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19.07.2012

09:14 Uhr

Deutsche Bank

Jain und Fitschen sparen sich Investmentbanker

VonMichael Maisch, Peter Köhler, Robert Landgraf, Thomas Sigmund

ExklusivAnshu Jain und Jürgen Fitschen holen das nach, was ihr Vorgänger Josef Ackermann aufschob. Im Investmentbanking sollen 1000 Stellen wegfallen. Die beiden Co-Chefs der Deutschen Bank kopieren die Strategie anderer Häuser.

Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen. dapd

Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen.

Berlin/Frankfurt/LondonAnshu Jain hat eine klare Vision: Er will als Sieger aus der größten Bankenkrise der Neuzeit hervorgehen. Angesichts der nicht mehr rundlaufenden Weltkonjunktur und der schärferen Regeln der Aufsichtsbehörden glaubt er, „dass in Zukunft nur noch eine Handvoll starker globaler Banken übrig bleibt“. Der gebürtige Inder will den Konkurrenten Marktanteile abjagen, aber zuerst muss er mit dem eisernen Besen durch das eigene Haus gehen, um Kosten einzusparen.

Die Flaute an den Kapitalmärkten führt dazu, dass die Deutsche Bank in den nächsten Wochen gut 1000 Stellen im Investmentbanking abbauen wird, heißt es in gut informierten Finanzkreisen in Frankfurt. „Damit holt die Deutsche Bank das nach, was die internationale Konkurrenz bereits vorgemacht hat. Unter dem früheren Vorstandschef Josef Ackermann war der Konzern bei Personaleinsparungen eher zurückhaltend“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person. Die Deutsche Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

Führende Banken: Fusionen und Übernahmen

Platz 1

Die Deutsche Bank ist vom zweiten Platz im Vorjahreszeitraum nun auf die Spitzenposition geklettert. Das Volumen betrug im ersten Halbjahr dieses Jahres 19,78 Milliarden Dollar.

Platz 2

Morgan Stanley hat einen gewaltigen Satz nach oben gemacht. 16,79 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei Fusionen und Übernahmen im ersten Halbjahr, statt Platz 12 macht das Platz 2.

Platz 3

Goldman Sachs bleibt mit einem Volumen von 11,41 Milliarden Dollar unverändert auf dem dritten Platz.

Platz 4

Rothschild springt von acht auf vier. Das Volumen betrug 9,72 Milliarden Dollar.

Platz 5

JP Morgan rutscht von Platz 4 auf Platz 5. Das Volumen betrug 8,89 Milliarden Dollar.

Platz 6

Perella Weinberg belegt mit einem Volumen von 8,69 Milliarden Dollar den sechsten Platz.

Platz 7

Macquarie liegt mit einem Volumen von 8,15 Milliarden Dollar auf dem siebten Rang.

Platz 8

Lazard fällt mit einem Volumen von 6,27 Milliarden Dollar von sieben auf acht.

Platz 9

Credit Suisse rauscht von der Top-Position auf den neunten Platz. Das Volumen betrug 5,65 Milliarden Dollar.

Platz 10

Die Citi gleitet von sechs auf zehn mit einem Volumen von 5,28 Milliarden Dollar.

Der Stellenabbau erfolgt unabhängig von der neuen strategischen Ausrichtung des größten deutschen Geldhauses, die von der Doppelspitze aus Jain und Jürgen Fitschen im September verkündet werden soll. Es handelt sich also um eine taktische Anpassung, die vielleicht schon mit den Zahlen zum zweiten Quartal am 31. Juli veröffentlicht wird. Im vergangenen Oktober hatte das Institut bereits die Streichung von 500 Stellen im Investmentbanking angekündigt.

Die großen angelsächsischen Wettbewerber wie Morgan Stanley und Barclays haben seither nach Branchenschätzungen aber im Schnitt schon etwa 1500 bis 1600 ihrer Spezialisten abgebaut. Diese Zahl will jetzt auch die Deutsche Bank angesichts des miesen Umfelds für Kapitalmarktgeschäfte im zweiten Quartal erreichen.

Führende Banken: Gebühren Investment-Banking

Platz 1

Bei den Gebühren fürs Investment-Banking liegt die Deutsche Bank mit einem Volumen von 100,6 Millionen Dollar weiterhin vorne.

Platz 2

JP Morgan macht einen kleinen Satz vom dritten auf den zweiten Platz. Das Volumen: 68,9 Millionen Dollar.

Platz 3

HSBC belegt mit einem Volumen von 48,5 Millionen Euro den dritten Platz.

Platz 4

Die Commerzbank verbessert sich leicht von Rang sechs auf vier mit einem Volumen von 45,2 Millionen Dollar.

Platz 5

Unicredit landet mit 42,8 Millionen Dollar auf dem fünften Platz (zuvor Platz 9).

Platz 6

Morgan Stanley klettert von elf auf sechs mit einem Volumen von 41,3 Millionen Dollar.

Platz 7

Die Royal Bank of Scotland belegt den siebten Platz. Das Volumen betrug 36,5 Millionen Dollar.

Platz 8

Barclays konnte sich mit einem Volumen von 31,8 Millionen Dollar nicht auf dem siebten Platz halten.

Platz 9

30,5 Millionen Dollar waren es bei der LBBW, das reicht für einen Sprung in die Top Ten (vorher Platz 18).

Platz 10

Goldman Sachs rutscht mit 29,9 Millionen Euro vom zweiten auf den zehnten Platz.

„Man kopiert hier die Strategie anderer Häuser, um keine Wettbewerbskraft einzubüßen“, sagt Nils C. Wilm, Managing Partner bei der Beratungsgesellschaft Banking Consult Executive Search. Wie immer seien die US-Institute hier Vorreiter und befänden sich schon in einem fortgeschritteneren Stadium eines Wandlungsprozesses, bei dem die Strukturen auf die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen, Standardisierungen und das zu erwartende Marktvolumen angepasst würden, ergänzt der Berater.

Stellenabbau: Das schleichende Ende des Investmentbankings

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Das schleichende Ende des Investmentbankings

Seit Beginn des Jahres haben 10.000 Investmentbanker ihren Job verloren.

Die Entlassungen im Investmentbanking würden „überwiegend“ im Ausland erfolgen und nicht in Deutschland, wo der Bereich im Vergleich zu London aber auch recht klein ist, heiß es in Finanzkreisen.

Außerdem dürfte es die einzelnen Bereiche mit unterschiedlicher Härte treffen. Während die Bank gestern ankündigte, mit der Devisenhandels-Plattform „Autobahn“ weiter wachsen zu wollen, leidet vor allem das Aktiengeschäft unter den Folgen der Finanzkrise.

Kommentare (7)

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Moika

19.07.2012, 09:35 Uhr

Zu mehr innovativem Handeln, als die Aktionen anderer Institute zu kopieren, reicht's bei Jain einfach nicht.

Er holte das Sub-Prime Geschäft ins Haus, betrog die eigenen Kunden mit selbstgestrickten Derivaten und war bei den Libor/Euribor Manipulationen mit an der Spitze dieser institutsübergreifenden kriminellen Vereinigung.

Gegen die DB laufen weltweit noch dutzende Prozesse - alle aus der Zeit, als Jain die Leitung der Invetsmentsparte übernahm und inne hatte. Und dieser Mann leitet heute dieses ehemalige Vorzeigeunternehmen Deutschlands.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung. Vermutlich hat Ackermann diese Personalie so auf den Weg gebracht um später einmal sagen: Seht ihr, mit mir seit ihr eigentlich doch ganz gut gefahren. Fitschen kann mit nur Leid tun.

MW65719

19.07.2012, 10:00 Uhr

Interessant.
Die Deutsche Bank vermeidet Kündigungen / Personalreduzierungen so lange wie möglich und frönt auch im Ausland (wo es möglich wäre) nicht dem schnellen Hire & Fire. In den meisten anderen Branchen würde man das als "soziale Verantwortung" bezeichnen.
Aber weil es sich ja nur um die bösen (Investment)banker handelt (die im Ausland auch nicht durch Verdi etc. lautstark vertreten werden), die hier ihre Jobs verlieren, handelt die Bank nicht schnell genug und läuft nur ihren amerikanischen Konkurrenten hinterher...
Es sind übrigens in den meisten Fällen nicht die Investmentbanking-Stars, die bei solchen Entlassungswellen ihren Job verlieren (und wenn es doch mal einen von denen erwischt sind die ja finanziell meist sehr gut abgefedert), sondern die Leute in der Abwicklung, die mit den ganz normalen Gehältern ohne die Boni von Hunderttausend und mehr im Jahr.

Account gelöscht!

19.07.2012, 10:03 Uhr

Systemrelevanz war gestern!
Ohne Deals sind die Jungs auch überflüssig!
Island räumt schon auf: Laut Le Monde sind 100 Sonderermittler und ein Kopfgeldjäger ( Ex-Polizeileutnant Hauksson) im Einsatz, um betroffene Politiker und Banker ausfindig zu machen.
Dieses Vorgehen sollten wir auch uns und unseren Nachbarn empfehlen.
Es ist deutlich preiswerter als die Fondslösungen

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