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22.03.2016

07:26 Uhr

Deutsche-Bank-Finanzvorstand Schenck

„Schlechtester Jahresstart, den ich erlebt habe“

Die Turbulenzen des Jahresbeginns hätten „Spuren hinterlassen“, räumt der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Marcus Schenck, ein. Indes nimmt die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der Bank unter die Lupe.

Eine weitere dunkle Wolke über der Deutschen Bank: Rutscht die Kreditwürdigkeit ab? dpa

Deutsche Bank

Eine weitere dunkle Wolke über der Deutschen Bank: Rutscht die Kreditwürdigkeit ab?

Berlin/New YorkDie Schwankungen an den Kapitalmärkten in den ersten Wochen des Jahres haben der Deutschen Bank zugesetzt. „Dies waren im Bankensektor die beiden schlechtesten Anfangsmonate eines Jahres, die ich persönlich erlebt habe. Das hat natürlich auch bei uns seine Spuren hinterlassen“, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck der „Börsen-Zeitung“ (Dienstagausgabe). Alle eng am Kapitalmarkt hängenden Geschäfte seien betroffen, wie das Handelsgeschäft und die Vermögensverwaltung. „Da haben wir einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.“

Vorstandschef John Cryan hatte die Investoren bereits auf einen schwachen Jahresstart vorbereitet, Schenck hat den Ton in dem Interview allerdings noch einmal verschärft. Die Deutsche-Bank-Aktie gab 2,8 Prozent nach und war damit am Dienstag einer der größten Verlierer im Leitindex Dax.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Schleppend laufe auch der Umbau des Instituts, räumte Schenck ein. „Im Marktumfeld der ersten beiden Monate dieses Jahres haben wir gesehen, dass es schlicht nicht möglich war, bestimmte Transaktionen durchzuführen und die Sache für uns abzuschließen.“ Die Vertragspartner seien zum Teil nicht einmal zu Gesprächen bereit gewesen. „Da passieren dann einige Sachen nicht, die jetzt erst einmal auf der Bilanz stehen bleiben“, sagte der ehemalige Goldman-Sachs-Investmentbanker und Finanzvorstand von Eon. Im März sei es aber schon deutlich besser gelaufen.

Auch werde ein Verkauf oder ein Börsengang der Tochter Postbank in diesem Jahr wohl nicht mehr stattfinden, räumte Schenck ein. „Der Basisfall ist eher 2017. Im heutigen Marktumfeld müssten wir solche Preiskonzessionen machen, dass ein Verkauf nicht sinnvoll wäre.“ Weitere Abschreibungen für die Postbank seien in diesem Jahr nicht geplant. Schneck bestätigte, dass es Interessenten für die Postbank gebe - „auch wenn es keine 20 sind“. Doch diese hielten sich derzeit stark zurück.

„Wir machen jetzt unsere Hausaufgaben. Und dann werden wir uns Ende 2016, auf jeden Fall 2017, mit dem Thema beschäftigen.“

Investmentbanking: Deutsche Bank legt Fehlstart hin

Investmentbanking

Premium Deutsche Bank legt Fehlstart hin

Schwacher Jahresauftakt für die Investmentprofis der Deutschen Bank in ihrer „Königsdisziplin“: In der Beratung von Fusionen und Übernahmen ist das größte deutsche Geldhaus im ersten Quartal deutlich zurückgefallen.

Die Deutsche Bank hatte einen schwachen Jahresstart hingelegt. Deutschlands größtes Geldhaus signalisierte in seinem vor kurzem veröffentlichten Geschäftsbericht, dass es wegen der großen Schwankungen an den Kapitalmärkten in den ersten Monaten 2016 vor allem im wichtigen Investmentbanking Bremsspuren gegeben haben dürfte.

2015 hatte die Bank unter dem Strich ein Minus von 6,7 Milliarden Euro verbucht. Denn die andauernden Rechtstreitigkeiten und der erneute Konzernumbau belasten die Bilanz. Und auch in diesem Jahr ist ein Verlust nicht ausgeschlossen.

Nun hat die US-Ratingagentur Moody's dem Geldhaus angedroht, seine Einschätzung der Kreditwürdigkeit der Bank zu senken. Dazu zählten das Langfristrating (A2) und das Rating für vorrangig unbesicherte Verbindlichkeiten (Baa1), teilten die Bonitätswächter am Montag mit.

Schon jetzt sehen die Experten Kreditpapiere der Deutschen Bank nur als durchschnittlich gute Anlage. Eine eventuelle Senkung des Ratings würde aber nur um eine Stufe erfolgen, wie Moody's in einer Mitteilung am Montag betonte. Ein Abrutschen in den Bereich der spekulativen Anlagen („Ramsch“) droht damit nicht. Dafür müsste Moody's die derzeitige Bewertung um drei Stufen senken.

Nach Rekordverlust 2015: Deutsche Bank kürzt Bonuszahlungen

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Die Deutsche Bank hat harte Monate hinter sich, doch Entwarnung kann der neue Chef John Cryan nicht geben, im Gegenteil. Der Aktienkurs steigt trotzdem.

Grund seien zunehmende Hürden bei den Bemühungen der Deutschen Bank, die Profitabilität in den nächsten drei Jahren zu stärken und zu stabilisieren. Seit dem Führungswechsel und der Aktualisierung der strategischen Planung im vergangenen Juni habe sich das operative Umfeld für die Deutsche Bank verschlechtert, hieß es weiter. Der Gegenwind bei Erlösen und Ausgaben könnte zu einer Verzögerung bei der angestrebten Verbesserung der Profitabilität führen. Moody's prüft nach eigenen Angaben auch die wichtigsten Ratings der Deutsche-Bank-Tochter Postbank auf eine Herabstufung.

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