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23.12.2016

14:40 Uhr

Deutsche-Bank-Einigung

Die schöne Bescherung des John Cryan

VonYasmin Osman

Die Deutsche Bank zieht einen Schlussstrich unter die gefährlichsten ihrer 7800 Rechtsfälle. Nun muss Vorstandschef Cryan zeigen, dass er nicht nur Vergangenheitsbewältigung kann – sondern auch Zukunft. Ein Kommentar.

Der US-Hypothekenstreit ist für die Deutsche Bank vom Tisch. Nun muss Vorstandschef John Cryan erneut liefern. AP

Kommt eine neue Strategie?

Der US-Hypothekenstreit ist für die Deutsche Bank vom Tisch. Nun muss Vorstandschef John Cryan erneut liefern.

FrankfurtDie Deutsche Bank kann aufatmen: Ihren wohl heikelsten und potenziell teuersten Rechtsstreit hat das Institut nun mit einer Gesamtstrafe in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar, umgerechnet also etwa 6,9 Milliarden Euro, beigelegt. Die endgültige Summe liegt etwa bei der Hälfte der 14 Milliarden Dollar, die das US-Justizministerium zunächst gefordert hatte. Damit zahlt die Deutsche Bank deutlich mehr, als ihr US-Rivale Goldman Sachs oder die Schweizer Credit Suisse für vergleichbare Vergehen haben zahlen müssen – beide kamen mit einer Gesamtstrafe von etwa fünf Milliarden Dollar davon.

Auf den ersten Blick mag es zunächst überraschen, dass solch eine Strafe die Investoren derart in Feierlaune versetzen kann: Der Aktienkurs legte kräftig zu und erreichte zeitweise seinen höchsten Stand seit März diesen Jahres. Doch dafür gibt es gute Gründe: Das Kapitel mit den US-Hypothekenkrediten kann nun bald ad acta gelegt werden, nur die Unterschrift und die letzten Details stehen noch aus. Und eine Kapitalerhöhung aus der Not heraus ist vorerst auch vom Tisch.

Abgesehen davon fällt die Strafe bei näherer Betrachtung deutlich milder aus als sie zunächst wirkt. Denn die Buße setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einen die 3,1 Milliarden Dollar, die die Bank tatsächlich überweisen muss. Die bisherigen Rückstellungen reichen für diese Summe nicht aus, sodass das Geldhaus im vierten Quartal noch einmal 1,2 Milliarden Dollar zusätzlich dafür beiseitelegen muss. Bei den verbleibenden 4,1 Milliarden Dollar handelt es sich hingegen nicht um eine Geldstrafe, sondern um sogenannte „Erleichterungen für Verbraucher“.

Hohe Strafen gegen Banken (eine Auswahl)

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit dem Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: Dezember 2016)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

BNP Paribas – 9 Milliarden Dollar

Juni 2014

Es ist die höchste je verhängte Strafe für eine europäische Bank: Wegen Verstößen gegen US-Sanktionen muss die französische Großbank BNP Paribas fast neun Milliarden Dollar Strafe an die USA zahlen. Die Behörden werfen der Bank vor, bei einigen Geschäften amerikanische Sanktionen gegen den Sudan, den Iran und Kuba gebrochen zu haben.

Deutsche Bank - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Deutsche Bank einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 3,1 Milliarden Dollar (2,96 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 4,1 Milliarden Dollar (3,92 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher, das könnte zum Beispiel in Form von Zinsnachlässen erfolgen.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Credit Suisse einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 2,5 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 2,8 Milliarden Dollar (2,68 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar

März 2015

Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Darunter versteht man etwa günstigere Kreditbedingungen und andere Hilfen für die teils hochverschuldeten Wohnungseigentümer. Meistens kostet dieser Teil einer Vereinbarung die bestraften Banken weniger als es scheint. Bei Goldman Sachs etwa sollen diese „Erleichterungen für Konsumenten“ höchstens circa 20 Cent je Dollar gekostet haben – ungefähr ein Fünftel der dafür ausgewiesenen Summe.

Umgemünzt auf die Deutsche Bank hieße das, dass aus 4,1 Milliarden Euro eine Belastung im höheren dreistelligen Millionenbereich werden könnte, die dazu noch über fünf Jahre gestreckt wird. Genau beziffern lässt sich das nicht, zumal die Details der Vereinbarung noch nicht feststehen. Allerdings betont auch die Bank selbst, dass sie aus diesem Teil derzeit keinen „wesentlichen Einfluss“ für das Jahresergebnis 2016 erwartet.

Fondsmanager Ingo Speich: „Cryan sollte den Mut haben, die Strategie anzupassen“

Fondsmanager Ingo Speich

Premium „Cryan sollte den Mut haben, die Strategie anzupassen“

Die Deutsche Bank hat sich im Hypotheken-Streit mit den USA geeinigt. Im Interview erklärt Fondsmanager Ingo Speich, warum es nun höchste Zeit für eine überzeugende Strategie ist und welche Renditen man erwarten kann.

Fast noch wichtiger als das genaue Strafmaß ist jedoch: Die Unsicherheit über die finanziellen Lasten aus den fragwürdigen Hypothekengeschäften ist nun vom Tisch. Vorstandschef John Cryan hat damit einen Teil seines Versprechens, die wichtigsten Rechtsfälle noch in diesem Geschäftsjahr zu lösen, bereits eingelöst. Das ist wichtig. Solange nicht klar war, wie viel Geld nach allen Strafen übrig bleiben würde, wusste er auch nicht, welche Strategie er sich leisten kann.

Klar ist damit aber auch: Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Nun muss Deutschlands größte Bank Antworten darauf finden, wie sie in Zeiten niedriger Zinsen und strengerer Regeln Geld verdienen will, ohne den Grundstein für die nächste Klagewelle zu legen. Als Sanierer hat Cryan geliefert. Nun muss er es auch als Vorstandschef tun.

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