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11.09.2013

13:02 Uhr

Deutsche Bank klärt Nachfolgedebatte

Nicht ohne meinen Fitschen

Nun ist es offiziell: Die Doppelspitze der Deutschen Bank soll Deutschlands größtes Kreditinstitut bis 2017 weiter führen. Jürgen Fitschen darf sich über eine frühzeitige Vertragsverlängerung als Co-Chef von Jain freuen.

Co-Chef Jürgen Fitschen: Sein Vertrag läuft nun bis März 2017. AFP

Co-Chef Jürgen Fitschen: Sein Vertrag läuft nun bis März 2017.

FrankfurtDie Deutsche Bank wird auch in den nächsten vier Jahren von einer Doppelspitze geführt. Der Vertrag von Co-Chef Jürgen Fitschen werde um zwei Jahre bis 2017 verlängert, teilte die Bank am Mittwoch in Frankfurt mit. Darauf habe sich der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats verständigt. Fitschens Vertrag lief zunächst nur bis Frühling 2015. Normalerweise werden Verträge erst ein Jahr vor Ablauf neu verhandelt. Der Vertrag von Co-Chef Anshu Jain, der seit Juni 2012 zusammen mit dem 65-jährigen Fitschen an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus steht, läuft ohnehin bis 2017.

Mit der Entscheidung will das Institut zeigen, dass es Lehren aus der zähen Debatte um die Nachfolge von Ex-Chef Josef Ackermann gezogen hat, wie es in Finanzkreisen heißt. Die Diskussionen hatten sich damals viele Monate hingezogen, für Spannungen innerhalb der Bank gesorgt und dem Ansehen des Geldhauses geschadet.

Die Vertragsverlängerung bedeutet jetzt Stabilität, die das Geldhaus nach den Erschütterungen durch zahlreiche Skandale bitter nötig hat, urteilt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe. „Zudem ist es Fitschen gelungen, sich trotz einiger Rückschläge als integrer Banker zu positionieren“, heißt es. Und: „Solange der Umbau noch nicht vollende ist, tut die Bank gut daran, an der Doppelspitze festzuhalten.“

Die Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Doppelspitze

Anshu Jain und Jürgen Fitschen lösen Josef Ackermann auf dem Chefposten der Deutschen Bank ab. Die bisherigen Vorstandssprecher und -vorsitzenden im Überblick:

Hermann Josef Abs (1957-1967):

Der gelernte Banker handelt 1952 das Londoner Schuldenabkommen aus, das die deutsche Wirtschaft im Ausland wieder glaubwürdig macht. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.

Franz Heinrich Ulrich (1967-1976) und Karl Klasen (1967-1969):

Die erste Doppelspitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.

Friedrich Wilhelm Christians (1976-1988) und Wilfried Guth (1976-1985):

Christians gilt als „Außenpolitiker“ und Vorreiter der Annäherung an die Sowjetunion. Die Deutsche Bank finanziert 1970 das bis dahin größte Ost-West-Handelsgeschäft: Mannesmann-Röhren für Gasleitungen gegen sowjetisches Erdgas. 1985 erzielt die Bank eine Milliarde Mark Gewinn durch Zerlegung und Verkauf der Flick-Gruppe.

Alfred Herrhausen (1985-1989):

Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.

Hilmar Kopper (1989-1997):

Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.

Rolf-Ernst Breuer (1997-2002):

Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.

Josef Ackermann (2002-2012):

Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2012-?):

Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernehmen als gleichgestellte Vorstandschefs das Ruder bei Deutschlands größter Bank.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner erklärte, Fitschen und Jain hätten „gemeinsam“ um die Erneuerung des Vertrags für Fitschen gebeten. Die Manager hätten erklärt, „ihre ausgezeichnete partnerschaftliche Zusammenarbeit auch in den kommenden Jahren fortsetzen“ zu wollen. Dies sei „das richtige Signal für unser Haus sowie die Finanzindustrie“. Jain und Fitschen hätten die Deutsche Bank bereits „mit zahlreichen unternehmerischen Entscheidungen in die richtige Richtung gebracht“.

Fitschen und Jain erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie wollten die Leitung des Vorstands der größten privaten Geschäftsbank Deutschlands „als Partner fortsetzen“. Es sei das Ziel, die Deutsche Bank „als eine der weltweit führenden Universalbanken im Interesse aller Interessengruppen zu positionieren“.

Kommentare (1)

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banker

11.09.2013, 13:16 Uhr

Eigentlich kann es nur besser werden mit diesen beiden Bossen.

Ackermann war eben ein Falke und ein durchtriebener Typ, der vor keiner Schweinerei Halt gemacht hat. Es kann nur besser werden und man kann nur hoffen, dass die Deutsche Bank wieder zu deutschen Idealen an Rechtschaffenheit zurück kehrt. Vielleicht schafft man es mit einem Big-Boss, der aus eine jüngeren Generation kommt, die offensichtlich auch schon mal nachdenken, bevor sie handeln.

Nachhaltigkeit könnte das neue Stichwort heißen.

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