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20.12.2016

16:39 Uhr

Deutsche-Bank-Händler in Russland

Mit Schwiegermutters Konto Millionen verdient

Ein Aktienhändler kaufte und verkaufte Wertpapiere von seinen Verwandten im Namen der Deutschen Bank. Verdienst auf Kosten des Geldhauses: rund vier Millionen Dollar in zwei Jahren. Nun ermittelt die Bank intern.

Das Geldhaus ist einmal wieder ins Visier der russischen Behörden geraten. Ein Händler verdiente auf ihre Kosten Millionen. dpa

Deutsche Bank

Das Geldhaus ist einmal wieder ins Visier der russischen Behörden geraten. Ein Händler verdiente auf ihre Kosten Millionen.

DüsseldorfDie Deutsche Bank hat viele Baustellen offen, auch in Russland. Nun ist sie in dem Land aber offenbar selbst Geschädigte. Der russischer Händler Yuri Khilov soll zwischen 2013 und 2015 im Namen der Bank Aktien-Deals manipuliert haben, unter anderem mit Papieren russischer Öl- und Bankenriesen wie Gazprom, Rosneft, Sberbank und VTB. Das gab die russische Zentralbank am Dienstag bekannt.

Der Betrug hatte System: Khilov, zu der Zeit Abteilungsleiter für Aktienhandel bei der russischen Niederlassung der Großbank, handelte Aktien im Namen seiner Verwandten. Zu ihnen gehörten laut der russischen Zeitung „Vedomosti” neben seiner Frau Natalia auch seine Schwiegereltern Tatiana und Igor Novikov. Über Konten, die auf deren Namen liefen, lieh sich Khilov Geld von Börsenbrokern und kaufte Wertpapiere. Dann verkaufte er die Aktien an die Deutsche Bank weiter – zu einem guten Preis, den er selbst bestimmte. Anschließend kaufte Khilov die Papiere im Namen der Verwandten innerhalb von wenigen Minuten zurück, ebenfalls zu einem Preis, den er selbst festlegte.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

Das Ergebnis der Prozedur: Der Broker verdiente Geld auf Kosten der Deutschen Bank – rund 255 Millionen Rubel (4,1 Millionen Dollar) von 2013 bis 2015, schätzen die Regulatoren der russischen Zentralbank. Die betreffenden Deals soll Khilov alleine getätigt haben. Allerdings hätten die Verwandten davon gewusst, dass über ihre Konten Börsendeals laufen.

Die Deutsche Bank habe den Vorfall intern untersucht und habe die Ergebnisse bereits an die russischen Regulierungsbehörden übermittelt, kommentierte ein Sprecher des Hauses gegenüber der russischen Wirtschaftszeitung „RBK”. Der Kampf gegen unehrliche Handelspraktiken habe in dem Geldhaus Priorität. Die Bank würde dabei auch eng mit den Regulierern zusammenarbeiten, betonte der Sprecher. Nicht nur die russischen Regulierer, auch die deutsche Bafin war an der Untersuchung des Falls beteiligt.

Deutsche Bank: Fortschritte im Geldwäsche-Skandal

Deutsche Bank

Fortschritte im Geldwäsche-Skandal

Die Deutsche Bank könnte bald eine Sorge weniger haben: Insider berichten von erfolgreichen Gesprächen mit US-Ermittlungsbehörden. Wichtige Vorwürfe seien vom Tisch.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Deutsche Bank in Russland ins Visier der Behörden gerät. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass Kunden über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von rund zehn Milliarden Dollar über koordinierte Aktienverkäufe gewaschen haben sollen. Besonders problematisch: einige der Deals verstießen offenbar gegen die von den USA auferlegten Sanktionen. Lange galt die Russland-Affäre deshalb als eines der unkalkulierbarsten Rechtsrisiken in den Büchern des Finanzhauses. Welche Strafen auf die Bank in dieser Sache zukommen, ist bis heute noch nicht restlos geklärt, auch wenn Insider im Oktober behaupteten, dass die Affäre doch noch glimpflich ausgehen könnte.

Der Skandal rund um Khilov habe nichts mit den Geldwäsche-Vorwürfen gegen die Deutsche Bank zutun, betonten die Zentralbank-Regulatoren. In diesem Fall scheinen die Behörden die Bank als Geschädigte anzuerkennen. Man gehe davon aus, dass die Bank gegen den ihr zugefügten Schaden nun juristisch vorgehen werde.

Von

jur

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

20.12.2016, 17:29 Uhr

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