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29.11.2015

14:16 Uhr

Deutsche-Bank-Prozess

Fitschen muss noch häufiger vor Gericht

Der Terminkalender von Jürgen Fitschen wird noch voller: Der Co-Chef der Deutschen Bank muss noch häufiger vor Gericht erscheinen. Das Verfahren um versuchten Prozessbetrug im Fall Kirch soll bald zum Abschluss kommen.

Der Co-Chef muss sich vor dem Landgericht München verantworten – jetzt sogar zwei Mal pro Woche. Reuters

Jürgen Fitschen

Der Co-Chef muss sich vor dem Landgericht München verantworten – jetzt sogar zwei Mal pro Woche.

MünchenDer Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, muss in den kommenden Wochen noch häufiger auf der Anklagebank im Münchner Landgericht Platz nehmen als bislang. Bis Weihnachten haben die Richter drei zusätzliche Verhandlungstage angesetzt, um den Mammutprozess um versuchten Prozessbetrug im Fall Kirch nach sieben Monaten Dauer bald zum Abschluss zu bringen. Bislang mussten Fitschen und die anderen Angeklagten nur jeden Dienstag ins Gericht – in dieser und zwei weiteren Wochen im Dezember steht nun auch noch der Montag im Terminkalender.

In dem Verfahren muss sich Fitschen zusammen mit seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weiteren Angeklagten wegen versuchten Prozessbetrugs verantworten. Alle fünf sollen vor vier Jahren in einem Verfahren um Schadenersatz für die Pleite des Medienkonzerns Kirch Richter betrogen haben. Fitschen und die anderen Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück.

Der letzte Prozesstermin ist bislang für Mitte Januar geplant. Der Richter hatte aber die Hoffnung geäußert, noch vor Weihnachten fertig zu werden.

Ziele der Deutschen Bank

Die „neue” Deutsche Bank

Kleiner, schlanker, sicherer: So sieht die Deutsche Bank in fünf Jahren nach den Vorstellungen ihres neuen Vorstandschefs John Cryan aus. Die aufgeblähte Bilanz soll schrumpfen - auch auf Kosten des Gewinns. Der Brite hat die „Strategie 2020”, die er von seinem Vorgänger Anshu Jain geerbt hatte, noch kräftig umgemodelt. Deutschlands größtes Geldhaus trägt nun Cryans Handschrift. Die Sparten werden komplett neu zugeschnitten, die Ziele teilweise vorgezogen.

Quelle: Reuters

Eigenkapitalrendite

Cryan bleibt bei dem auf zehn Prozent nach Steuern eingedampften Renditeziel, legt sich aber nun darauf fest, dass es bis 2018 erreicht werden soll. Jain hatte vage nur von einem „mittelfristigen” Ziel gesprochen. Die vorher angepeilten zwölf Prozent Eigenkapitalrendite hatte die Bank nie erreicht.

Kapitaldecke

Cryan schraubt die Zielmarke für die harte Kernkapitalquote auf 12,5 Prozent nach oben - „damit wir nicht mehr den Erwartungen von Regulatoren und den Märkten hinterherlaufen”. Jain hatte elf Prozent für ausreichend gehalten, zuletzt stand die Bank bei 11,5 Prozent.

Bilanzrisiken

Fast ein Viertel der bilanziellen Risiken sollen bis 2020 verschwinden – auch auf Kosten der Erträge. Aus 408 Milliarden Euro Risiko sollen dann 310 Milliarden werden. Das Gros leisten die Abspaltung der Postbank und der Verkauf des Anteils an der chinesischen Hua Xia. Doch unter dem Strich bleiben mehr als 400 Milliarden Euro an Risiken in der Bilanz – wegen schärferer Regeln für deren Bewertung, die zu einem Plus von rund 100 Milliarden Euro führen.

Verschuldungsquote

Bei der sogenannten Leverage Ratio ist die Bank mit 3,6 Prozent am weitesten von ihrem Ziel entfernt. Bis 2020 soll das Eigenkapital fünf Prozent der Bilanzsumme ausmachen. Das dürfte bis dahin die von den Aufsehern geforderte Mindestquote sein. Der einzige Weg dorthin ist der Abbau der aufgeblähten Bilanz: 170 Milliarden Euro sollen herausgeschnitten werden, vor allem die Postbank stört.

Kosten

Milliardenschwere Einsparziele hat sich die Deutsche Bank schon häufig gesetzt. Doch unter dem Strich blieb davon meistens wenig übrig. Das will Cryan ändern: Von brutto 3,8 Milliarden Euro, die er einsparen will, sollen eine bis 1,5 Milliarden bleiben. Insgesamt soll die Kostenbasis von zuletzt 23,8 Milliarden auf weniger als 22 Milliarden Euro schrumpfen. Doch der Umbau wird zunächst einmal bis zu 3,5 Milliarden Euro verschlingen.

Arbeitsplätze

Bei der Deutschen Bank sollen 2018 nur noch 77.000 Menschen arbeiten. Ende 2015 sind es voraussichtlich noch 103.000. 14.000 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, an anderer Stelle sollen zugleich 5000 Stellen aufgebaut werden. Um 20.000 Stellen schlanker wird die Bank durch den Börsengang der Postbank und den Verkauf anderer, kleinerer Töchter. Darüber hinaus braucht die Bank 6000 Mitarbeiter weniger, die bisher für sie arbeiten, aber bei externen Dienstleistern angestellt sind. Insgesamt sind das bisher rund 30.000.

Ursprünglich waren für das Verfahren nur Termine bis September geplant. Die Staatsanwaltschaft hatte aber in mehreren Beweisanträgen die Vernehmung etlicher weiterer Zeugen beantragt. Auch an den beiden Verhandlungstagen in dieser Woche sind Zeugen geladen. In den Vernehmungen geht es immer wieder um die Frage, welche Pläne die Deutsche Bank hatte, als der Medienunternehmer Leo Kirch 2002 mit seinem Konzern vor der Pleite stand. Kirch war bis zu seinem Tod überzeugt davon, dass die Bank und ihr damaliger Vorstandschef Breuer ihn 2002 absichtlich in die Pleite gedrängt haben, um an der Zerschlagung seines Unternehmens Geld zu verdienen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Vorwürfe gegen die Angeklagten am vergangenen Prozesstag nochmals bekräftigt und ihnen „Lügenmärchen“ vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Bank damals Interesse an einem Beratungsauftrag von Kirch hatte, um die Umstrukturierung des Unternehmens zu begleiten.

Im Zivilprozess um Schadenersatzforderungen von Kirch gegen die Deutsche Bank vor dem Münchner Oberlandesgericht 2011 hatte Breuer hingegen gesagt, es habe keine derartigen Pläne gegeben. Damit wollte er aus Sicht der Ankläger Richter täuschen und Schadenersatzforderungen abwehren. Auch die anderen vier Angeklagten sollen sich der Staatsanwaltschaft zufolge nach einem gemeinsamen Tatplan an dem versuchten Prozessbetrug beteiligt haben.

Von

dpa

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