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17.03.2016

15:13 Uhr

Deutsche Bank

Investoren setzen Achleitner unter Druck

VonMatthias Streit

Nicht nur das Topmanagement der Deutschen Bank ringt um das Vertrauen der Investoren. Auch der Druck auf den Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner steigt zunehmend. Die Aktionäre sind unzufrieden.

Die Deutsche Bank im freien Fall

Made in Germany: Die Deutsche Bank im freien Fall

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DüsseldorfFür Paul Achleitner, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, wird es immer ungemütlicher. Zwar läuft sein Vertrag noch bis Ende 2017. Eine zweite Amtszeit wird für den Österreicher jedoch zunehmend unwahrscheinlicher.

So berichtet das „Manager Magazin“, dass vor allem Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor auf Veränderung dringt. Er steht hinter den „Supreme Universal Holdings“, die mit 3,05 Prozent zur Gruppe der zweitgrößten Aktionäre der Deutschen Bank gehört. „Achleitner wird nicht Teil der Zukunft der Deutschen Bank über 2017 hinaus sein“, habe es aus dem Umfeld des Scheichs geheißen. Der größte Investor der Bank ist der Vermögensverwalter Blackrock mit 6,8 Prozent.

Deutsche Bank: Unangenehme Fragen an Herrn Achleitner

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Die desolaten Zahlen der Deutschen Bank rücken Chefaufseher Paul Achleitner in den Fokus. Die großen Investoren wollen in mehreren Treffen herausfinden: Trägt er eine Mitschuld an der Krise? Es geht um seine Zukunft.

Neu ist der Unmut der Investoren allerdings nicht: Bereits am 1. Februar hatte das Handelsblatt über ihren zunehmenden Ärger berichtet. Der Grund für ihre Unzufriedenheit: Achleitner habe zu lange an dem alten Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie deren Strategie einer globalen Universalbank festgehalten. „Aus unserer Sicht ist es nicht die Frage, ob die Deutsche Bank einen neuen Aufsichtsratschef braucht, sondern wann“, erklärte einer der wichtigsten Aktionäre dem Handelsblatt.

Ein anderer Aktionär ließ damals wissen: „Wir müssen über einen Neuanfang im Kontrollgremium der Deutschen Bank sprechen.“ Die Gespräche dürften unangenehm gewesen sein. Schließlich wollten die Investoren von Achleitner wissen, ob nicht auch mangelnde Kontrolle durch den Aufsichtsrat mitverantwortlich für die Krise ist, in der das Finanzinstitut nach wie vor steckt.

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Die glorreichen Zeiten sind vorbei: Nach dem dramatischen Kursrutsch werden manche Investoren der Deutschen Bank langsam nervös. Warum nicht nur der Scheich von Katar die Freude an dem Finanzinstitut längst verloren hat.

Auch andere Mitglieder der Herrscher-Familie aus Katar, die über die Paramount Services Holdings ebenfalls 3,05 Prozent an der Deutschen Bank halten, sind unzufrieden. Wegen des Kursverfalls der Aktie hat sich der Wert ihres Investments zwischenzeitlich nahezu halbiert. Resignation verwandle sich allmählich in Ärger, war bereits Anfang Februar aus dem Umfeld zu hören.

Erst am Mittwoch hatte Co-Chef-Cryan die Aktionäre erneut darauf eingestimmt, dass die Deutsche Bank wohl auch in diesem Jahr keinen Gewinn einfährt. Die Folge: Die Aktie verlor zeitweise knapp fünf Prozent. Und auch am Donnerstag setzt sich die Talfahrt fort: Bis zum frühen Nachmittag fielen die Titel um 4,5 Prozent auf 16,48 Euro.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Achleitner steht seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Bei der Hauptversammlung 2015 genoss der Österreicher, der 2012 zur Deutschen Bank kam, noch das Vertrauen der Investoren. 90 Prozent bestätigten ihn in seinem Amt. Und auch auf der kommenden Hauptversammlung im Mai scheint der Frieden zumindest im Vordergrund gewährt. Doch dass die Investoren ihm das Vertrauen für eine zweite Amtszeit schenken, wird immer ungewisser.

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