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04.10.2017

15:02 Uhr

Deutsche Bank

Josef Saubermann

Lange hatte Josef Ackermann zur Entwicklung der Deutschen Bank und zu eigenen Fehlern geschwiegen. Im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ meldet sich der Ex-Chef des größten deutschen Geldhauses jetzt zu Wort.

Der Ex-Chef der Deutschen Bank hat sich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu Wort gemeldet. AP

Josef Ackermann

Der Ex-Chef der Deutschen Bank hat sich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu Wort gemeldet.

FrankfurtDer ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verteidigt sich gegen Vorwürfe seiner Nachfolger, er habe die aktuelle Misere der Bank mit ausgelöst. Ackermann bekannte, dass die vielen Rechtsfälle und Vergleiche, die auf Geschäfte in seiner Zeit zurückgehen, „dem traditionell großen Ansehen der Bank gerade in Deutschland alles andere als zuträglich“ gewesen seien.

„Damit, dass es geschäftlich heute nicht mehr so gut läuft, haben sie jedoch relativ wenig zu tun“, betont er in einem Interview mit der Wochenzeitung „Zeit“. Damit gibt der Vorstandschef die Verantwortung für die Krise zurück an seine Nachfolger. „Sehen Sie sich doch die amerikanischen Wettbewerber an, die um ein Vielfaches höhere Rechtskosten zu schultern hatten! Denen geht es trotzdem wieder blendend.“

Seinen kürzlichen Verzicht auf noch ausstehende Boni gemeinsam mit seinem einstigen Führungsteam will er keinesfalls als Schuldeingeständnis an der Misere der Deutschen Bank gewertet wissen, sondern als Konzession an die Öffentlichkeit. „Wir haben, wie schon damals in der Finanzkrise, erneut einen Solidarbeitrag geleistet“, sagt er der Zeit.

Nach einem jahrelangen erbitterten Streit mit ihrem früheren Arbeitgeber hatten elf ehemalige Vorstände der Deutschen Bank Ende Juli diesen Jahres auf Zahlungen von zusammen 38,4 Millionen Euro verzichtet. Der freiwillige Verzicht bezieht sich auf einen großen Teil der noch nicht ausgezahlten Vergütung der ehemaligen Top-Manager. Zugestanden hätten den Ex-Vorständen zusammen eine Summe von 69,8 Millionen Euro, von denen nun 31,4 Millionen ausbezahlt werden.

Die Deutsche Bank war in den vergangenen Jahren in zahlreiche Skandale verstrickt, die die Gewinne des Geldhauses und mehrere Kapitalerhöhungen immer wieder auffraßen. Alleine seit 2012 musste das Institut fast 15 Milliarden Euro für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten bezahlen.

Von

HB

Kommentare (10)

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Herr Lothar Bitschnau

04.10.2017, 16:19 Uhr

S.g. Hr. Ackermann, Nachfolger und Belegschaft ...
Besitze seit 2007 Dt. Bank Aktien und hab alle möglichen Kapitalerhöhungen mitgemacht. Die Deutsche Bank war einmal (2007) rund 78 Mrd. € an der Börse wert, hat dannach in 6 Kapitalerhöhungen 32,9 Mrd. € eingesammelt und ist heute an der Börse 29,5 Mrd. € wert.
2016 war das einzige Jahr in dem das Management und der größere Teil der Belegschaft auf Boni verzichtete.
Da ist noch nichts stimmig gegenüber den Aktionären.
.. und auch mit keiner kleinen Verzichtsaktion aufzuwiegen!

Herr Peter Spiegel

04.10.2017, 16:51 Uhr

Der Herr Ackermann war der letzte fähige DB Häuptling, danach kamen die Versager.
Immer der weg ist hat Schuld, wie lächerlich diese Plagen.

Herr Paul Kersey

04.10.2017, 16:53 Uhr

Sehr sehr bedenklich finde ich die Geschäftsethik eines Herrn Ackermann. Er mag Recht haben mit der Feststellung, dass der aktuell wirtschaftlich schlechte Zustand der Bank nicht allein ihm angelastet werden kann, sondern auch seinen Nachfolgern.
Dass ein Unternehmen innerhalb von 5 Jahren aber zu 15 Mrd. Dollar Strafe verknackt wird und somit ja wohl der Gedanke nahe liegt, dass es sich um eine verbrecherische Organisation handelt, die geführt wurde von Managern mit krimineller Energie, kommt ihm überhaupt nicht in den Sinn. Wahrscheinlich wundert er sich auch darüber, dass Alfred Herrhausen Ziel eines RAF Terroranschlags war.

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