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02.10.2016

07:36 Uhr

Deutsche Bank

Kleine Panne in der großen Krise

VonMichael Maisch

Deutschlands größtes Geldhaus kommt nicht zur Ruhe. Probleme mit der Technik verärgern am Wochenende einige Kunden – als ob die Ereignisse der Woche nicht schlimm genug wären. Die Vergangenheit holt die Bank wieder ein.

Die Verhandlungen über eine US-Strafe sind für die Bank extrem wichtig. AP

Deutsche Bank in Frankfurt

Die Verhandlungen über eine US-Strafe sind für die Bank extrem wichtig.

Frankfurt„Erst hatten wir kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu.“ Dieser Spruch stammt eigentlich vom ehemaligen Fußallprofi, Jürgen „die Kobra“ Wegmann. Aber so ähnlich dürfte sich auch John Cryan, der Vorstandschef der Deutschen Bank, nach dieser Woche fühlen.

Zu den Gerüchte um Staatshilfen, dem dramatische Kurssturz an der Börse plus anschließender Erholung und dem massiven Angriff von Hedgefonds auf das wichtigste heimische Geldhaus kommt jetzt nach Informationen des Handelsblatts auch noch eine neue IT-Panne. „Kunden können nicht auf ihr Guthaben zugreifen, da dieses gesperrt ist“, beschwerte sich am Samstagmorgen eine Kundin beim Handelsblatt. Und: Ich bin fassungslos, kann keine Wochenendeinkäufe tätigen, da ich weder Bargeld erhalte noch mit Karte bezahlen kann.“ Die Bank betont, dass es sich dieses Mal nur um eine kurze Panne gehandelt habe und nur wenige Kunden betroffen gewesen seien. Unangenehm ist die Sache trotzdem. Denn die Pannen häufen sich.

Erst vor anderthalb Wochen gab es stundenlange Verzögerungen im Online-Banking bei der Anzeige der Girokonten-Umsätze und im Juni konnten etliche Kunden kein Geld abheben. In vielen Fällen wurden im Online-Banking Einzahlungen und Abbuchungen doppelt angezeigt oder gar nicht abgebildet. Wahrscheinlich sind es solche Pannen, die John Cryan meinte, als er kurz nach seinem Amtsantritt von den „lausigen Systemen“ der Bank sprach.

Seine Liebe zur Musik scheint sich Cryan aber auch von der fehleranfälligen IT und dem harten Kampf der Bank um das Vertrauen der Märkte nicht verderben zu lassen. Der Vorstandschef verbrachte die dramatische Woche nach Informationen der „Bild am Sonntag“ in den USA wo er am Montag „Tristan und Isolde“ den Saisonauftakt in der Metropolitan Opera besuchte. Aus der Bank heißt es dazu, die Bank sei Sponsor und Cryan sei mit Kunden dort gewesen.

Aus den USA droht der Deutschen Bank derzeit der größte Ärger. Unmittelbarer Auslöser der dramatischen Kursausschläge ist die Strafandrohung von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) mit der das US-Justizministerium die Verhandlungen über einen Vergleich für dubiose Hypothekengeschäfte eröffnet hat. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner das Bundeskanzleramt und das Bundesfinanzministerium mit einem spätabendlichen Telefonanruf gewarnt, bevor die Deutsche Bank Mitte September eine Pflichtmitteilung über die drohende Milliardenstrafe in den USA veröffentlichte. Nach dem die Summe von 14 Milliarden Dollar öffentlich wurde und durch Medienberichte Gerüchte um eine Rettung durch den Staat aufkamen, war der Aktienkurs der Bank massiv eingebrochen. Das Bundesfinanzministerium musste dementieren, dass bereits an einem konkreten Auffangplan für das Frankfurter Geldhaus gearbeitet werde.

Nach einer turbulenten Woche war der Kurs der Bank am Freitag unter die kritische Marke von zehn Euro gefallen, konnte sich aber wieder stabilisieren, nachdem die US-Hypothekenstrafe nach unbestätigten Spekulationen nun bei lediglich 5,4 Milliarden Dollar liegen soll. Das ist viel mehr als die Bank hofft zahlen zu müssen, aber eben auch deutlich weniger als die maximal angedrohte Summe – daher zeigten sich Anleger erleichtert.

Nach den jüngsten Milliardenstrafen gegen Unternehmen in Europa und den USA wächst einem Zeitungsbericht zufolge in der Union die Sorge vor einem transatlantischen Wirtschaftsstreit. „Was wir derzeit erleben, hat wirtschaftskriegsähnliche Züge“, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer, der „Welt am Sonntag“ laut Vorabbericht. In den USA gebe es eine lange Tradition, jeden Anlass für handelskriegsähnliche Scharmützel zu nutzen, wenn das der eigenen Wirtschaft nutze. Damit seien erpresserische Schadensersatzforderungen verbunden, wie das im Fall der Deutschen Bank zu sehen sei. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sagte, Konflikte zwischen den USA und der EU würden wegen der Überprüfung von Steuerdeals - etwa bei Apple, Amazon und McDonald's - schon lange schwelen. Die Strafe gegen die Deutsche Bank mute wie eine Retourkutsche an.

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