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19.05.2015

21:29 Uhr

Deutsche Bank-Film

„Bei den Deals genau hinzuschauen, wäre verrückt“

VonLisa Hegemann

6000 Prozesse weltweit, Milliardenstrafen, Klage gegen Co-Chef Fitschen: Die Deutsche Bank steckt in einer schweren Krise. Wie es dazu kommen konnte, zeigte am Abend eine ZDF-Dokumentation.

Das Logo der Deutschen Bank im Spiegelbild: Das ZDF strahlte kurz vor der Hauptversammlung der Bank eine Doku mit dem Titel „Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses“ aus. Reuters

Deutsche Bank

Das Logo der Deutschen Bank im Spiegelbild: Das ZDF strahlte kurz vor der Hauptversammlung der Bank eine Doku mit dem Titel „Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses“ aus.

KölnDie Bewunderung des Bankers in der Leitung ist kaum zu überhören. Sein Kollege erzählte gerade telefonisch, wie er den Zinssatz Libor manipuliert hat. „Verfluchte Hölle, Manipulation, wow“, sagt der Banker. Und fragt dann gleich: „Ist das legal oder illegal?“ „Nee, das ist illegal“, sagt der Kollege.

Das Gespräch über die Libor-Manipulation stammt aus Aufzeichnungen der Deutschen Bank, die die Dokumentation „Der Fall Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses“ aufgreift. In dem Film, dem das ZDF am Dienstagabend einen Platz in der Primetime um 20.15 Uhr gönnte, beschäftigt sich Autor Dirk Laabs mit den Manipulationen, in die das Geldinstitut verstrickt sein soll. Der Gesprächsausschnitt der beiden Banker vom Anfang zeigt, wie wenig Skrupel bei den kriminellen Machenschaften offenbar aufkamen.

6000 Prozesse weltweit, Milliardenstrafen wegen der Libor-Manipulation, Co-Chef Jürgen Fitschen wegen Prozessbetruges vor Gericht in München: Die Deutsche Bank steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Kurz vor der Hauptversammlung am Donnerstag weckt die ZDF-Dokumentation nun erneut Zweifel an der Führung des Geldhauses – vor allem im Zusammenhang mit der Manipulation des Leitzinses Libor.

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Die Deutsche Bank muss wegen der Libor-Affäre eine Rekordstrafe in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar an britische und amerikanische Aufseher zahlen. Ein Grund für das Strafmaß: Lange Zeit wurden die Ermittlungen behindert.

Ein Beispiel: Als ein Manager der Deutschen Bank in London durch die Manipulation von Euribor und Libor 2008 einen Bonus von 90 Millionen Pfund erwirtschaftete, wurde die Abteilung des heutigen Co-Chefs Anshu Jain misstrauisch. Sie ordnete eine interne Prüfung an. Darin hieß es laut der ZDF-Dokumentation: „Bei diesen Deals genau hinzuschauen, wäre verrückt.“

Diesen Satz hinterfragte offenbar niemand, gegen den Banker wurde nichts Belastendes gefunden, er wurde sogar befördert. Das ist zwar kein Beleg dafür, dass die Manipulation bekannt war, doch der Satz aus dem Bericht zeigt, dass es zumindest Hinweise auf ein falsches Verhalten der Banker gegeben hat.

Kommentare (6)

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Horst Warresz

20.05.2015, 08:23 Uhr

Systemrelevante Verbrechen bei denen alle tatenlos zusehen und so tun als ob sie es nicht verstehen würden was da passiert. Ich kann hier keinen Unterschied zum organisiertem Verbrechen mehr erkennen. Das mindeste was hier passieren muss, wäre es, die dadurch angehäuften privaten Vermögen für soziale Zwecke zu verwenden.
Sage noch einer Bankräuber sind böse Menschen ;o)

Herr Manfred Zimmer

20.05.2015, 08:47 Uhr

Ich gehe noch einen Schritt weiter.

Wenn das ZDF nebenbei solche Machenschaften aufdecken konnte, weshalb hat die BAFin, deren Job es sein sollte, nichts gesehen?

Wenn eine Aufsichtsbehörde das wichtigste Geschäftsfeld der größten Deutschen Bank nicht überwacht, weshalb schließt man sie nicht. Dass man an deren Spitze Leute setzt, die vomunerfahren im Bankgeschäft sind, spricht schon Bände.

Oberster Aufsichtsbehörde ist der Bundesfinanzminister.

Vielleicht hat das ZDF auch noch den Mut, sich dieses Themas anzunehmen? Man sollte ein "Thema" nicht nach dem Vorwort schon als abgearbeitet ansehen.

Herr d314123 g765457

20.05.2015, 09:30 Uhr

Für mich der wichtigste Punkt:
Die DB glaubte, Bankers Trust zu übernehmen, stattdessen lies sie das Management des Investment Bankings in London frei werkeln und faktisch wurde die Deutsche Bank übernommen.
Ich denke, die Auswirkungen sieht man gerade heute, wenn das Privatkundengeschäft "eingestampft" wird.
Weiterhin ist es eigentlich ein Skandal, wie sich die Investmentbanker die Taschen füllen, sich mit DB-Aktien als Boni gut stellen und die "normalen" Aktionäre dafür zahlen.

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