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20.03.2012

09:31 Uhr

Deutsche Bank

Neue Schranken bei Spekulationen auf Nahrungsmittel

Die Deutsche Bank will keine Anlagen mehr emittieren, die auf Nahrungsmittel spekulieren. Das Institut reagiert damit auf Kritik von Verbraucherschützern. Grundsätzlich verteidigt die Bank den Handel mit Getreide jedoch.

Der Handel mit Derivaten auf Nahrungsmittel reduziere Preisschwankungen und sorge so für Sicherheit, so die Deutsche Bank. dpa

Der Handel mit Derivaten auf Nahrungsmittel reduziere Preisschwankungen und sorge so für Sicherheit, so die Deutsche Bank.

FrankfurtDie Deutsche Bank will sich bei Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen fürs erste zurückhalten. In ihrem „Corporate Responsibility Report“ kündigte Deutschlands größte Bank am Dienstag an, im laufenden Jahr keine neuen, an der Börse gehandelten Anlageprodukte zu emittieren, die auf dem Handel mit landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Getreide oder auf Wetten auf die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln basierten.

Die Deutsche Bank reagiert damit auf die Kritik von Verbraucherschützern. Die Organisation „Foodwatch" hatte ihr eine Mitschuld am weltweiten Hunger gegeben, weil Spekulation die Preise für Nahrungsmittel auch in armen Ländern nach oben treibe. Einen vollständigen Ausstieg aus der Agrar-Spekulation lehnt die Deutsche Bank bisher ab. Die Entscheidung sei aber nur ein Zwischenstand der Analyse, die der scheidende Vorstandschef Josef Ackermann im Oktober angestoßen hatte. Ein finaler Bericht soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

„Mit Besorgnis verfolgt auch die Deutsche Bank, dass immer wieder Menschen unter Nahrungsmittelknappheit leiden müssen", hieß es in dem Zwischenbericht. Doch stritten sich die Experten, ob wirklich die Spekulanten Schuld an teureren Nahrungsmitteln hätten. „Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann." Das wiederum liege am Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt, steigenden Einkommen und der Nutzung der Anbauflächen für Bio-Treibstoffe.

Die Deutsche Bank verteidigte grundsätzlich den Handel mit Derivaten auf Getreide und anderen Pflanzen für die Produktion von Nahrungsmitteln. Er ermögliche die Absicherung von Preisen und reduziere Preisschwankungen. Das schaffe auch Sicherheit für längerfristige Investitionen in Infrastruktur und Anbau-Technik. Die Bank unterstütze aber Bemühungen der größten 20 Industrie- und Schwellenländer, den Handel stärker zu regulieren und für mehr Transparenz am Markt zu sorgen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Klare_Kante

20.03.2012, 12:23 Uhr

Nahrungsmittelspekulation gehört weltweit verboten. Punkt.

MW65719

20.03.2012, 13:43 Uhr

@Klare_Kante:
Nur ist nicht jedes Termingeschäft mit Nahrungsmitteln gleich reines Gezocke. Ein Brotfabrikant, der die Preise für seinen Jahresbedarf an Getreide über Termingeschäfte absichert, "spekuliert" natürlich gegen unerwartete Preiserhöhungen / ein Getreidehändler, der sich über den Terminverkauf von Getreide gegen einen Preisverfall am Markt ansichert (und als Folge den Bauern, die ihn beliefern, einen stabilen Abnahmepreis bieten kann), spekuliert natürlich gegen den Getreidepreis.
Aber ohne diese Termingschäfte müssten z.B. Getreidebauern mit starken (z.B. auch wetterabhängigen) Schwankungen ihres Einkommens leben. Termingeschäfte, Optionen und andere Derivate dienen - richtig angewendet - also durchaus der Reduzierung von Risiken, nicht der wilden Zockerei.
Insofern sind Pauschalaussagen wie die Ihre absolut fehl am Platz.

Account gelöscht!

20.03.2012, 15:49 Uhr

Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt! Die Initiative handle-fair.de protestiert dagegen!

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