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07.12.2012

14:53 Uhr

Deutsche Bank

Mögliche Milliarden-Trickserei alarmiert Aufsichtsrat

Die Deutsche Bank soll während der Finanzkrise Verluste verschleiert haben. Das behaupten Ex-Mitarbeiter, einer bekennt sich öffentlich als Whistleblower. Jetzt befassen sich offenbar die Aufseher mit den Vorwürfen.

Die Deutsche Bank in Schieflage: Das Management muss sich wegen Bilanztrickserei gegenüber dem Aufsichtsrat rechtfertigen. AFP

Die Deutsche Bank in Schieflage: Das Management muss sich wegen Bilanztrickserei gegenüber dem Aufsichtsrat rechtfertigen.

FrankfurtNeu aufgeflammte Vorwürfe der Bilanztrickserei haben Insidern zufolge den Aufsichtsrat der Deutschen Bank alarmiert. Die Aufseher wollten Antworten vom Management, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

Die Vorwürfe aus den Zeiten der Finanzkrise seien zwar alt und im Grundsatz bekannt. Doch das Ausmaß, über das in dieser Woche in Medien berichtet worden war, sei neu. Ein anderer Insider sagte, der Aufsichtsrat wolle sich mit dem Thema bei seiner nächsten Sitzung befassen. Dies werde voraussichtlich erst Ende Januar der Fall sein.

Nach Medienbericht: Deutsche Bank dementiert Vertuschung von Miliardenverlust

Nach Medienbericht

Deutsche Bank und die Staatshilfe

Einem Bericht zufolge vertuschte das Institut Milliardenverluste – die Bank dementiert.

Neuer Chef-Kontrolleur ist seit dem Sommer der frühere Allianz-Vorstand Paul Achleitner, der Deutschlands größtem Geldhaus einen Kulturwandel verordnet hat und derzeit auch die Aufarbeitung des Skandals um Zinsmanipulationen vorantreibt.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den jüngsten Entwicklungen nicht äußern. Die Vorwürfe der Bilanztrickserei hatte die Bank in dieser Woche zurückgewiesen. Sie gehen auf die ersten Jahre der Finanzkrise zurück: Ehemalige Mitarbeiter beschuldigen das Institut, damals Milliarden an Buchverlusten nicht ausgewiesen zu haben. Dadurch habe sich die Bank, die unter ihrem damaligen Chef Josef Ackermann ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen ist, schöngerechnet. Ackermann hatte einmal gesagt, es wäre eine Schande, wenn die Deutsche Bank Gelder des Staates in Anspruch nehmen müsste.

Die Klage-Chronik der Deutschen Bank – Teil 1

Diverse Klagen

Mutmaßliche Bilanztricksereien, Hypothekenklagen, Zinsmanipulationen, der Kirch-Streit - die Deutsche Bank muss noch eine ganze Reihe von potenziell sehr teuren Altlasten aufarbeiten. Eine Übersicht über die Vorwürfe und Verfahren seit Anfang 2011, von denen einzelne bereits abgeschlossen sind.

22. März 2011

Der Bundesgerichtshof gibt der Deutschen Bank eine schallende Ohrfeige: Sie muss an einen hessischen Mittelständler mehr als eine halbe Million Euro Schadenersatz zahlen. Diesen Betrag hatte der Kläger mit einem komplizierten Zinsswap-Geschäft verloren, das die Bank nach Auffassung des BGH „bewusst zulasten des Anlegers“ konstruiert hatte. In der Folge einigt sie sich mit zahlreichen Kommunen und Unternehmen nach Angaben von Anwälten auf Vergleiche.

13. April 2011

In den US-Untersuchungen zur Rolle der Wall Street in der Finanzkrise erhebt ein Senatsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und Goldman Sachs. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, umstrittene Finanzprodukte aufgelegt zu haben. Sie habe unter anderem einen milliardenschweren verbrieften Hypothekenkredit (CDO) namens „Gemstone 7“ geschnürt und verkauft, bevor der Markt abstürzte. Dabei habe der zuständige Händler gewusst, dass das Paket minderwertige Assets enthalte.

29. April 2011

Die EU-Wettbewerbshüter knöpfen sich den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) vor, mit denen sich Investoren und Spekulanten gegen Pleiten von Staaten und Firmen absichern. Die Kartellermittlungen richten sich gegen 16 Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen (2013) wird von den deutschen Häusern zunächst nur die Commerzbank vom Haken gelassen.

4. Mai 2011

Die Deutsche Bank bestätigt, dass die Stadt Los Angeles eine Klage gegen das Institut im Zusammenhang mit umstrittenen Zwangsräumungen eingereicht hat. Die Bank sei über Tochterunternehmen einer der größten „Slumlords“ der Millionenmetropole, heißt es in der Klageschrift, die Entschädigungszahlungen von mehreren hundert Millionen Dollar nach sich ziehen könnte. Sie habe Hunderte Anwesen verfallen lassen und Menschen zu Unrecht aus ihrem Heim vertrieben. Nach Angaben des Instituts wurde die Klage inzwischen abgewiesen. Ob die Stadt in Berufung geht, ist aber weiterhin offen.

2. September 2011

Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) verklagt 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte, darunter die Deutsche Bank. Die Behörde wirft ihnen vor, beim Verkauf von mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren falsche Angaben gemacht zu haben. Der Klageschrift zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht - davon entfallen mehr als 14 Milliarden auf die Deutsche Bank. Das Geldhaus weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.

5. September 2011

Laut „Financial Times“ nehmen britische Behörden von der Deutschen Bank und anderen Instituten zusammengestellte Wertpapiere wegen Betrugsverdachts unter die Lupe. Die Untersuchung des Serious Fraud Office soll Beweise dafür liefern, dass die Banken ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren in Großbritannien falsche Informationen geliefert hätten. Die Ermittlungen sind schwierig, da die Behörde den Instituten Betrugsabsicht nachweisen müsse.

14. November 2011

Die Staatsanwaltschaft München lässt Vorstandsbüros und die Rechtsabteilung im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess durchsuchen. Gegen den damaligen Vorstandschef Josef Ackermann werde wegen des Verdachts auf Prozessbetrug ermittelt. Auch gegen den damaligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ex-Vorstandschef Rolf Breuer und den früheren Personalchef Tessen von Heydebreck werde ermittelt. Die Bank und die Betroffenen halten die Beschuldigungen für haltlos und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig.

19. November 2011

Die Pleite der US-Finanzfirma MF Global hat für die Deutsche Bank ein juristisches Nachspiel. Zwei US-Pensionsfonds verklagen Abteilungen des Frankfurter Instituts sowie sechs weiterer Geldhäuser, die MF bei der Erstellung von Anleihe-Angeboten unterstützt haben. Die Kläger werfen ihnen vor, in den Prospekten Probleme verschwiegen zu haben, die zum Kollaps des Brokerhauses geführt haben. Mit der Klage nehmen die Fonds finanzstarke Institute ins Visier, um ihre Verluste nach dem MF-Global-Zusammenbruch auszugleichen.

21. Dezember 2011

Sechs Händler werden wegen eines 230 Millionen Euro schweren Umsatzsteuerkarussells mit CO2-Verschmutzungszertifikaten in Frankfurt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Handel wurde über die Deutsche Bank abgewickelt. Unter den 170 Beschuldigten im Visier der Staatsanwaltschaft sind auch sieben Mitarbeiter der Bank. Gegen sie gibt es noch keine Anklagen, die Bank hat aber 310 Millionen Euro Umsatzsteuerforderungen aus dem CO2-Handel abgeschrieben.

Reuters hatte erstmals Mitte 2011 über die Vorwürfe berichtet. Grund der neuen Aufregung war nun ein Bericht der „Financial Times“, es gehe um verschleierte Verluste von bis zu zwölf Milliarden Dollar. Das Blatt beruft sich auf drei ehemalige Mitarbeiter, die sich an US-Regulierer wie die Börsenaufsicht SEC gewandt hätten.

Konkret geht es um hochkomplexe Wertpapiere in einem bis zu 130 Milliarden Dollar schweren Derivateportfolio des Instituts, das mittlerweile weitgehend abgebaut worden ist. Wenn das Institut diese Papiere damals korrekt nach Marktwerten bilanziert hätte, wären die Ergebnisziele nicht erreicht worden, erklärte die Kanzlei Labaton Sucharow, die den ehemaligen Risikoanalysten Eric Ben-Artzi vertritt. Laut „FT“ hätte die Bank möglicherweise sogar Staatshilfe nehmen müssen.

Kommentare (1)

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Mazi

10.12.2012, 13:47 Uhr

So kann man sich täuschen.

M.E. Liegt das Problem da, dass weder Abschlussrüfer, noch Aufsictsrat, noch die BaFin in der Lage sind Milliarden Euros als Schieflage nicht zu merken.

Allein die Tatsache, dass des jetzt durchaus für möglich gehalten wird, lässt ein Frage der Sinnhaftigkeit einer Bankenaufsicht in Frage stellen. BASEL hin BASEL her, die aufsichtsrechlichen Vorschriften sind, wie das Bespiel zeigt, zum Schutz des Finanzmarktes absolut ungeeignet. Eine Erkenntnis, die bei dem Gedanken der Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht, nicht außen vor bleiben kann.

Wenn wir in der Diskussion system- und nicht systemrelevanten Banken unterscheiden wollen, dann kommt bei dem Gedanken zur Schaffung einer europäischen Aufsicht die gleiche Überlegung zu. Die Besonderheit, die zu berücksichtigen ist, ist die, dass keine der nationalen Aufsichtsbehörden sich rühmlich abgehoben hat, um hier prägend zu wirken.

Wenn man keinen Plan für eine sachlich korrekte Bankenaufsicht hat, macht es auch keinen Sinn, sich zu beeilen. Eine Bankenaufsicht zu etablieren, die wieder eingerissen werden muss, um sie aufzubauen, kann keine politisch sinnvolle Strategie sein. Demzufolge kann es in den hektischen Bewegungen in diesem Thema nicht um Bankenaufsicht zu gehen.

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