Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2017

16:47 Uhr

Deutsche Bank

Finanzvorstand peilt Strategiewechsel an

Die Deutsche Bank will im Frühjahr ihre Unternehmensstrategie anpassen. Das Geldhaus wolle „in die Offensive“ gehen. Damit kommt sie Investoren entgegen, die schon lange eine strategische Neuausrichtung fordern.

Deutschlands größtes Geldhaus will sich neu orientieren. dpa

Baustelle Deutsche Bank

Deutschlands größtes Geldhaus will sich neu orientieren.

DüsseldorfDie Deutsche Bank bereitet Anleger und Mitarbeiter auf eine weitere Strategie-Anpassung im Frühjahr vor. Dabei solle das Geschäftsmodell geschärft werden, kündigte Finanzchef Marcus Schenck am Freitag in Düsseldorf an. Im Mittelpunkt stünden das Deutschland- und das Firmenkundengeschäft, beides solle weiter Kernbestandteil der Bank sein. In den kommenden Monaten werde es dazu Botschaften geben. Über allem stehe das Ziel, nach den Rückschlägen der vergangenen Monate wieder in die Offensive zu kommen: „2017 wollen wir in die gegnerische Spielhälfte gehen und Tore erzielen“, betonte Schenck. „Dazu wird auch erforderlich sein, dass wir als Bank klarer ausbreiten, wo wir führend sein können und wollen und wo eben auch nicht.“ Finanzkreisen zufolge will Deutschlands größtes Geldhaus spätestens zur Hauptversammlung im Mai konkret werden.

Zeitungsbericht: Deutsche Bank steht vor Bonus-Kürzung

Zeitungsbericht

Deutsche Bank steht vor Bonus-Kürzung

Zahlt die Deutsche Bank für das vergangene Jahr 2016 erneut weniger Boni? Einem Medienbericht zufolge will das Geldhaus „den Gürtel enger schnallen“. Eine Bestätigung seitens der Bank gab es nicht.

Investoren fordern seit langem, dass die Deutsche Bank noch einmal grundsätzlich überlegt, wie sie in die Zukunft gehen will. Denn die bisherigen Sanierungserfolge sind überschaubar und die Kosten nach wie vor zu hoch. Dabei zeichnet sich für die Branche schon jetzt eine weitere Verschärfung der Kapitalvorschriften ab - die große Achillesferse der Deutschen Bank. Vorstandschef John Cryan, seit Sommer 2015 im Amt, hatte bislang im Großen und Ganzen an der „Strategie 2020“ seines glücklosen Vorgängers Anshu Jain festgehalten. Sie sieht den Rückzug aus einigen unprofitablen Märkten und besonders kapitalintensiven Handelsgeschäften vor. Ende 2015 setzte Cryan noch den Abbau von 9.000 Jobs im Konzern oben drauf - und hoffte, das reicht. Aber selbst die kleinere Commerzbank baut im Verhältnis zu ihrer Größe inzwischen mehr Mitarbeiter ab, um wieder in die Spur zu kommen.

Die Führungsriege der Deutschen Bank hat in den vergangenen Monaten bereits einige Szenarien durchgespielt. Insidern zufolge zählt dazu ein Rückbau des Investmentbankings im wichtigen US-Markt genauso wie eine Vollintegration der unverkäuflichen Postbank. Entscheidungen sind allerdings noch nicht gefallen. Cryan wollte zunächst abwarten, wie teuer der US-Hypothekenvergleich wird. Hier hatte zunächst eine Strafe von 14 Milliarden Dollar im Raum gestanden, die die Bank nach Ansicht einiger Analysten überfordert hätte. Die Aktie der Deutschen Bank war daraufhin im September abgestürzt und etliche Kunden nahmen Reißaus und zogen Milliarden ab, wie das Institut selbst einräumen musste.

Die kurz vor Weihnachten erzielte Grundsatzeinigung mit dem US-Justizministerium sieht nun Belastungen von insgesamt rund sieben Milliarden Dollar vor - was sowohl in den Doppeltürmen als auch an den Märkten mit Erleichterung aufgenommen wurde. Der Vergleich muss allerdings noch in Papierform gebracht und vom US-Justizministerium verkündet werden. Das soll nach Angaben aus Finanzkreisen in den nächsten Tagen geschehen - vor dem Präsidentenwechsel am 20. Januar.

Schenck räumte in Düsseldorf ein, dass die Deutsche Bank bislang zu sehr mit sich selbst beschäftigt war. „Wir haben 2016 immer in der eigenen Spielhälfte gestanden, um hinten die Null zu halten.“ Das sei auch gelungen: „Wenn die Bank im Jahr 2016 eines unter Beweis gestellt hat, dann ist es ihre Widerstandsfähigkeit.“ Es sei zwar noch zu früh, um über Zahlen für das vergangene Jahr zu sprechen. Er gehe aber davon aus, dass sie „trotz der vermutlich schwierigsten drei Monate, die diese Bank in vielen, vielen Jahren hinter sich gebracht hat“, besser abschneiden werde als 2015. Damals hatte wegen diverser Aufräumarbeiten ein Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro zu Buche gestanden. Die Zahlen für 2016 werden am 2. Februar erwartet.

Analysten gehen davon aus, dass die Jahresbilanz auch wegen des Hypothekenvergleichs unter dem Strich abermals rot sein wird. Die Mitarbeiter müssen sich deshalb darauf einstellen, dass der Bonustopf erneut schrumpft, wie aus dem Umfeld des Aufsichtsrats verlautet. Konkrete Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen. „Der ganze Entscheidungsprozess wurde dieses Mal leicht nach hinten geschoben“, berichtet ein Insider.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×