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25.04.2016

12:53 Uhr

Deutsche-Bank-Prozess

Co-Chef Fitschen reagiert erleichtert auf Freispruch

Das Landgericht München hat den Co-Chef der Deutschen Bank vom Vorwurf des Prozessbetrugs freigesprochen. Auch die anderen Angeklagten sind unschuldig. Fitschen ist schon auf dem Weg ins Büro.

Deutsche-Bank-Prozess

Sichtlich erleichterterJürgen Fitschen: „Ich bin froh über das Ende“

Deutsche-Bank-Prozess: Sichtlich erleichterterJürgen Fitschen: „Ich bin froh über das Ende“

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MünchenDas Verfahren wegen Prozessbetrug gegen amtierende und Ex-Top-Manager der Deutschen Bank hat mit einem Freispruch geendet. Richter Peter Noll verkündete den Beschluss am Montagvormittag am Münchener Landgericht. Auch die anderen Angeklagten wurden freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft habe nicht beweisen können, dass die fünf angeklagten Manager in einem Schadenersatzprozess des früheren Medienmagnaten Leo Kirch ein anderes Gericht belogen haben, urteilte die Strafkammer. „Die Tatvorwürfe haben sich nicht bestätigt“, sagte Noll.

Angesichts der Betrugsvorwürfe habe aber durchaus Anlass für die Ermittlungen und für das Gerichtsverfahren bestanden. Das Gericht folgte mit seinem Urteil den Anträgen der Verteidigung. Die Anklage hatte Freiheitsstrafen gefordert und sich eine Revision vor dem Bundesgerichtshof vorbehalten. Es sei noch nicht sicher, ob man Revision einlege, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde am Montag. „Jetzt müssen wir uns überlegen, ob wir in eine weitere Instanz gehen.“ Die Staatsanwaltschaft hatte Freiheitsstrafen gefordert. „Ob wir jetzt bei unserer Bewertung bleiben, das müssen wir uns überlegen“, sagte der Sprecher.

Traditionell hebt der BGH Urteile der Vorinstanzen nur selten wieder auf. In einem Revisionsverfahren sammelt das oberste Bundesgericht keine neuen Beweise, sondern klärt lediglich, ob das Landgericht rechtlich sauber gearbeitet hat.

Die Angeklagten im Deutsche-Bank-Prozess

Jürgen Fitschen (67)

Eigentlich sollte der gebürtige Niedersache aus dem Dörfchen Harsefeld-Hollenbeck bei Stade den väterlichen Bauernhof übernehmen. Stattdessen beackert er einen Weltkonzern. 1987 kam Fitschen zur Deutschen Bank, 2001 rückte der Manager dort zum ersten Mal in den Vorstand auf. Im Juni 2012 wurde er Co-Chef - an der Seite des Investmentbankers Anshu Jain. Jain wurde nach glücklosen Jahren inzwischen abgelöst, Fitschen behält seinen Job noch bis zur Hauptversammlung in diesem Mai. Kurz nach seinem Antritt an der Konzernspitze hatte Fitschen dem von Skandalen geschüttelten Frankfurter Finanzriesen einen „Kulturwandel“ verordnet - doch der langjährige Firmenkundenchef der Deutschen Bank musste einsehen, dass die Altlasten größer sind als erwartet.

Josef Ackermann (68)

Fitschens Vorgänger hat Erfahrung mit spektakulären Gerichtsverfahren: Der Mannesmann-Prozess zwang den Schweizer von Januar 2004 an, sein Büro zeitweise mit der Anklagebank zu tauschen. Erst nach fast drei Jahren stellte das Düsseldorfer Landgericht den Prozess um Untreue bei der Zahlung üppiger Prämien im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch den Mobilfunkriesen Vodafone gegen Geldauflagen ein. Zu Beginn des Prozesses entstand ein legendäres Foto: Ackermann reckte zwei Finger seiner rechten Hand zum Victory-Zeichen empor. Das Siegeszeichen des Bankers wurde als Symbol für Arroganz interpretiert. Ob Millionengehalt oder deutliche Kritik an der Finanzlage Griechenlands - der Manager eckte häufig an. In der Finanzkrise räumte der erste Ausländer auf dem Chefsessel der Deutschen Bank (2002-2012) Fehler seiner Branche ein. Die Bank besenrein an seine Nachfolger zu übergeben, gelang Ackermann nicht.

Rolf-E. Breuer (78)

Es waren nur wenige Sätze, die der damalige Chef der Deutschen Bank Anfang 2002 in ein Reportermikrofon sprach. Breuer zweifelte in dem kurzen Gespräch mit Bloomberg TV, das am 4. Februar 2002 veröffentlicht wurde, die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs an. Dessen Medienkonzern ging wenig später unter. Zeitlebens machte Kirch dafür Breuer und die Deutsche Bank verantwortlich. Fast in Vergessenheit geriet über die Dauerfehde, dass Breuer für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt steht. Nachdem er 1997 das Ruder übernommen hatte, baute er gegen Widerstände das Investmentbanking aus. Von 2002 bis 2006 war Breuer Aufsichtsratschef der Bank. Freiwillig ging er nicht - Schuld war auch die Causa Kirch.

Clemens Börsig (67)

Schon mit sechs Jahren bekam Börsig sein erstes Wertpapier: Eine Schiffspfandobligation mit einem Acht-Prozent-Kupon, erworben für 100 D-Mark bei der Volksbank seiner badischen Heimatstadt Achern. Später wachte er als Finanzvorstand (2001 bis 2006) und Aufsichtsratschef (Mai 2006 bis Mai 2012) über das Zahlenwerk der größten deutschen Bank. Dort bekam Börsig viel Gegenwind: Ein Banker, so fanden Kritiker, sei aus dem Quereinsteiger nie geworden. 1999, nach 22 Berufsjahren in der Industrie (Mannesmann, Bosch, RWE), kam er zur Deutschen Bank. Bei der Regelung der Ackermann-Nachfolge holperte es: Im ersten Anlauf 2009 fand Börsig als Aufsichtsratschef keinen Kandidaten - und schlug sich kurzerhand selbst vor. Der Aufsichtsrat verlängerte aber lieber Ackermanns Vertrag. Mit Ackermanns Abtritt Ende Mai 2012 machte auch Börsig den Weg frei für einen Neuanfang.

Tessen von Heydebreck (71)

Ein Urgestein der Deutschen Bank: 32 Jahre lang war von Heydebreck für die Deutsche Bank tätig, seit 1994 als Vorstandsmitglied. Ende Mai 2007 schied der damalige Personalchef aus Altersgründen aus dem Führungsgremium aus, blieb der Bank aber zunächst als Vorsitzender der Deutsche-Bank-Stiftung treu. In seiner aktiven Zeit zählte von Heydebreck zu den Architekten der „Deutschen Bank 24“, die ab Herbst 1999 die weniger betuchten Privatkunden betreuen sollte. Das Projekt wurde zum Symbol für eine Zwei-Klassen-Kundschaft, nur drei Jahre später machte die Deutsche Bank die Ausgliederung des Privatkundengeschäfts rückgängig.

Fitschen: „Ich bin den Rest des Tages in meinem Büro“

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, reagierte erleichtert auf das Ende des Strafprozesses. „Sie können sich vorstellen, wie froh ich bin, dass der Prozess nach einem Jahr zum Ende gekommen ist“, sagte er nach der eineinhalbstündigen Urteilsbegründung. Er habe stets gesagt, dass er die Wahrheit gesagt habe. Der Prozess sei eine Belastung für ihn gewesen. Eine Pause hatte Fitschen nach dem Urteilsspruch aber nicht geplant. „Ich fliege gleich nach Frankfurt und bin den Rest des Tages in meinem Büro“, sagte er auf dem Weg aus dem Gerichtssaal.

Fitschen und vier frühere Topmanager des Instituts hatten zuvor die Anklagevorwürfe erneut zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft folge einem „unzutreffenden, von Unterstellungen und Spekulationen geleiteten Bild“, so der mitangeklagte Ex-Chef der Bank, Josef Ackermann.

Ackermann äußerte sich als einziger Angeklagter ausführlicher in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung. Fitschen und die übrigen Angeklagten sagten lediglich, sie schlössen sich den Worten ihrer Verteidiger an. Diese hatten bereits vor einer Woche auf Freisprüche plädiert.

Für Fitschens Anwalt Hanns Feigen ist das Verfahren der zweite große Sieg in wenigen Wochen. Er hatte auch für den Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking einen Freispruch erstritten in einem Verfahren wegen des Verdachts der Marktmanipulation. (Hier lesen Sie ein Porträt Hanns Feigens).

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

25.04.2016, 11:03 Uhr

Freut mich ganz besonders für Joe. Immerhin hatte er die Dt. Bank seinerzeit zu einem Global Player im Investmentbanking mit internationalen Know-how und Standing gemacht der in der gleichen Liga für Champions wie Goldman, JP Morgan und Citi mitgespielt hat. Die Spitzenposition die der " Neue " gerade komplett demontiert.

Unter Ackermann (und Anshu) als Chef war es für jeden Mitarbeiter dort in dem Bereich eine Ehre arbeiten zu dürfen. Und man hatte die beste Zeit seines Lebens in den beruflichen Anfangsjahren gehabt um für eben jenes zu lernen und top-fit gemacht zu werden.

Herr Marc Otto

25.04.2016, 11:24 Uhr

Gwerade in Zeiten, wo ein erbitterter Wirtschaftskireg zwischen Amerika und Deutschland tobt (s. Volkswagen) freut es mich ganz besonders, dass wenigstens die deutschen Richter zu uns und unseren Managern halten.

Ein Sieg für die Gerechtigkeit

Herr Peter Noack

25.04.2016, 12:11 Uhr

Wo ist denn der Beweis, dass es keine Absprachen gegeben hat? Das war doch gar kein Gegenstand der Verhandlung. Die Anklage konnte so eine Absprache nur nicht beweisen, Freispruch mangels Beweis, ist Freispruch dritter Klasse und erlaubt keine weitere verantwortliche Funktion und Position mehr im Finanzwesen.
Das ist schon alles. Die Bank hat keine Maniulation ausgelassen und dafür Milliarden bezahlt. Das ist jedoch kein Schuldeingeständnis.
Das Gericht spricht Recht, nicht Gerechtigkeit, Bei der nächsten Manioulation muss die Banklizenz entzogen werden. Na und: Gründet man eben eine neue.
Dieses System ist durch und durch Korrupt und nicht reformierbar.

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