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14.03.2016

12:12 Uhr

Deutsche Bank

John Cryan hält sich Tür für Kapitalerhöhung offen

Die Deutsche Bank musste einen Milliardenverlust für 2015 melden – und könnte Aktionäre nochmal um frisches Geld bitten. Sorgen bereiten weiterhin die Rechtsstreitigkeiten. Bis Jahresende will die Bank Klarheit schaffen.

Er will nicht alle Kollegen für das Fehlverhalten einiger verantwortlich machen. AFP; Files; Francois Guillot

Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan

Er will nicht alle Kollegen für das Fehlverhalten einiger verantwortlich machen.

Frankfurt am MainDie Deutsche Bank schließt eine Kapitalerhöhung in absehbarer Zeit nicht aus. „Ein Vorstandsvorsitzender sollte eine solche Maßnahme grundsätzlich nie ausschließen. Aber wir sehen derzeit andere Möglichkeiten, den regulatorischen Kapitalanforderungen gerecht zu werden“, sagte Co-Chef John Cryan der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe).

Nach dem Rekord-Verlustjahr 2015 und den gestrichenen Boni hat das Geldhaus nach den Worten von Cryan die Fixgehälter erhöht und damit den Rückgang zum Teil kompensiert. „Wir können nicht die Gesamtheit unserer Kolleginnen und Kollegen kollektiv für die Verfehlungen der Vergangenheit verantwortlich machen.“

Zudem will das Finanzinstitut den Geldwäsche-Skandal in Russland schnellstmöglich abhaken. „Wir hoffen sehr, das Russland-Verfahren in diesem Jahr abschließen zu können, denn hier tun sich Analysten besonders schwer, die Höhe der Strafe zu prognostizieren“, sagte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen. Deutschlands größtes Geldhaus hat Ermittlern zufolge Kunden geholfen, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar zu waschen. Da sich inzwischen auch die US-Behörden in den Fall eingeschaltet haben, droht der Bank nach Einschätzung von Experten eine hohe Strafzahlung.

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (II)

Erträge aus Corporate Banking & Securities

14,2 Milliarden Euro.

Erträge aus Private & Business Clients

8,9 Milliarden Euro (nach Wertminderung von 0,7 Milliarden Euro auf die Beteiligung der Huaxia Bank).

Erträge aus Global Transaction Banking

4,6 Milliarden Euro.

Erträge aus Deutsche Asset & Wealth Management

5,4 Milliarden Euro.

Wertminderung auf Geschäfts- oder Firmenwert

5,8 Milliarden Euro.

Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten

5,2 Milliarden Euro.

Restrukturierung/Abfindungen

1,0 Milliarden Euro.

Die zahlreichen offenen Rechtsstreitigkeiten seien ein Grund dafür, warum der Deutschen Bank am Markt so viel Misstrauen entgegenschlage, sagte Fitschen. „Die Investoren wollen wissen, wie es hier weitergeht. Deshalb tun wir alles dafür, bis zum Jahresende hier mehr Klarheit zu schaffen.“ An der ausgegebenen Neuausrichtung des Instituts wolle der Vorstand dagegen nicht rütteln, betonte Co-Chef John Cryan in dem Interview. „Wir haben kein Strategieproblem.“ Das Wertpapierhandelsgeschäft stehe derzeit zwar unter Druck, weil Kunden wegen der Schwankungen an den Märkten weniger Aktien und Anleihen platzierten. Auf mittlere Sicht sei die Kapitalmarktexpertise für die Deutsche Bank aber ein Alleinstellungsmerkmal in Europa. „Das Investmentbanking samt Handel ist für uns unverzichtbar.“

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (I)

Erträge

33,5 Milliarden Euro.

Zinsunabhängige Aufwendungen

38,7 Milliarden Euro.

Jahresergebnis

6,8 Milliarden Euro Verlust nach Steuern.

Harte Kernkapitalquote

11,1 %.

Verschuldungsquote

3,5%.

Das Institut hat im Rahmen seiner „Strategie 2020“ angekündigt, die Postbank zu verkaufen und ab Herbst rund 200 Deutsche-Bank-Filialen zu schließen. Im Konzern fallen netto 9000 Stellen weg, knapp die Hälfte davon in Deutschland. Die Arbeitnehmervertreter setzen darauf, dass dies in der Bundesrepublik über Abfindungsangebote, Altersteilzeit und andere freiwillige Maßnahmen gelingt. „Ich gehe davon aus, dass wir weitestgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, dem „Handelsblatt“. „Der Konzernbetriebsrat hat einen Sozialplan ausgehandelt, und die Bank hat angedeutet, dass sie Arbeitszeitverkürzungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen positiv sieht.“

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