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11.09.2012

15:03 Uhr

Deutsche-Bank-Führungsduo

Sparen, schrumpfen – siegen?

VonTobias Döring

Jürgen Fitschen und Anshu Jain stellen die neue Strategie der Deutschen Bank vor. Das Institut gründet eine interne „Bad Bank“, die nicht so heißen soll. Und ruft ein Gremium zusammen, mit einem Vorsitzenden ohne Namen.

Deutsche Bank soll kürzer treten

Video: Deutsche Bank soll kürzer treten

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FrankfurtJürgen Fitschen und Anshu Jain führen die Deutsche Bank seit gut 100 Tagen. Am Dienstag hatten die Co-Chefs ihren großen Auftritt bei der Vorstellung der neuen Unternehmensstrategie. Anshu Jain lächelt verschmitzt, fast schüchtern. Jürgen Fitschen wirkt gelöster, als das Führungsduo den Hermann-Josef-Abs-Saal im Haupthaus im Frankfurter Bankenviertel betritt.

Ein Dreh zu den Fotografen links, einer nach rechts. Dann tauchen die Vorstandschefs von Deutschlands größtem Geldhaus auf dem Podium unter im Pulk der Fotografen und Fernsehteams – und halten für die berichterstattenden Journalisten eine faustdicke Überraschung parat.

Viel war in den vergangenen Wochen spekuliert worden über die neue Strategie. Über den angekündigten Kulturwandel und einen möglicherweise erweiterten Stellenabbau. Doch die Schaffung einer internen „Bad Bank“ hatte so niemand auf dem Zettel. Dafür schafft die Deutsche Bank eine neue fünfte Einheit innerhalb des Konzerns. Die Einheit „Non-Core Operations“ wird mit Vermögenswerten gefüllt, von denen sich das Institut in den nächsten Jahren trennen will.

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

Einsparungen

Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.

„Bad Bank“

Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.

Renditeziele

Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.

Vergütung

Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Boni belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.


Kapital

Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.

Regionale Aufstellung

Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.

Kulturwandel

Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.

Geschäftsbereiche

Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.

Dabei handelt es sich um verbriefte Wertpapiere und andere Aktiva, die sich im Investmentbanking angesammelt hätten und nun nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt würden. Hinter diesen Papieren steckten Ende Juni Bilanzrisiken (RWA) von 135 Milliarden Euro. Bis März 2013 soll davon bereits ein Drittel abgebaut sein. Finanzvorstand Stefan Krause sagte, dass es sich bei der neuen Einheit um keine „Bad Bank“ handele. Die Vermögenswerte in der neuen Einheit seien schließlich keine schlechten Aktiva, betonte Krause.

Kommentar: Wechsel auf die Zukunft

Kommentar

Wechsel auf die Zukunft

Die beiden neuen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen machen alles eine Nummer kleiner. Aber sie machen nichts anders.

Fitschen und Jain geben der Deutschen Bank zunächst eine Strategie bis zum Jahr 2015. Fitschen nennt die kommenden drei Jahre eine „Phase des Übergangs“. Man wolle gut durch die schweren Zeiten kommen, um „dann den Hebel umlegen“ zu können, sagt Fitschen.

Während Fitschens Ausführungen hört Jain fast regungslos zu. Jain wirkt müde. Die Co-Chefs teilen sich die Erklärungen auf. Fitschen ist für die Einführung zuständig, umreißt grob die Strategie. Anshu bringe nachher Zahlen, sagt Fitschen. „Auch das wird Anshu gleich im Detail erklären.“ Und nachdem Fitschen „zum Schluss nochmal wieder das Kulturthema als Ganzes“ behandelt hat, ist Jain dran.

Jain erweist sich nicht nur als Herr der Zahlen im Führungsgespann, er ist auch der Herr der Folien. Jain liest mehr vom Bildschirm ab als Fitschen. Er fliegt durch die Geschäftsbereiche. In der Sparte Investmentbanking weist er darauf hin, ausschließlich in dieser Einheit eine Extrafolie in der Präsentation zu haben.

Kommentare (4)

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r-tiroch@t-online.de

11.09.2012, 15:41 Uhr

da werden wir aber bald für jede bank eine eigene bad-bank haben? damit ist es ja einfacher den Sondermüll auszulagern der dann beim Bürger landet? das wird auch noch beklatscht?

Account gelöscht!

11.09.2012, 16:15 Uhr

Der beste war Ackermann

oder welche europäische Bank war besser? Kritik bzw. dümmliches Geschätz kam in erster Linie vom Spiegel und andere plapperten es nach. In Deutschland wird alles kritisiert, nur die Presse nicht. Da fragt man sich warum wohl. Eine Eigenkaitalrendite von 25% ist in gut geführten Hotels das Minimum, bei einer Bank sollte es mehr sein.

DavidLeeR88

11.09.2012, 22:40 Uhr

Postbank gehört zu Deutsche Post??? Postbank gehört mitlerweile zu DEUTSCHEN BANK!!!! Das sollte man als Handelsblatt wissen und wenn man einen Artikel über die Deutsche Bank schreibt, sowieso!

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