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26.04.2016

15:15 Uhr

Deutsche-Bank-Prozess

Münchener Staatsanwaltschaft legt Revision ein

Der Deutsche-Bank-Prozess könnte in die nächste Runde gehen. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Wie es weitergeht, wird allerdings erst die schriftliche Urteilsbegründung zeigen.

Noch müssen Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen und die ehemaligen Manager Ackermann und Breuer bangen. Die Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt. dpa

Deutsche-Bank-Prozess

Noch müssen Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen und die ehemaligen Manager Ackermann und Breuer bangen. Die Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt.

Die Staatsanwaltschaft München hat bereits gestern Revision gegen das Urteil des Landgerichts München eingelegt. Nun wird die schriftliche Urteilsbegründung des Gerichts abgewartet, um zu sehen, ob an der Revision festgehalten wird. Das Gericht hat für die schriftliche Urteilsbegründung mehrere Wochen Zeit. Eine Revision jedoch muss innerhalb einer Woche nach dem Urteilsspruch beim Gericht einlaufen. Eine Rücknahme des Antrags ist aber möglich.

Gestern wurden Jürgen Fitschen und die früheren Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer und Josef Ackermann vom Vorwurf der Prozessmanipulation freigesprochen. Am Ende habe sich in der gigantischen Datenmenge von einem Terabyte an Akten nicht die kleinste Notiz gefunden, die einen Komplott gegen den Medienunternehmer Leo Kirch belegen würde. Doch an der Rechtmäßigkeit des Prozesses ließ Richter Peter Noll in seiner Begründung der Freisprüche für Fitschen, die früheren Bank-Chefs Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie zwei weitere Ex-Vorstände keinen Zweifel.

Die Angeklagten im Deutsche-Bank-Prozess

Jürgen Fitschen (67)

Eigentlich sollte der gebürtige Niedersache aus dem Dörfchen Harsefeld-Hollenbeck bei Stade den väterlichen Bauernhof übernehmen. Stattdessen beackert er einen Weltkonzern. 1987 kam Fitschen zur Deutschen Bank, 2001 rückte der Manager dort zum ersten Mal in den Vorstand auf. Im Juni 2012 wurde er Co-Chef - an der Seite des Investmentbankers Anshu Jain. Jain wurde nach glücklosen Jahren inzwischen abgelöst, Fitschen behält seinen Job noch bis zur Hauptversammlung in diesem Mai. Kurz nach seinem Antritt an der Konzernspitze hatte Fitschen dem von Skandalen geschüttelten Frankfurter Finanzriesen einen „Kulturwandel“ verordnet - doch der langjährige Firmenkundenchef der Deutschen Bank musste einsehen, dass die Altlasten größer sind als erwartet.

Josef Ackermann (68)

Fitschens Vorgänger hat Erfahrung mit spektakulären Gerichtsverfahren: Der Mannesmann-Prozess zwang den Schweizer von Januar 2004 an, sein Büro zeitweise mit der Anklagebank zu tauschen. Erst nach fast drei Jahren stellte das Düsseldorfer Landgericht den Prozess um Untreue bei der Zahlung üppiger Prämien im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch den Mobilfunkriesen Vodafone gegen Geldauflagen ein. Zu Beginn des Prozesses entstand ein legendäres Foto: Ackermann reckte zwei Finger seiner rechten Hand zum Victory-Zeichen empor. Das Siegeszeichen des Bankers wurde als Symbol für Arroganz interpretiert. Ob Millionengehalt oder deutliche Kritik an der Finanzlage Griechenlands - der Manager eckte häufig an. In der Finanzkrise räumte der erste Ausländer auf dem Chefsessel der Deutschen Bank (2002-2012) Fehler seiner Branche ein. Die Bank besenrein an seine Nachfolger zu übergeben, gelang Ackermann nicht.

Rolf-E. Breuer (78)

Es waren nur wenige Sätze, die der damalige Chef der Deutschen Bank Anfang 2002 in ein Reportermikrofon sprach. Breuer zweifelte in dem kurzen Gespräch mit Bloomberg TV, das am 4. Februar 2002 veröffentlicht wurde, die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs an. Dessen Medienkonzern ging wenig später unter. Zeitlebens machte Kirch dafür Breuer und die Deutsche Bank verantwortlich. Fast in Vergessenheit geriet über die Dauerfehde, dass Breuer für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt steht. Nachdem er 1997 das Ruder übernommen hatte, baute er gegen Widerstände das Investmentbanking aus. Von 2002 bis 2006 war Breuer Aufsichtsratschef der Bank. Freiwillig ging er nicht - Schuld war auch die Causa Kirch.

Clemens Börsig (67)

Schon mit sechs Jahren bekam Börsig sein erstes Wertpapier: Eine Schiffspfandobligation mit einem Acht-Prozent-Kupon, erworben für 100 D-Mark bei der Volksbank seiner badischen Heimatstadt Achern. Später wachte er als Finanzvorstand (2001 bis 2006) und Aufsichtsratschef (Mai 2006 bis Mai 2012) über das Zahlenwerk der größten deutschen Bank. Dort bekam Börsig viel Gegenwind: Ein Banker, so fanden Kritiker, sei aus dem Quereinsteiger nie geworden. 1999, nach 22 Berufsjahren in der Industrie (Mannesmann, Bosch, RWE), kam er zur Deutschen Bank. Bei der Regelung der Ackermann-Nachfolge holperte es: Im ersten Anlauf 2009 fand Börsig als Aufsichtsratschef keinen Kandidaten - und schlug sich kurzerhand selbst vor. Der Aufsichtsrat verlängerte aber lieber Ackermanns Vertrag. Mit Ackermanns Abtritt Ende Mai 2012 machte auch Börsig den Weg frei für einen Neuanfang.

Tessen von Heydebreck (71)

Ein Urgestein der Deutschen Bank: 32 Jahre lang war von Heydebreck für die Deutsche Bank tätig, seit 1994 als Vorstandsmitglied. Ende Mai 2007 schied der damalige Personalchef aus Altersgründen aus dem Führungsgremium aus, blieb der Bank aber zunächst als Vorsitzender der Deutsche-Bank-Stiftung treu. In seiner aktiven Zeit zählte von Heydebreck zu den Architekten der „Deutschen Bank 24“, die ab Herbst 1999 die weniger betuchten Privatkunden betreuen sollte. Das Projekt wurde zum Symbol für eine Zwei-Klassen-Kundschaft, nur drei Jahre später machte die Deutsche Bank die Ausgliederung des Privatkundengeschäfts rückgängig.

Die Staatsanwaltschaft sei mit „durchaus schwer wiegenden Vorwürfen“ angetreten, sagte Noll. Schließlich sei es darum gegangen, dass die Deutsche Bank von Leo Kirch wegen dessen Pleite auf einen sagenhaften Schadensersatz in Höhe von zwei Milliarden, elf Millionen und 786.090 Euro verklagt worden war. Da wiege ein Prozessbetrug schwer.

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Und Noll zählte auf, dass die Deutsche Bank sich mit ihrem Verhalten selbst verdächtig gemacht habe. Es habe sich widersprechende Angaben gegeben, auch habe sich die Rechtsabteilung des Konzerns ziemlich eigenartig verhalten. Diese habe nämlich Dokumente aus der Bankzentrale ausgelagert und an anderer Stelle aufbewahrt, da es Angst vor Ermittlungen gegeben habe. Es sei der Staatsanwaltschaft gar nichts anderes übrig geblieben als zu ermitteln. Sollte die Staatsanwaltschaft an der Revision festhalten, könnten die Ermittlung nun weitergehen.

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