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08.10.2015

10:50 Uhr

Deutsche Bank kürzt Boni

Diese Visitenkarten sind jetzt weniger wert

VonLaura de la Motte

Der neue Co-Chef der Deutschen Bank schreibt Milliarden ab und kündigt einen Rekordverlust an. Das werde auch Einfluss auf die Boni der Mitarbeiter haben. Was die Beschäftigten erwartet.

Rekordverluste bei Deutscher Bank

So räumt Cryan die Bilanz auf

Rekordverluste bei Deutscher Bank: So räumt Cryan die Bilanz auf

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FrankfurtSchock oder Genugtuung – der jüngste Brief von Co-Chef John Cryan dürfte die Belegschaft spalten. Weil die Bank im dritten Quartal einen Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro verbuchen muss, sollen nicht nur die Dividende gekürzt oder gestrichen, sondern auch die Boni gesenkt werden.

„Die Abschreibungen und der Dividendenvorschlag, die wir heute bekannt gegeben haben, werden sich zu einem gewissen Teil auch in den bevorstehenden Entscheidungen über die Höhe der variablen Vergütung für 2015 widerspiegeln“, schrieb Cryan am späten Mittwochabend in einem Brief an die Mitarbeiter, den die Bank auf ihrer Website veröffentlichte. Die Aktionäre erwarten „zu Recht, dass die Mitarbeiter einen Teil der Belastung tragen“, so Cryan weiter.

Analysten zum Rekordverlust der Deutschen Bank

Ingo Speich, Fondsmanager Union Investment

„Der Schritt zeigt, dass Cryan der richtige Mann für die Restrukturierung der Bank ist. Er treibt die materielle Aufarbeitung der Krise weiter voran. Personell ist die Krise dagegen noch nicht aufgearbeitet, im Top-Management gab es bisher nur sehr wenige Veränderungen. Ich erwarte, dass Personen ausgetauscht werden, die für die Fehler der Vergangenheit verantwortlich sind.“

Ingo Speich

„Die Ankündigung zum jetzigen Zeitpunkt, dass die Dividende für 2015 ausfallen könnte, ist vor allem ein Signal nach innen – gerade im Hinblick auf die Bonus-Verhandlungen im Herbst. Wenn es Einschnitte für die Aktionäre gibt, müssen sich auch die Mitarbeiter mit weniger zufrieden geben – insbesondere die Investmentbanker. Das wäre ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen.“

Atif Latif, Analyst bei Guardian Stockbrockers

„Da die Nachrichten nun draußen sind, hängt viel davon ab, ob das Management die Furcht zerstreuen kann, ob sie ihre Ziele erreichen. Wenn sie bei ihrem Strategie-Ausblick am 29. Oktober liefern, hat die Aktie Aufwärtspotenzial.“

Zeg Choudhry, Analyst bei Lontrad

„Wann immer ein Unternehmen reinen Tisch macht, hilft es, die Verunsicherung zu beseitigen. Wenn sie keine Dividende zahlen, bedeutet dies, einen Schritt zurückzugehen um voranzukommen. Der Markt könnte dies als guten Schachzug werten. Auf lange Sicht ist dies eine gute Sache. Sie bewahren ihr Kapital und das hilft dabei, die Bilanz zu stärken.“

Huw van Steenis, Analyst bei Morgan Stanley

„Die Abschreibungen und Rückstellungen der Deutschen Bank sind ein erster kathartischer Schritt. Wir erwarten eine signifikante Restrukturierung, da der Verkauf von Geschäftsbereichen nicht ausreichend erscheinen, um die eigenen Kapitalziele zu erreichen.“ Zudem müsse mit weiteren Abschreibungen auf die Postbank und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten gerechnet werden.

Philipp Häßler, Analyst bei Equinet

„Das ist eindeutig eine negative Überraschung, obwohl die Abschreibungen auf die Postbank und Hua Xia mehr oder weniger erwartet wurden. Positiv ist allerdings, dass die Kapitalisierung der Deutschen Bank mit einer harten Kernkapitalquote von elf Prozent solide bleibt. Das bedeutet, dass wir keine größere Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung sehen.“

Amit Goel, Analyst bei Exane BNP

„Die Dividendenkürzung haben wir nicht erwartet. Die wichtigste Ankündigung war aber diejenige, die nicht gemacht wurde. Der Konzern hat keine Kapitalerhöhung angekündigt. Die Aktien werden sich wohl kaum positiv entwickeln, bis am 29. Oktober die vollständigen Ergebnisse und Details zur Geschäftsstrategie veröffentlicht werden.“

Jon Peace, Analyst bei Nomura

„Wenn Firmenchef John Cryan Anleger davon überzeugen kann, dass eine Kapitalerhöhung vermieden werden kann, erwarten wir eine Erholung der Aktien. Nachdem die 'schlechten Nachrichten' nun draußen sind, sehen wir Kurspotenzial, wenn die Details zur Firmenstrategie gut ankommen.“

Mohamed Souidi, Analyst bei Credit Suisse

„Die Vorwegnahme dieser Verluste kann als Zeichen interpretiert werden, dass das Management den Verkauf der Postbank vorantreiben und bestimmter bei den strategischen Entscheidungen sein will.“

Der Nachfolger von Anshu Jain betonte, es sei noch keine Entscheidung über das Ausmaß der Bonuskürzung gefallen: „Wir werden die Diskussion darüber erst beginnen, wenn wir eine bessere Einschätzung haben, wie sich letztendlich das Ergebnis der Bank für das Gesamtjahr darstellen wird.“

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Lieber sanieren als Luftschlösser bauen: Der neue Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, schafft Fakten. Und die sind schmerzhaft für das deutsche Geldhaus. Doch der Härtetest kommt erst Ende des Monats.

Doch viele Hoffnungen dürfen sich die Bonusempfänger nicht machen. Denn Cryan schrieb, dass er sich „persönlich dafür einsetzen werde, einen fairen Ausgleich zwischen Mitarbeiter- und Aktionärsinteressen zu finden.“ Also: sinkt die Dividende, sinken auch die Boni.

Die Aktionäre zeigten sich am Donnerstagvormittag zufrieden mit der Ankündigung. Die Abschreibungen ließen eine weitere Kapitalerhöhung der Deutschen Bank unwahrscheinlicher werden – das gab dem Aktienkurs Auftrieb.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

08.10.2015, 11:06 Uhr

Was soll´s. Wer im Investmentbanking richtig Geld machen will, vor allem auch ohne sich von irgendwelchen Beamtenheinis in irgendwelchen komischen Behörden gehaltsmäßig reglementieren oder innerhalb des eigenen Hauses ins Geschäft reinquatschen zu lassen, der muss sich sowieso auf eigenen Füßen stellen und mit eigenem Kapital auf eigene Rechnung arbeiten. Entweder mit eigenem Handelsbuch (oder noch besser seinen eigenen Hedgefonds aufmachen).

Joe hat uns jedenfalls allen gezeigt, wie das geht.

Account gelöscht!

08.10.2015, 11:09 Uhr

Was soll´s. Wer im Investmentbanking richtig Geld machen will, vor allem auch ohne sich von irgendwelchen Beamtenheinis in irgendwelchen komischen Behörden gehaltsmäßig reglementieren oder innerhalb des eigenen Hauses ins Geschäft reinreden/quatschen zu lassen, der muss sich sowieso auf eigenen Füßen stellen und mit eigenem Kapital auf eigene Rechnung arbeiten. Entweder mit eigenem Handelsbuch (oder noch besser seinen eigenen Hedgefonds aufmachen).

Joe hat uns jedenfalls allen gezeigt, wie das geht. Wie man(n) mit Geld, Geld verdient.

Herr aus NRW

08.10.2015, 11:10 Uhr

Bei den letzten Kommentaren zum Artikel "Verlust Deutsche Bank" wurden Anmerkung gepostet, dass zum Thema Merkel und Flüchtlinge nicht kommentiert werden darf. Dies alles ist auch schnell verschwunden.....Zensur auf höchstem Niveau. Pfui!

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