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30.10.2015

07:25 Uhr

Deutsche Bank

„Etwas länger als uns lieb ist“

VonElisabeth Atzler

Der Co-Chef der Geldhauses, Jürgen Fitschen, verteidigt die angekündigte Radikalkur und wirbt gleichzeitig um Verständnis. Der Umbau der Bank brauche Zeit. Investoren sind noch nicht überzeugt, wie Fitschen eingestand.

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, verteidigte in Passau den radikalen Umbau des Konzerns. AFP

Co-Chef

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, verteidigte in Passau den radikalen Umbau des Konzerns.

PassauAm Morgen hatte die Deutsche Bank ihre Radikalkur der Öffentlichkeit vorgestellt, am Donnerstagabend verteidigte Co-Chef Jürgen Fitschen erneut die neue Strategie des Geldhauses – und warb um Verständnis dafür, dass deren Umsetzung Zeit brauche. „Wir sind uns darüber im Klaren, dass der Plan, den wir für sehr überzeugend halten, erst einmal umgesetzt werden muss, bevor das zurückkommen kann, was jetzt noch nicht vorhanden ist: dass wir genau das tun, was wir jetzt gesagt haben“, sagte Fitschen auf einer Veranstaltung in Passau.

Im größten Geldinstitut des Landes greift bis 2017 eine Kernsanierung, die von den Schönmalereien früherer Jahre nichts mehr übrig lässt. 9.000 Jobs fallen weg, inklusive des Verkaufs der Postbank wird die Bank in drei Jahren nur noch 77.000 Mitarbeiter haben – 26.000 weniger als heute. 200 Filialen schließen, aus zehn Ländern ziehen sich die Deutschbanker zurück. Die Dividende fällt 2015 und 2016 aus, und die Boni für die leitenden Mitarbeiter werden gekürzt.

Die Radikalkur soll es ermöglichen, dass sich wieder genügend Eigenkapital findet und stattliche Gewinne fließen; gut zehn Prozent Eigenkapitalrendite sind jetzt das Ziel. Fürs dritte Quartal allerdings meldet die Schrumpfbank einen Verlust von sechs Milliarden Euro.

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Noch aber fehlt das Vertrauen: Fitschen gestand ein, dass die Deutsche Bank die Investoren noch nicht überzeugen konnte. Der Börsenkurs habe sich am Donnerstag nicht so entwickelt, „wie wir uns das erhofft hätten“. Die Aktie war um sechs Prozent gefallen. Er sei aber „sehr zuversichtlich“, dass die Gedanken, die man sich gemacht habe, auch Anerkennung fänden. „Es mag etwas länger dauern, als uns lieb ist“, sagte Fitschen. „Aber wir leben nicht davon, dass wir über Nacht Ergebnisse erzielen.“

Der Co-Chef der Bank betonte, dass das Geldhaus mit der Schließung von Filialen und sowie teils mit dem Abbau von Arbeitsplätzen auch auf das geänderte Kundenverhalten reagiere. Die Schließung von Filialen – auch etliche andere Banken wie die HypoVereinsbank sowie etliche Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ihr Filialnetz gestrafft – „sind Reaktion auf Ihr Verhalten“, sagte Fitschen an das Publikum gewandt. Wenn die Kunden nicht mehr in die Filialen gingen, könne man auch nicht darauf bestehen, dass Mitarbeiter beschäftigungslos in den Filialen säßen.

Wohl aber in die Filialen deutscher Geldhäuser dürften bald viele Flüchtlinge kommen, die in den vergangenen Monaten oder aktuell Deutschland erreicht haben und ein Konto eröffnen wollen. Das Bundeskabinett brachte diese Woche ein Gesetz auf den Weg, dass die Banken verpflichtet, allen Verbrauchern zumindest ein Basiskonto anzubieten.

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