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10.03.2016

12:53 Uhr

Deutsche-Bank-Prozess

Friedenspfeife? Nein, danke!

VonKerstin Leitel

Der Deutsche-Bank-Prozess in München zieht sich. Ein vorzeitiges Ende ist nicht in Sicht. Das ist bitter für die Angeklagten, denn die hatten gehofft, dass der Prozess schon viel früher zu Ende gehen würde.

Weitere Verhandlungstermine wurden festgelegt. dpa

Jürgen Fitsch. Co-Chef der Deutschen Bank

Weitere Verhandlungstermine wurden festgelegt.

MünchenIm Deutsche-Bank-Prozess sind die Fronten verhärtet. In den vergangenen Tagen seien verschiedene Telefonate und Gespräche zwischen den Prozessbeteiligten geführt worden, berichtete der Vorsitzende Richter Peter Noll zu Beginn des 30. Verhandlungstages im Münchener Gericht. Aber es sei um juristische Details gegangen, „eine Verständigung war weder Gegenstand noch Ziel der Besprechung“. Sprich: Die Staatsanwaltschaft und die fünf Angeklagten, Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck, wollen den Prozess bis zum Ende durchziehen und auf ein Urteil warten.

Den Angeklagten wird von der Staatsanwaltschaft Prozessbetrug vorgeworfen. Die Manager sollen sich vor fünf Jahren abgesprochen haben, um bei einem früheren Verfahren das Münchener Oberlandesgericht zu täuschen und Schadenersatzforderungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch abzuwehren.

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (I)

Erträge

33,5 Milliarden Euro.

Zinsunabhängige Aufwendungen

38,7 Milliarden Euro.

Jahresergebnis

6,8 Milliarden Euro Verlust nach Steuern.

Harte Kernkapitalquote

11,1 %.

Verschuldungsquote

3,5%.

Auch am Donnerstag versucht die Staatsanwaltschaft, ihre Vorwürfe durch einen neuen, umfangreichen Beweisantrag zu untermauern. Zahlreiche Mails und Unterlagen verlas Staatsanwalt Stephan Necknig um das Gericht zu überzeugen.

Dabei schreckt die Staatsanwaltschaft nicht davor zurück, auf kleinste Details einzugehen. Aber ein früher gestellter Antrag, eine Mail der Angeklagten offiziell übersetzen zu lassen, ging dem Richter dann doch zu weit. „Pls Print“ las der die Mail vor. Um das zu verstehen, sei er „der englischen Sprache ausreichend mächtig: bitte ausdrucken“.

Die Staatsanwaltschaft gab sich damit zufrieden - kündigte aber umgehend an, ihre umfangreichen Beweisanträge an den kommenden Verhandlungstagen um weitere Punkte zu ergänzen.

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (II)

Erträge aus Corporate Banking & Securities

14,2 Milliarden Euro.

Erträge aus Private & Business Clients

8,9 Milliarden Euro (nach Wertminderung von 0,7 Milliarden Euro auf die Beteiligung der Huaxia Bank).

Erträge aus Global Transaction Banking

4,6 Milliarden Euro.

Erträge aus Deutsche Asset & Wealth Management

5,4 Milliarden Euro.

Wertminderung auf Geschäfts- oder Firmenwert

5,8 Milliarden Euro.

Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten

5,2 Milliarden Euro.

Restrukturierung/Abfindungen

1,0 Milliarden Euro.

Angesichts dessen mussten weitere Verhandlungstermine festgelegt werden. Bis Mitte April wurden bereits Termine vereinbart, nun rückte der 28. April in den Blick des Richters. An dem Tag einen Verhandlungstag festzusetzen „hat ja einen gewissen Charme“, sagte Noll, schließlich sei das der Jahrestag: Genau ein Jahr zuvor hatte der Prozess begonnen. „Stellen wir eine Kerze auf“, schlug der Richter vor. Ein Scherz, der bei den Angeklagten nicht gut ankam. Sie hatten gehofft, dass der Prozess schon viel früher zu Ende gehen würde.

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