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26.05.2011

16:32 Uhr

Deutsche Bank

Herr Ackermann und die Bombe

VonNils Rüdel

Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank geht es weniger ums Geschäft als um gesellschaftliche Themen: gammelige Häuser oder die Atomenergie. Ein bewegender Auftritt brachte Bankchef Ackermann in Erklärungsnot.  

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kommt auf der Hauptversammlung in Erklärungsnot. Quelle: Reuters

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kommt auf der Hauptversammlung in Erklärungsnot.

„Herr Bohndorf“. Als der Name fällt, geht ein Raunen durch den Saal. Herr Bohndorf, gemeint ist Michael Bohndorf, ein Anwalt, der auf Ibiza lebt - der Schreck jeder Hauptversammlung der Deutschen Bank. Aufsichtsratschef Clemens Börsig gibt sich betont ungenervt, als er noch vor Beginn der Aktionärsversammlung verkünden muss, dass Bohndorf gefordert hat, ihn als Versammlungsleiter abzusetzen.

Der Antrag hat keine Chance, aber Bohndorf hat mal wieder zugeschlagen. Es wird nicht das einzige Mal an diesem Donnerstag in der Frankfurt Festhalle sein. Und der 70-Jährige wird auch nicht der einzige sein, der Börsig und Vorstandschef Josef Ackermann heute aufs Korn nimmt.

Denn es geht es um mehr als Jahresabschlüsse, Vorsteuergewinne und Ergebnisprognosen. Vor allem geht es um Gesellschaftspolitik. Um das Geschäftsgebaren der Bank auf dem US-Immobilienmarkt, das Leid der vertriebenen Hausbewohner und juristischen Ärger. Um Geschäfte mit Streubomben-Herstellern. Um die Finanzierung von Atomenergie.

Also um das Schlechte der Welt. Dazu hatten schon die Transparente von Attac und Greenpeace vor dem Eingang eingestimmt: „Glanz in der Hütte – Dreck vor der Tür“ oder „Schwarze Zahlen durch finstere Geschäfte“. Viel Stoff für einen langen Tag, an dem ein zunehmend genervter Versammlungsleiter Börsig mehrfach die Redezeiten kürzen und die Redner ermahnen wird.

Manche Aktionäre sind einen weiten Weg gekommen. Susan Giaimo etwa, schon zum zweiten Mal. Sie vertritt die Initiative „Common Ground“ aus Milwaukee, die Ackermann immer wieder an die goldene Zeit auf dem amerikanischen Häusermarkt erinnert. In der Halbmillionenstadt gammeln zwangsversteigerte Häuser vor sich hin. Weil die Deutsche Bank als Treuhänder auftrat, will die Gruppe einen finanziellen Beitrag, um die Immobilien zu instand zu halten.

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