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22.01.2016

13:52 Uhr

Deutsche Bank

Josef Ackermann will alles richtig gemacht haben

VonMichael Maisch

Wer hat die Deutsche Bank ruiniert? Einer will es auf keinen Fall gewesen sein, Ex-Chef Josef Ackermann. Das sehen einige in der Bank allerdings ganz anders. Der frühere Vorstandsvorsitzende sorgt für Diskussionsstoff.

Immun gegen jegliche Kritik. ap

Josef Ackermann

Immun gegen jegliche Kritik.

FrankfurtEs war ein Schock für Mitarbeiter, Analysten und Investoren. Völlig überraschend meldete die Deutsche Bank am vergangenen Mittwoch Abend, dass sie 2015 einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro eingefahren hat. Es war erst das zweite Minus in der langen Geschichte des mächtigsten deutschen Geldhauses. Am nächsten Morgen stürzte die Aktie des Instituts ab und ist jetzt so billig wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht mehr.

Wer ist verantwortlich für die Misere? Der neue Chef John Cryan sieht sich als Sanierer, der die Altlasten aufräumt, die seine Vorgänger hinterlassen haben. Einer davon will aber mit den Problemen der Bank nichts zu tun haben: Josef Ackermann, der das Institut von 2002 bis 2012 führte. In dem Jahrzehnt unter seiner Führung sei die Bank als einzige in Europa in die Spitzengruppe der globalen Investmentbanken vorgestoßen, ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise gekommen und habe in den letzten drei Geschäftsjahren vor seinem Ausscheiden rund 15 Milliarden Euro vor Steuern verdient, verteidigt sich der Schweizer gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“.

Das Leben von Josef Ackermann

Herkunft

Josef ("Joe") Meinrad Ackermann wurde am 7. Febr. 1948 in Walenstadt (Kanton St. Gallen) als Sohn eines Landarztes geboren. Er wuchs mit zwei Brüdern, Karl und Daniel, im nahen Mels im Sarganserland auf.

(Quelle: Munziger.de)

Ausbildung

Von 1967 bis 1973 studierte Ackermann Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fachrichtung Bankwirtschaft) an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen. Anschließend war er dort als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Nationalökonomie tätig. 1977 promovierte er zum Dr. oec. Er ist Oberst der Schweizer Armee.

Start ins Berufsleben

Seine Berufskarriere begann Ackermann 1977 bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), bei der er eine steile und geradlinige Karriere durchlief. Wichtige Stationen seiner Laufbahn waren leitende Funktionen im Corporate Banking in New York, im Bereich Devisenhandel und Treasury in Lausanne und im Investment Banking bei der CS First Boston in London. Zuletzt leitete er den Bereich Multinational Services Schweiz in Zürich.

Berufliche Lebensplanung

Bereits 1990, als 42-Jähriger, rückte er in die Generaldirektion der Schweizerischen Kreditanstalt auf, 1993 wurde er deren Präsident. Als Präsident der SKA, der wichtigsten Tochtergesellschaft der mächtigen Schweizer Bank Credit Suisse (CS), war Ackermann nach CS-Chef Rainer E. Gut die unumstrittene Nummer zwei des Bankkonzerns. U. a. besorgte er die Integration der Schweizerischen Volksbank in die Credit Suisse Group. Dessen ungeachtet verließ A. im Juli 1996 etwas abrupt den Konzern und machte dafür Gründe der beruflichen Lebensplanung geltend, während in der Wirtschaftspresse vermutet wurde, Ackermann habe den Wettbewerb um den Vorsitz der neu strukturierten Credit Suisse Group gegen seinen Konkurrenten Lukas Mühlemann verloren. Ackermann äußerte aber auch Kritik am radikalen Umbau der Bankengruppe CS Holding zur Credit Suisse Group.

Wechsel zur Deutschen Bank

Im Herbst 1996 übernahm Ackermann bei der Deutschen Bank als Vorstandsmitglied zunächst den Geschäftsbereich Kreditrisiken, dann die Bereiche Marktrisiken, Treasury und Volkswirtschaft und schließlich den zukunftsträchtigen Bereich "Globale Unternehmen und Institutionen" (d. h. Großkundengeschäft und Investment Banking), der im Geschäftsjahr 1999 mehr als 60 Prozent zum Konzerngewinn der Deutschen Bank beitrug.

Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Als enger Vertrauter des Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper galt A., der den früheren Bankchef Alfred Herrhausen wiederholt als sein Vorbild nannte, zu diesem Zeitpunkt bereits als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge von Rolf-Ernst Breuer, der im Mai 1997 das Amt des Vorstandssprechers der Deutschen Bank übernommen hatte. Im Sept. 2000 wählte der Vorstand der Deutschen Bank Ackermann überraschend frühzeitig zu seinem künftigen Sprecher mit Wirkung ab Mai 2002. Begleitet von großem Medieninteresse löste Ackermann auf der Hauptversammlung am 22. Mai Breuer als Vorstandschef der Deutschen Bank ab.

Vertragsverlängerung

Am 1. Febr. 2006 verlängerte der Aufsichtsrat Ackermanns Vertrag - nun in der Funktion eines Vorstandsvorsitzenden statt Vorstandssprechers - bis zur Hauptversammlung 2010. Gestärkt ging Ackermann nach Beobachtermeinung auch aus einer Neuordnung von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai 2006 hervor: Nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Rolf-Ernst Breuer übernahm der bisherige Finanzvorstand Clemens Börsig dessen Nachfolge.

Globale Finanzkrise

Insgesamt schrieb Ackermanns Bank im Krisenjahr 2008 erstmals in ihrer Geschichte rote Zahlen und verbuchte einen Verlust in Höhe von 3,8 Mrd. Euro, wobei in erster Linie die Investmentbanking-Sparte die Bilanz mit einem Jahresverlust von 8,5 Mrd. Euro belastete. Ackermann selbst verlor mit einem um 90 Prozent zurückgegangenen Jahresverdienst von 1,4 Mio. Euro seinen Platz als Topverdiener unter den DAX-Vorstandschefs.

Vetragsverlängerung bis 2013

Obwohl er noch bei der Jahrespressekonferenz im Febr. 2009 seinen Abschied für 2010 angekündigt hatte, nahm Ackermann im April 2009 überraschend das Angebot des Aufsichtsrats zur Verlängerung seines Vertrags als Vorstandsvorsitzender um drei Jahre bis 2013 an und beendete damit Spekulationen über den Aufsichtsratschef Clemens Börsig als seinen potenziellen Nachfolger. Im März 2009 hatte das Kontrollgremium eine Verdoppelung des Vorstands auf acht Mitglieder beschlossen. Neu in die Führungsetage gerückt waren dadurch u. a. Koinvestmentbanking-Chef Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen.

Abschied von der Deutschen Bank

Nach einem in den Medien breit kommentierten Machtkampf zwischen Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig um die Nachfolgefrage beschloss der Aufsichtsrat Ende Juli 2011 eine personelle Neuordnung des Vorstands ab Juni 2012, bei der aber nicht Ackermanns Wunschkandidat Ex-Bundesbankchef Axel Weber, der kurz zuvor bei der Schweizer Bank UBS zugesagt hatte, zum Zug kam. Als neue gleichberechtigte Kovorsitzende der Deutschen Bank wurden die beiden Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain ernannt, die von Ackermann allerdings - auch nach ihrer Ernennung - nicht ausdrücklich unterstützt wurden. Legendär wurde in diesem Zusammenhang seine Einschätzung: "Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen", die als Werbung für Weber und Abqualifizierung der internen Kandidaten interpretiert wurde.

Ackermann verabschiedete sich bei der Hauptversammlung am 31. Mai 2012 von der Deutschen Bank. Neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde Paul Achleitner, bisher Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz.

Nach der Deutschen Bank

Nachdem Ackermann auf einen Verbleib bei der Deutschen Bank verzichtet hatte, wurde bald über seinen geplanten Wechsel an die Spitze des Verwaltungsrats des Schweizer Finanz- und Versicherungskonzerns Zurich Financial Services AG, in dem er bereits seit 2010 als Vizepräsident tätig war, berichtet. Bei der Generalversammlung des Konzerns Ende März 2012 wurde Ackermann dann mit 82 Prozess der Stimmen erneut in den Verwaltungsrat des in Zurich Insurance Group AG umbenannten Unternehmens und in das Kontrollgremium der Tochter Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG gewählt und wurde anschließend zum Präsidenten beider Gremien bestimmt.

Ende August 2013 tritt er als Zurich-Präsident zurück, nachdem Finanzchef Pierre Wauthier Selbstmord begangen hatte. In Wauthiers Abschiedsbrief an den Versicherungskonzern wurde Ackermann als einziger Manager namentlich genannt, berichtete ein Insider.

Eine blitzsaubere Bilanz also? In der Deutschen Bank sehen einige das Erbe des Vorstandschefs, der das Geldhaus einst auf ein Renditeziel von 25 Prozent einschwor nicht ganz so rosig.

Tatsächlich war es Ackermann, der den Kurs seiner Vorgänger Hilmar Kopper und Rolf Breuer fortsetzte und das Traditionshaus konsequent auf das Investmentbanking ausrichtete – und das mit Erfolg. Das Geldhaus aus dem eher provinziellen Frankfurt schloss zu den großen Vorbildern in London und New York auf. Gleich zwei Mal durfte Ackermann aus den Händen der britischen Prinzessin Anne den Preis als Bank des Jahres der Fachzeitschrift IFR empfangen, eine Art Oscar der Finanzbranche.

Kommentare (20)

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Herr Tom Schmidt

22.01.2016, 14:02 Uhr

Ich halte es für nicht richtig, dass jetzt auf die Köpfe runterzubrechen.
Tatsache ist, dass damals ein Pilotenspiel betrieben wurde, dass auf dem Aufblasen der Geldmenge basierte. Das Ganze wird teilweise mit Staatshilfe immer noch getan. Dann geht es den entsprechenden Banken gut, wenn das nicht geht, dann haben sie ein Problem.

Zusätzlich schützen die USA ihre Banken, und unsere Regierung macht das was sie immer macht... also nichts. Insofern braucht man da nicht über Strategien nachdenken. eigentlich ist das schrumpfen ja richtig. Wir sollten nur darauf achten, dass wir nicht den anderen das Weiterspielen bezahlen!

Herr Werner Vollmer

22.01.2016, 14:23 Uhr

Ackermann war schon immer ein Turbokapitalist. Eine andere Vision hatte er nicht zu bieten für die Deutsche Bank. Es muss doch einer der früheren Vorstandsriege gewesen sein, oder war es der Staat. Gar der Steuerzahler, das unbekannte Wesen. Denken sie nur an den an den Ein-Mann-Gesellschafter einer Kleinstkapitalgesellschaft. Der haftet für alles voll und bekommt dann noch, bei kleinsten Verfehlungen, die Keule des Strafrechts zu sprüren. Dax Vorstände, welche kein eigenes Kapital für ihr Tun eingesetzt haben, werden bei Verfehlungen vom Rechtsstaat nicht belangt. Offensichtlich habe ich was falsch verstanden im Hinblick auf das GG, " Alle sind vor dem Gesetz gleich"!

Jo Black

22.01.2016, 14:47 Uhr

Der Josef A. hat doch alles richtig gemacht. Er hat für sich persönlich so viel wie möglich aus dem System herausgeholt. Und nur darum geht es. Victory.

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