010 veröffentlicht. Danach halbierte sich der Konzerngewinn nach Steuern gegenüber der Vergleichszeit 2009 auf 600 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt der Prognosen mehr als 800 Millionen Euro erwartet. Noch deutlicher war die Abweichung beim Vorsteuergewinn, hier erwirtschaftete die Bank nach vorläufiger Rechnung rund 700 Millionen Euro, während die Fachleute in den Researchabteilungen bisher 1,2 Milliarden Euro angesetzt hatten. Wegen der starken Unterschiede zwischen den Prognosen und dem tatsächlichen Ergebnis sah sich die Bank veranlasst, eine Mitteilung zu veröffentlichen. Eine eigene Ergebnisprognose für das Jahresende hatte der Vorstand und sein Finanzchef Stefan Krause in den vergangenen Monaten stets vermieden.

Der Aktienkurs dümpelt vor sich hin

Das größte deutsche Geldhaus konnte im vierten Quartal zwar die Erträge auf 7,4 (5,5) Milliarden Euro steigern, gleichzeitig nahmen aber die zinsunabhängigen Kosten deutlich stärker zu und erreichten rund 6,3 (4,2) Milliarden Euro. Ackermann hat im vergangenen Jahr mit der Übernahme des einstmals privaten Bankhauses Sal. Oppenheim, der Postbank und Teilen von ABN Amro vor allem das inländische Privatkundengeschäft gestärkt. Damit soll die Abhängigkeit vom dominierenden Investmentbanking verringert werden. Allerdings haben vorgezogene Integrationskosten und der Umbau des Bereichs Corporate and Investment Bank (CIB) unter dem Top-Investmentbanker Anshu Jain zu hohen Einmalkosten geführt, die Analyst Rohr auf rund 500 Millionen Euro im vierten Quartal veranschlagt. Vor allem die Aufwendungen für die einheitliche IT-Struktur dürften teuer gewesen sein, vermuten Beobachter. "Das sind vorgezogene Kosten, die das Geschäft 2011 erleichtern", betont Georg Kanders, Bankenexperte bei der WestLB. Seit dem Amtsantritt von Ackermann hat die Aktie der Bank noch nicht den Durchbruch nach oben geschafft, das soll sich in diesem Jahr ändern.

Analysten werden optimistischer

Jain, der unverändert als heißester Kandidat für die Nachfolge von Ackermann gehandelt wird, hat seinen Bereich massiv umgebaut, um nun durchstarten zu können. Seit Herbst vergangenen Jahres hat der 47-Jährige ein neues Führungsgremium rund um das Investment-Banking gebildet und bekannte Manager wie den Chef des Deutschlandgeschäfts, Stephan Leithner, geholt. Der Umbau setzt sich nun auch in den unteren Führungsebenen fort.

In Finanzkreisen hieß es, die Investmentbanker hätten "ein sehr gutes Jahr und ein sehr gutes viertes Quartal" gehabt. Das gelte auch für den Kernbereich Handel. In den Kosten seit kein Aufwand für Entlassungen enthalten, außer für weggefallene Jobs im Bereich Transaktionsbank durch die Übernahme von Teilen der ABN Amro. Insgesamt sei die Kopfzahl 2010 sogar gestiegen. Im Moment gibt es keine Anzeichen für ein größeres Abbauprogramm, heißt es in Kreisen.

Ackermann hat seine Mannschaft für dieses Jahr auf das ambitionierte Ziel eines Vorsteuergewinns von zehn Milliarden Euro eingeschworen. Bisher waren die Analysten aber skeptisch, ob diese Zielmarke zu erreichen ist. Vor der ad-hoc-Mitteilung hatten die Fachleute etwa 8,3 Milliarden Euro für 2011 angesetzt. Jetzt hieß es im Analystenlager, bei einem stärkeren Aktienhandel und einer nicht zu deutlichen Abkühlung im Geschäft mit Zinspapieren sei die Marke von zehn Milliarden nicht mehr völlig aus der Welt. Ackermann könne dann in diesem Jahr schon den Stabwechsel an der Spitze für 2012 vorbereiten. Offiziell endet sein Vertrag 2013.

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