Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.05.2012

16:32 Uhr

Deutsche-Bank-Manager

Fitschen warnt vor Euro-Austritt Griechenlands

VonFrank Matthias Drost

Für Jürgen Fitschen läuft die Debatte über Griechenland in die falsche Richtung. Es müsse darüber gesprochen werden, wie das Land in der Eurozone bleiben kann. Fitschen hat sich in Athen selbst ein Bild verschafft.

Jürgen Fitschen will, dass Griechenland in der Eurozone bleibt. dapd

Jürgen Fitschen will, dass Griechenland in der Eurozone bleibt.

BerlinDer designierte Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat vor einer gefährlichen Logik in der Debatte um den Verbleib Griechenlands in der Währungsunion gewarnt. Seit ein paar Wochen ginge es bei Marktteilnehmern und einigen politischen Führern scheinbar nicht mehr darum, ob Griechenland in der Eurozone bleibe, sondern nur noch um den Zeitpunkt, wann das Land sie verlasse.

„Das ist gefährlich“, sagte Fitschen am Freitag auf einer Veranstaltung in Berlin, kurz nachdem er von einer Reise aus Athen zurückgekommen war. „Wir sollten nicht darüber sprechen, wie wir den Exit Griechenlands organisieren, sondern wie wir den Verbleib des Landes in der Eurozone sicherstellen können“, so der Manager.

Nach wie vor hätten die Griechen kein Vertrauen in die politische Führung. Wenn sich die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands verstetigen sollten, hätte das einen Sturm auf die Schalter der griechischen Banken zur Folge. Diese Entwicklung wäre nicht ohne Einfluss auf andere Staaten und müsse verhindert werden. Andererseits sei klar, dass Griechenland nicht mehr Hilfen für sich reklamieren könne, wenn die eigene Bevölkerung ihr Geld abziehe. Angeblich sollen es 200 Millionen Euro täglich sein.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Otmar Issing

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

Fitschen hat sich am Donnerstag in Athen Informationen aus erster Hand besorgt. Er traf Vertreter von Banken, Unternehmen und der Schiffsindustrie. Er habe bei seinen zahlreichen Gesprächen keinen Griechen getroffen, der die Eurozone verlassen möchte. Nach seinen Erfahrungen seien die Bilder, die die Medien über Griechenland transportierten, nicht ausgewogen.

„Es gibt sie, die Spitzenunternehmer, die beispielsweise in der Schifffahrt im vergangenen Jahr einen Gewinn von 15 Milliarden erzielten und einen 20-prozentigen Weltmarktanteil in dieser Branche für sich reklamieren“, so Fitschen. Wahrscheinlich liege der Erfolg dieser Branche daran, dass der Staat kaum Möglichkeiten habe, in diesem Weltmarkt einzugreifen, vermutete Fitschen mit einem Augenzwinkern.

Griechenland sei ein gescheiterter Staat. Es habe ihn nachdenklich gestimmt, dass seine Gesprächspartner höchstens eine Handvoll politischer Führer nennen konnten, denen ein Ausweg aus der Krise zugetraut werde. Die neue Regierung müsse den Mut haben, alte Zöpfe abzuschneiden und den Weg für Reformen freizumachen.

Die verkrusteten Strukturen wären ein Haupthindernis, um die Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Das wäre auch der Schlüssel, um Wirtschaftswachstum zu generieren. „Ich kritisiere nicht die Menschen, ich kritisiere das System“, so Fitschen.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

red

25.05.2012, 16:41 Uhr

Eine Lobbyantwort - genau wie die von Sorros. Da sieht man mal wie jeder grade im Moment wettet. Spannend wirds wer gewinnt und ob es danach wieder systemrelevante Verlierer mit Mrd. Verlusten gibt.

Genug_vom_Euro

25.05.2012, 16:51 Uhr

Die Frage sollte eigentlich sein, wann Deutschland aus dem Euro austritt, um nicht weiter in einen Schuldensumpf ohne Boden hineingezogen zu werden!

Thomas

25.05.2012, 17:10 Uhr

„Das ist gefährlich“ sagte Fitschen. Genau, gefährlich für sein und der anderen Bankster Boni ! Man sollte immer genau das Gegenteil von dem tuen was die Zecken empfehlen, dann ist es garantiert besser für die europäischen Völker.

„Es gibt sie, die Spitzenunternehmer, die beispielsweise in der Schifffahrt im vergangenen Jahr einen Gewinn von 15 Milliarden erzielten und einen 20-prozentigen Weltmarktanteil in dieser Branche für sich reklamieren“. Da meint der Herr wohl primär die griechischen Reeder, die von der Steuer befreit sind und Nullkommanichts zur griechischen Volkswirtschaft beitragen.
Also soviel lobbyistischen Bull..t gab's schon länger nicht zu lesen !!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×