Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.06.2015

17:35 Uhr

Deutsche Bank

Moody's kritisiert Blitz-Abgang von Jain und Fitschen

VonYasmin Osman

Die Börse mag den Abgang von Anshu Jain und Jürgen Fitschen gefeiert haben – die Ratingagentur Moody's findet das Stühlerücken an der Spitze der Deutschen Bank nicht lustig. Sie kritisiert den Vorgang ungewohnt offen.

Die Ratingagentur Moody's kritisiert, dass sich für die beiden scheidenden Co-Chefs der Deutschen Bank kein interner Nachfolger fand. ap

Anshu Jain und Jürgen Fitschen

Die Ratingagentur Moody's kritisiert, dass sich für die beiden scheidenden Co-Chefs der Deutschen Bank kein interner Nachfolger fand.

FrankfurtDie Ratingagentur Moody’s hat den plötzlichen Führungswechsel bei der Deutschen Bank scharf kritisiert: „Der abrupte Wechsel im Management ist negativ für die Anleihebesitzer “, schreibt die Ratingagentur. Das unterstreiche die Dringlichkeit und die Schwierigkeit, das Institut umzubauen.

Unter den gegebenen Umständen erscheine John Cryan, der Nachfolger für die glücklosen Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen, zwar als vernünftige Wahl. „Doch das Unvermögen, sofort einen internen Kandidaten als Nachfolger für den Vorstandsvorsitz zu benennen, deutet auf eine nicht angemessene Pipeline an Führungspersönlichkeiten hin.“

Das sind ungewohnt deutliche Worte für die Bonitätswächter, die normalerweise eher Zahlen und Fakten analysieren und weniger auf Personen fokussieren. Dass Moody’s dem Führungswechsel einen eigenen Kurzkommentar widmet, zeigt, mit welcher Nervosität die Profis an den Finanzmärkten das Geschehen beim größten deutschen Kreditinstitut mittlerweile verfolgen - und wie schlecht die Deutsche Bank dabei abschneidet.

Moody’s begründet die Kritik am Führungswechsel mit den Auswirkungen, die das auf die Umsetzung der neuen Strategie haben kann: Einen externen Kandidaten zu berufen, sei riskanter als die Berufung eines Insiders, auch wenn es sich bei dem Insider um einen Aufsichtsrat handle, argumentiert die Ratingagentur. Der Wechsel erhöhe daher die Unsicherheit mit Blick auf die erfolgreiche Umsetzung der neuen Strategie.

Die internationale Presse zum Deutsche-Bank-Umbau

„Neue Zürcher Zeitung“ (Schweiz)

Will man einen Teich trockenlegen, sollte man besser nicht die Frösche um Rat fragen. Diese alte Weisheit scheint der Aufsichtsrat der Deutschen Bank befolgt zu haben, als er am Sonntag John Cryan zum neuen operativen Chef der Bank gewählt hat. Aufräumen muss ein Neuer, einer, der sowohl innerhalb der Bank wie auch außerhalb, bei Aktionären und in der Öffentlichkeit, glaubwürdig für frischen Wind sorgen kann. Cryan erfüllt dieses Kriterium zumindest insofern, als er nicht dem Investment-Banking-Sumpf der Deutschen Bank entstammt. Auf ihn kommt viel Arbeit zu, denn der Teich, der die „Deutsche“ in Verruf gebracht hat, ist noch nicht trockengelegt - die meisten Frösche sind noch da.

„Times“ (Großbritannien)

Mitten im Kampf der Deutschen Bank, eine Fülle von Skandalen zu bereinigen, sind ihre unter Druck stehenden Co-Vorstandschefs unerwartet von ihren Posten zurückgetreten. Nach Spekulationen an den Märkten könnte dieser plötzliche Führungswechsel bei der Bank, die zu den weltweit größten Investment-Häusern gehört, durch wachsenden Druck globaler Aufsichtsgremien und Investoren ausgelöst worden sein, die für eine neue Führung plädierten, um Vertrauen zurückzugewinnen.

„Jyllands-Posten“ (Dänemark)

Die Deutsche Bank war in den letzten Jahren von einer Reihe von äußerst unangenehmen Fällen geplagt. Einige davon hatten die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei ihrer Ernennung im Jahr 2012 übernommen, andere kamen seitdem hinzu, aber fast keiner von ihnen wurde gelöst. Zur gleichen Zeit ähnelte die Aktienentwicklung der Bank in den vergangenen drei Monaten der Fieberkurve eines schwer kranken Patienten.

„Svenska Dagbladet“ (Schweden)

Anshu Jain, der für den Investment-Banking-Bereich zuständig ist, wurde zum Sündenbock für große Einschnitte gemacht und in Deutschland heftig kritisiert. Gleichzeitig wurde Jürgen Fitschen in den Skandal um die Mediengruppe Kirch 2002 verwickelt.

„Corriere della Sera“ (Italien)

Zu viele Finanzskandale, zu viele bezahlte Strafen, schwaches Vertrauen der Investoren, stockende Kurse an der Börse: Am Ende haben sie bei der Deutschen Bank entschieden, dass ein kompletter Wandel nötig ist. Und dafür bezahlen müssen die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. (...) Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Wahl des neuen Chefs auf John Cryan gefallen ist, der mehr Kontrolleur als Geschäftsmann ist.

„El País“ (Spanien)

Eine Serie von Skandalen beschleunigt die Wachablösung an der Spitze der Deutschen Bank. Die beiden Chefs des größten deutschen Geldinstituts kündigen überraschend ihr Adiós an.

„Hospodarske Noviny“ (Tschechien)

Zu dem Wechsel auf den höchsten Posten kommt es nur einen Monat, nachdem die Hauptversammlung eine neue Strategie gebilligt hatte. Deren Ziele sind es, den Gewinn und die Rendite des eingesetzten Kapitals zu erhöhen. Denn in den zurückliegenden Jahren sah es mau aus.

Das kann auch Folgen für die Bonitätsnote haben: Die Deutsche Bank sei eine „sich entwickelnde credit story“: „Die Qualität der strategischen Ausführung wird größtenteils Änderungen in der Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank beeinflussen“, schreiben die Kreditanalysten.

„Die Hürden, denen Mr. Cryan im Hinblick auf Stärkung und Stabilisierung der Profitabilität gegenübersteht, sind im Grunde die gleichen, vor denen die Herren Fitschen und Jain standen“, urteilen die Ratingwächter. Der Erfolg werde davon abhängen, wie hoch die verbliebenen Kosten für Regulierung, Rechtsstreitigkeiten und Altlasten ausfallen und wie sich 3,7 Milliarden Euro einsparen lassen, ohne die Geschäftsbasis zu beschädigen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sergio Puntila

09.06.2015, 18:21 Uhr

Moody's sollte sich um seine eigenen Zahlen kümmern statt auf dicke Wurst zu machen.

Herr michael c.

09.06.2015, 21:15 Uhr

So ist es. Und um die Zahlen der Deutschen Bank sollen sich die Politiker kümmern, da sie-wie alle anderen Banken- de Facto staatlicher Unternehmer ist...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×