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27.07.2016

11:44 Uhr

Deutsche Bank – ein Kommentar

Cryan bekommt Probleme nicht in den Griff

VonMichael Maisch

Deutschlands größtes Geldhaus steckt tief in der Krise. Trotz immer neuer Rückschläge hält Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan an der Strategie seiner Vorgänger fest. Das könnte sich rächen.

Schafft der Deutsche-Bank-Vorstandschef mit seiner Strategie die Wende zum Besseren? dpa

John Cryan

Schafft der Deutsche-Bank-Vorstandschef mit seiner Strategie die Wende zum Besseren?

FrankfurtSeit gut einem Jahr führt John Cryan nun die Deutsche Bank. Von seinen Vorgängern erbte der Brite eine schier endlose Liste von Problemen – und von Anfang an war klar, dass zwölf Monate nicht ausreichen werden, diese Probleme zu lösen. Trotzdem fällt die Bilanz der noch kurzen Ära Cryan ernüchternd aus.

Das liegt vor allem daran, dass die leidgeprüften Aktionäre kaum Fortschritte sehen. Im Gegenteil: Die Probleme der Deutschen Bank sind seit dem vergangenen Juli noch einmal deutlich größer geworden. Inzwischen muss sich das einst so selbstbewusste Geldhaus sogar den Vorwurf gefallen lassen, dass es eine Gefahr für die Stabilität des Weltfinanzsystem darstellt. Das mag übertrieben sein, aber es schmerzt.

Die Sanierung von Deutschlands größtem Geldhaus wäre an sich schon eine hochkomplexe, extrem schwierige Aufgabe. Spätestens nach dem Brexit-Votum der Briten ist klar, dass sich auch noch die Märkte gegen die Bank gedreht haben, und diese Doppelbelastung aus kräftezehrendem Umbau und schlechten Geschäften bringt die Deutsche Bank in eine prekäre Position.

Dies spiegelt sich in aller erschreckenden Klarheit im Ergebnis für das zweite Quartal wider. Nur mit Mühe konnte die Bank einen Verlust vermeiden, am Ende stand ein winziger Gewinn von gerade einmal 20 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis schrumpfte um zwei Drittel auf 408 Millionen Euro. Die Erträge gingen in allen Konzernsparten zurück – außer bei der zum Verkauf stehenden Postbank. Im Wertpapierhandel, eigentlich die klassische Stärke der Bank, schrammten die Frankfurter nur knapp an einem Verlust vorbei.

Größte Banken im Devisenhandel (2016)

Platz 10

Morgan Stanley

2016: Rang 10

2015: Rang 13

Quelle: Euromoney, Mai 2016

Platz 9

XTX Markets

2016: Rang 9

2015: nicht im Ranking vertreten

Platz 8

HSBC

2016: Rang 8

2015: Rang 7

Platz 7

Goldman Sachs

2016: Rang 7

2015: Rang 9

Platz 6

Barclays

2016: Rang 6

2015: Rang 3

Platz 5

Bank of America Merrill Lynch

2016: Rang 5

2015: Rang 6

Platz 4

Deutsche Bank

2016: Rang 4

2015: Rang 2

Platz 2

JP Morgan

2016: Rang 3

2015: Rang 4

Platz 3

UBS

2016: Rang 2

2015: Rang 5

Platz 1

Citigroup

2016: Rang 1

2015: Rang 1

Wegen der Gewinnmisere kommt die Deutsche Bank auch bei ihrem größten Problem nicht wirklich voran, der Stärkung der dünnen Kapitaldecke. Bis Ende des Jahres soll sich die harte Kernkapitalquote bei elf Prozent stabilisieren. Das ist allerdings noch immer weit entfernt vom selbstgesetzten Ziel von 12,5 Prozent, das die Bank bis Ende 2018 aus eigener Kraft erreichen will.

Daran zweifeln allerdings viele Investoren. Das Problem dabei: Nach den brutalen Kursverlusten wäre eine weitere Kapitalerhöhung kaum möglich, selbst wenn Cryan sie trotz vieler Dementis doch anstreben sollte. Seit Jahresbeginn verlor die Bank gut 40 Prozent ihres Börsenwerts und auch am Donnerstagmorgen ging es noch einmal um rund fünf Prozent abwärts.

Kommentare (16)

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Herr Markus Müller

27.07.2016, 11:58 Uhr

Wer soviel Mist gebaut hat wie die dt.Bank,der muss Buße tun,das ist doch wohl das Mindeste.Es ist grundfalsch solche Konzerne,wie auch VW ,zu schützen,denn dann machen sie in Zukunft weiter wie gehabt.

Herr Peter Langenhagen

27.07.2016, 12:14 Uhr

Cryan hat die Strategie seiner Vorgänger noch mit beschlossen. Er ist aber m.E. das kleinere Rädchen in dem Spiel. Mehrere US Hedgefonds spekulieren aktiv gegen die Deutsche Bank. Es ist leicht zu sehen, das Europas Banken "under Pressure " sind. Die Politik soll gezwungen werden, Farbe zu bekennen, ob sie wieder umfällt und Steuergelder zur Rettung heranzieht oder nicht.
Konkret heißt das, Merkel muß sich mal wieder entscheiden. Sie windet sich wie ein Aal, da bekanntermaßen größerere politische Baustellen vorhanden sind.

Herr Fritz Yoski

27.07.2016, 12:19 Uhr

Nun lasst mal den Steuerzahler ran, der ist zur Zeit in Rettungslaune.

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