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29.09.2012

08:33 Uhr

Deutsche Bank

Mehr Ehrgeiz als Ackermann?

VonPeter Köhler

Offiziell will das neue Führungsduo der Deutschen Bank keine Gewinnprognose bekannt geben. Analysten zufolge peilen Fitschen und Jain aber mehr Gewinn an, als Ex-Chef Ackermann.

Ein Führungsduo mit Ambitionen. Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain. dapd

Ein Führungsduo mit Ambitionen. Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain.

FrankfurtDas neue Führungsduo aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen will sich von seinem Vorgänger an der Spitze der Deutschen Bank abheben und bescheidener auftreten. Der Schweizer Josef Ackermann hatte in der Spätphase seiner Amtszeit noch das ambitionierte Ziel ausgegeben, zehn Milliarden Euro vor Steuern in einem Geschäftsjahr zu erwirtschaften. Doch am Ende musste er das Ziel seiner „Management-Agenda“ wieder einkassieren, die Finanzkrise machte ihm 2011 einen Strich durch die Rechnung.

Jain und Fitschen wollen sich offiziell nicht auf eine solche Wette einlassen, sie haben lediglich eine Rendite nach Steuern von zwölf Prozent für 2015 angepeilt - absolute Zahlen haben sie sich nicht entlocken lassen. Doch Aktienanalysten bleiben hartnäckig und rechnen an ihren Modellen.

Dabei kommen die Experten von Barclays in einer aktuellen Einschätzung zu einem verblüffenden Resultat: Jain und Fitschen sind auf dem besten Weg, den Konzerngewinn über die alte Messlatte von Ackermann zu hieven. Die Analysten Jeremy Sigee und Kiri Vijayarajah von Barclays Research für europäische Banken kommen in ihrer Schätzung auf einen Vorsteuergewinn von 13 Milliarden Euro für 2015. Der ist „vergleichbar mit den zehn Milliarden, auf die Ackermann zielte“, erläutern sie dem Handelsblatt.

Die Analysten leiten ihre Prognose sowohl vom Zwölf-Prozent-Renditeziel als auch von den Gewinnbeiträgen der vier Kerngeschäftsfelder ab: Demnach wird das Segment Zahlungsverkehr 2,4 Milliarden beisteuern, das Privatkundengeschäft 3,0 Milliarden Euro und die Vermögensverwaltung 1,7 Milliarden. Die einzelnen Beiträge addieren sich auf 7,1 Milliarden Euro. Diese Zahlen hat die Deutsche Bank selbst prognostiziert.

Für das volatile Investment-Banking - dem früheren Gewinnmotor des größten deutschen Geldhauses - hatte es bei der Präsentation auf dem „Investor Day“ am 11. September als einzigem Bereich aber keine Gewinnzahlen für 2015 gegeben. Die Barclays-Analysten setzen hier sechs Milliarden Euro vor Steuern ein. Diese Zahl leiten sie ab aus dem Renditeziel von 15 Prozent für das Investment-Banking 2015 und einer Kapitalbasis von 27 Milliarden Euro.

Als Folge der Analyse empfiehlt Barclays, die Deutsche-Bank-Aktie überzugewichten. Die Analysten setzten das Kursziel kräftig auf 42 von zuvor 31 Euro herauf. Gestern kostete die Aktie in der Spitze 31,19 Euro und damit gut anderthalb Prozent mehr als am Vortag.

Die Analysten von Barclays sind mit ihrer Schätzung nicht allein. Ein erfahrener deutscher Analyst erwartet im Jahr 2015 für das Investment-Banking einen Vorsteuergewinn von sieben Milliarden Euro und zwölf Milliarden für den Gesamtkonzern. Auch das läge über dem alten Ackermann-Ziel. Allerdings will sich der Analyst nicht zitieren lassen und spricht von einer „sehr groben Schätzung“.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte die Ergebnisse der Analysten gestern nicht kommentieren. Er verwies auf die Äußerungen von Jain auf der Strategie-Pressekonferenz, wo vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanzkrise keine Gewinnprognose für den Konzern abgegeben wurde.

Noch am Mittwoch war die Aktie der Deutschen Bank um 6,5 Prozent eingeknickt. Zuvor hatte Jain auf einer Investorenkonferenz die Kosten für den Abbau von risikogewichteten Vermögenswerten auf einmalig 500 Millionen Euro veranschlagt. Zudem verwies er auf geteilte Meinungen der Investoren bezüglich einer Kapitalerhöhung: Die Altaktionäre lobten den Kurs des Managements, die Kapitaldecke über einbehaltene Gewinne und den Abbau von Risikoaktiva zu stärken. Investoren, die günstig einsteigen wollten, seien dagegen für eine Kapitalmaßnahme.

Kommentare (1)

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Alfred_Neumann

29.09.2012, 12:23 Uhr

Das liegt doch auf der Hand. Andere Banken sind viel profitabler und ein nicht zu unterschätzender Teil der Aktien der Deutschen Bank befindet sich in Händen der eigenen Investbanker, für die dies ein wichtiges Investment ist, das Gewinn tragen muss.

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