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09.07.2014

17:12 Uhr

Deutsche Bank

Die Offensive für die Superreichen kommt zu spät

Die Deutsche Bank ist in der Verwaltung von privaten Vermögen vergleichsweise ein Zwerg, vor allem bei den Superreichen. Spitzensportler, Politik, Filmstars fordern exklusive Beratung – sind aber besonders profitabel.

Das Problem an den neuen Superreichen, auch im Nahen Osten: Nicht immer lässt sich die Herkunft der Millionen einwandfrei nachvollziehen. Das kann zum Problem werden. Reuters

Das Problem an den neuen Superreichen, auch im Nahen Osten: Nicht immer lässt sich die Herkunft der Millionen einwandfrei nachvollziehen. Das kann zum Problem werden.

London/ZürichDer ideale Kunde für die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank bringt 25 bis 100 Millionen Euro mit: Er hat eine Firma im Rücken und braucht dafür am besten noch komplexe Absicherungsprodukte oder Finanzierungen, um gleich auch noch die Investmentbanker mit ins Boot zu holen. An genau diese superreichen Privatkunden will Michele Faissola, der die Sparte bei Deutschlands größtem Geldhaus seit zwei Jahren leitet, heran. Das Problem dabei: Die Deutsche Bank steigt in das Rennen um diese gefragte Klientel sehr spät ein, die Wachstumsregionen lassen sich an einer Hand abzählen und die strengere Regulierung erschwert das Neugeschäft. Faissola, der seine Pläne in dieser Woche in London vorstellte, muss deshalb bei Analysten und Investoren noch Überzeugungsarbeit leisten.

Denn schon ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die große Deutsche Bank in der privaten Vermögensverwaltung eher ein Zwerg ist. Von der knapp eine Billion Euro, die das Institut für Kunden weltweit verwaltet, entfallen rund 300 Milliarden auf vermögende Privatanleger. Wieviel davon wiederum Geld der Superreichen ist - also Multimillionäre oder gar Milliardäre, im Branchenjargon "Ultra High Net Worth Individuals" (UHNW) genannt - dazu hüllt sich die Bank beharrlich in Schweigen. Es dürfte aber nur ein Bruchteil sein. Unangefochtene Platzhirsche in dem Geschäft sind die Schweizer Großbanken: Die UBS kommt auf 420 Milliarden Franken (345 Milliarden Euro), Credit Suisse folgt weltweit auf Platz zwei mit etwa 370 Milliarden Franken. Es ist jeweils knapp die Hälfte der in der privaten Vermögensverwaltung liegenden Gelder.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Banker bekommen glänzende Augen, wenn sie von diesen Klienten sprechen, zu denen neben Großunternehmern oft auch Filmstars, Spitzensportler oder Politiker gehören. Denn sie alle fordern zwar viel an exklusiver Beratungsleistung ein, zahlen dafür aber auch. "Die sind profitabler als alle anderen Kundensegmente", berichtet ein Mitarbeiter der Credit Suisse.

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