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19.05.2016

14:58 Uhr

Deutsche-Bank-Hauptversammlung

Kontrolleur auf Bewährung

VonMichael Maisch

Paul Achleitner, der angezählte Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, gibt sich auf der Hauptversammlung kämpferisch. Aber die Zweifel an seiner Amtsführung bleiben. Ein Kommentar.

„Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde.“ dpa

Paul Achleitner spricht auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank

„Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde.“

Angriff ist die beste Verteidigung. Frei nach diesem Motto kämpft Paul Achleitner, der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, auf der Hauptversammlung des Instituts um seinen Job. Kämpferisch verteidigt der Österreicher seine Leistung gegen die Kritik einflussreicher Großaktionäre. Sie werfen ihm vor, dass er viel zu lange am alten Co-Vorstandschef Anshu Jain festgehalten habe und damit ein gerüttelt Maß Schuld an der Misere trägt, in der die Bank jetzt feststeckt.

Eigene Fehler? Achleitner kann kaum welche erkennen: Er ist sich sicher, dass es richtig war, erst einmal die neue Strategie zu entwickeln und dann den halben Vorstand auszutauschen. Der ehemalige Investmentbanker fühlt sich von anonymen Kräften verfolgt, die nicht erkennen, dass „die Ziele stimmen, der Weg klar definiert ist und der neue Vorstand gut vorankommt“.

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (I)

Erträge

33,5 Milliarden Euro.

Zinsunabhängige Aufwendungen

38,7 Milliarden Euro.

Jahresergebnis

6,8 Milliarden Euro Verlust nach Steuern.

Harte Kernkapitalquote

11,1 %.

Verschuldungsquote

3,5%.

Aber genau das bezweifeln viele Großaktionäre. So wie Ingo Speich von der großen Fondsgesellschaft Union Investment fragen sich viele Investoren, ob die neue Strategie wirklich reicht, um in Zukunft zumindest wieder halbwegs attraktive Renditen zu erzielen. Erste Großanleger zweifeln bereits, ob die Deutsche Bank eine Zukunft als eigenständige europäische Großbank hat.

Achleitner scheinen solche Zweifel nicht anzufechten. Er gibt sich so kämpferisch und selbstbewusst wie einst der Reformator Martin Luther, der vor dem Reichstag in Worms seine Thesen mit den Worten verteidigte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Achleitners Version in der Frankfurter Festhalle hört sich so an: „Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde.“ Mehrere Großaktionäre wollen Achleitner Stand heute dabei allerdings nicht unterstützen. Paradoxerweise werden viele der Kritiker den Aufsichtsratschef auf der Hauptversammlung dennoch entlasten. Allerdings nicht, weil sie von der Arbeit des Chefkontrolleurs überzeugt sind, sondern weil sie glauben, dass eine neue Führungskrise die angeschlagene Bank in noch größeres Chaos stürzen würde.

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